*Klick* - das kleine rote Lämpchen des CD-Players im Wohnzimmer leuchtete auf und Leo drückte auf play. Dann auf Track 12.
I Wish i had your pair of wings – had them last night in my dreams – i was chasing butterflies – till the sunrise broke my eyes....
Leo kannte mittlerweile jeden Klang, jedes Quietschen der Saiten in und auswendig. Sie starrte auf die Anzeige des CD-Players, sogar die Sekundenlaufzeit der Liedtitel kam ihr vertraut vor. Sie war am Ende ihrer Weisheit. Die letzten Wochen, seit sie zurück waren, hatte sie immer wieder versucht die Familie Kelly zu erreichen – erfolglos. Ihre anfängliche Verzweiflung war zunächst einer unglaublichen Wut gewichen, in der Leo sich völlig gedankenverloren diese Bravo gekauft hatte, von der ihr Paddy in Großformat entgegen gelächelt hatte. Nur um sie zu Hause in tausend kleine Fetzen zu zerreißen.
Kurz darauf hatte sie zufällig auf einem Musikkanal im Fernsehen das Video zu an angel gesehen. Es war einer der seltsamsten Momente in ihrem Leben gewesen. Mit offenem Mund hatte sie auf den Bildschirm gestarrt und konnte einfach nicht fassen, was sie da sah. Paddy auf diesem Stuhl, die Haare zerzaust, und natürlich wieder seine Stimme. Jetzt auch noch mit diesen Aufnahmen von ihm, als säße er ihr gegenüber... Spätestens bei den Bildern von Paddy und Angelo auf der Bühne, liefen Leo die Tränen über die Wangen, in ihrer Brust dieser altbekannte, brennende Schmerz. Leo hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, und trotzdem musste sie das Video bis zum Ende anschauen. Niedergeschlagen schaltete sie dann das Gerät aus und schwor sich, nie nie wieder einen Musiksender einzuschalten. Zumindest nicht in naher Zukunft.
Hinterher war sie mit Tränen im Gesicht aus dem Haus gerannt – den ganzen Weg bis zum Stall von Chocolate und Luan und war mit ihrer Stute in einem ebenso wütenden wie verzweifelten Galopp durch den Wald gebraust.
Aber geholfen hatte es alles nichts. Das Problem war die Musik. Wenn es ihr in der Vergangenheit immer irgendwie gelungen war, den Schmerz über die verlorenen Freunde irgendwie zu vergessen, beziehungsweise einfach weiter zu machen, bis die Erinnerungen so verblasst waren, dass sie weniger schmerzten, so wollte ihr das Schicksal diesmal keine Chance lassen.
Denn da waren die CDs, die sie immer wieder hervorholen musste, auch wenn sie es selbst immer weniger wollte. Mit jedem Tag, der verging, wurde es mehr und mehr zur Qual, diese Lieder zu hören. Und seine Stimme fehlte ihr am allermeisten. Leontina wusste nicht, was schlimmer war: der Schmerz, der irgendwo in ihrem Inneren jedes Mal aufflammte wenn seine Worte aus den Boxen zu ihr drangen, oder das Gefühl, ihm dabei so nahe zu sein obwohl er doch so unendlich weit weg war.
Was war denn nur passiert? Warum tauchten Paddy und seine Familie überall auf, waren auf jedem Zeitschriftencover, nur aus ihrem Leben waren sie komplett verschwunden...
Wie lange würde sie das noch so aushalten?
Leontina wusste nur eines, sie wollte nicht mehr.
Sie wollte wieder frei sein.
Sie wollte diesen Schmerz vergessen.
Und auf einmal folgte sie einem Impuls, einem entschlossenen Gefühl, das ganz plötzlich da war.
Die Taste war schnell gedrückt.
RRRRRT – kam die CD herausgefahren.
Leontina packte sie ohne wirklich hinzuschauen. Sie konnte sich selbst einatmen hören und mit dem Ausatmen – sie nahm ihre ganze Kraft zusammen – KRACK – hatte sie die CD mittendurch gebrochen. Es war nicht mal so schwer gewesen. Aus. Aus und vorbei.
Vielleicht würde sie Paddy ja irgendwann wieder begegnen, wer konnte das schon wissen. Aber bis dahin wollte sie ihr Leben zurück. Und das ging eindeutig besser ohne diese CD, ohne diese Klänge, ohne diese Lautsprecherstimme die wie Nadeln in ihrem verletzlichen Inneren herumpiekste.
Zumindest schaffte Leontina es, für den Moment selbst daran zu glauben.
Sie zog den Stecker der Anlage aus der Steckdose, ließ sich erschöpft in den Sessel fallen und schaltete den Fernseher an. Etwas, wofür sie normalerweise gar keine Zeit hatte, kam ihr nun ausnahmsweise einmal sehr gelegen. Sie fühlte sich wie erschlagen und wollte endlich an gar nichts mehr denken.
Nichts mehr denken.
Und nichts mehr fühlen.
Keine Enttäuschung mehr.
Und kein Schmerz mehr?
Vielleicht irgendwann...
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Hallihallo ihr Lieben :) Ich weiß, ich weiß, etwas dramatisch die gute Leo heute ;) bitte bitte werft jetzt keine Handys oder anderen Dinge nach mir, ich versprechs auch, in Zukunft werden keine Tonträger mehr ruiniert... Ich hoffe ihr könnt mir verzeihen ;)
*SMILES&KISSES* purzelstern
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Growing up oder: lost and found
RomanceSpanien 1994. Zwei Familien, zwei Geschichten. Beide sind Reisende aber aus unterschiedlichen Gründen. Beiden fehlt etwas, doch was sie finden, macht es nicht gerade leichter... Als wäre es Schicksal, kreuzen sich ihre Wege nicht nur einmal. Eine Ge...
