Es war eine sternenklare Nacht. Und hochsommerlich warm. Das Wasser, das gegen das Boot plätscherte, war nur sehr leise zu hören, dafür quakte hier und da ein Wasservogel. Ganz ruhig lag die Sean 'o Kelly da.
„Und? Zufrieden?" Paddy drehte sich auf die Seite und schaute Leo grinsend an. Sie schaute, mit einem leichten Lächeln auf den Lippen in den Himmel.
„Ja. Sehr. Du nicht?" Leo zog an der Decke, auf der sie beide lagen, damit die unbequeme Falte unter ihrem Rücken verschwand.
„Ich kann nicht klagen." Paddy lachte. Klagen konnte er wirklich nicht. Er lag mit Leo auf einer gemütlichen Decke auf Deck und schaute, wieder mal, in den Himmel. Seit er sie kannte machte er das irgendwie öfter als je zuvor...
„Du kannst nicht klagen? Fehlt dir etwa noch irgendwas?" Leo drehte sich jetzt ebenfalls auf die Seite und schaute Paddy direkt an.
In ihren Augen spiegelte sich das Licht der Straßenlaterne. Paddy hätte ihr ewig in die Augen schauen können. Er hatte jedes Mal das Gefühl, darin zu versinken...
„Nein nein, du bist ja jetzt da." Er zog sie kurz an der Nasenspitze. „Da fehlt mir wirklich nichts."
„Witzbold!" Leo lachte leise und drehte sich zurück auf den Rücken.
„Wie lange kannst du denn hier bleiben?" Paddy rollte die zweite Decke zusammen und legte sie wie ein großes Kissen unter seinen Kopf.
„Papa meinte, ich soll zurück fahren, wenn ich euch zu sehr auf die Nerven gehe." Leo kicherte leise.
„Also bleibst du für immer." Paddy schaute in den Himmel. Er konnte den großen Wagen erkennen, direkt über ihnen.
„Ich glaub da bist du zu optimistisch. Irgendwann wollt ihr mich bestimmt wieder loswerden, glaub mir. Außerdem muss ich ja zurück zu Chocolate. Schau, da ist Pegasus*!" Leo zeigte in den funkelnden Himmel.
„Also ich will dich sicher nicht loswerden." Paddy merkte, wie sein Herz etwas schneller zu schlagen begann, was würde sie darauf sagen?
Wenn er auf etwas Romantisches gehofft hatte, wurde er allerdings schnell enttäuscht.
„Haha, das sagst du jetzt. Irgendwann braucht jeder mal Abstand." Leo drehte den Kopf hin und her, wahrscheinlich versuchte sie die Sternbilder zu unterscheiden.
„Also gerade bin ich einfach nur froh, dass du hier bist." Im selben Moment bereute Paddy schon, das gesagt zu haben, aber es war ihm einfach so raus gerutscht. Wenn er so weiter machte, könnte er ihr gleich sagen was Sache war. Obwohl, irgendwie hatte er das Gefühl, dass Leo alles, was er sagte sowieso ganz anders auffasste...
„Das hast du aber jetzt schön gesagt. Meinst du, wir können das schaffen? Obwohl es so kompliziert ist? Ich bin nämlich auch echt froh, hier zu sein." Leo drehte sich auf die Seite und schaute Paddy lange an.
Oh Mann... Wenn sie ihn so lange anschaute... Paddy zwang sich, einen kühlen Kopf zu bewahren.
Er versuchte sich abzulenken und überlegte eine ganze Weile was er sagen sollte. Er wollte Leo ja nicht anlügen. Außerdem wusste sie selbst am Besten, dass es alles andre als leicht war, in ihrer Situation den Kontakt zu halten.
„Ich weiß nicht. Ich kann nur sagen, ich werde mir alle Mühe geben." Paddy drehte den Kopf zurück zum Himmel. Er fand es extrem schwer, ihrem Blick so lange Stand zu halten. Sie schaute einfach nicht weg. Und er fühlte sich so zu ihr hingezogen, wenn er ihr die ganze Zeit in die Augen sah. Aber er konnte ihr ja jetzt schlecht über die Wange streichen, oder sie zu sich her ziehen – was würde sie da von ihm denken?? Und das, was ihm sowieso schon die ganze Zeit im Kopf herum spukte, kam erst Recht überhaupt nicht in Frage... bedauerlicherweise...
DU LIEST GERADE
Growing up oder: lost and found
RomansaSpanien 1994. Zwei Familien, zwei Geschichten. Beide sind Reisende aber aus unterschiedlichen Gründen. Beiden fehlt etwas, doch was sie finden, macht es nicht gerade leichter... Als wäre es Schicksal, kreuzen sich ihre Wege nicht nur einmal. Eine Ge...
