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Guten Abend ihr wunderbaren Leser :) Heute halte ich euch gar nicht lange auf, das Kapitel ist zweigeteilt, heute kommt Paddy, morgen dann Leo, sie haben es nicht leicht zur Zeit, die beiden... Danke für euer Feedback und eure Sternchen - dank euch hab ich jeden Abend eine ganz besondere Freude ;)
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Mittlerweile wurde es wirklich abenteuerlich. Ja, man könnte fast sagen, dass sie sich vor Fans kaum noch retten konnten. Die Zeit der Zirkuszelte war endgültig vorbei. Die der Straßenkonzerte schon lange. Paddy wusste nicht, ob er das bedauern sollte, oder ob das Ganze Grund war zur Freude, schließlich kamen sie jetzt groß raus. Jede Woche waren sie mindestens in einer Zeitschrift oder gar in der Regionalpresse, im Regionalfernsehen kamen auch Berichte und natürlich bei Bravo-TV, Viva und MTV.
An das alles konnte man sich gewöhnen, auch wenn es doch ziemlich anstrengend war. Irgendwie stellten doch alle dieselben Fragen. Und ständig waren sie auf irgendwelchen Partys eingeladen, mal von den TV-Sendern, dann wieder von der Presse oder Plattenfirma. Eigentlich war alles zusammen ganz schön aufregend. Sie lernten so viele neue, mehr oder weniger wichtige, Leute kennen, dass er meistens schon am Tag später keinen einzigen Namen mehr wusste.
Dafür wusste er etwas anderes: aus irgendeinem Grund interessierte sich die Frauenwelt auf einmal um so mehr für ihn. Und nicht nur für ihn, auch seine Brüder konnten sich nicht beklagen. Und jeder hatte seine eigene Art, damit umzugehen. Es war offensichtlich, dass Jimmy die weibliche Aufmerksamkeit in vollen Zügen zu genießen dachte. Paddy wusste nicht so recht, was er davon halten sollte. Aber letztendlich ging es ihn auch nichts an.
Johnny war da schon zurückhaltender, aber Paddy hegte eh schon länger den Verdacht, dass sein ältester Bruder da irgendeine heimliche Sache am Laufen hatte.
Und Joey? Der ließ sich von dem Ganzen Rummel am aller wenigsten beeindrucken, genauso wie übrigens auch Angelo, der hielt das alles wohl für einen Riesenspaß, aber irgendwie war er ja auch noch ziemlich klein...
Und Paddy selbst? Tja, er war mittlerweile der König des Smalltalks. Um wirklich wichtige Dinge ging es eigentlich nie, meistens war alles eher belangloses Herumgealbere, gepaart mit einem kleinen Flirt hier und da, vor allem, je später der Abend – oder eher die Nacht – wurde. Was sollte er sagen? Wirklich viel bedeutete ihm das Ganze eigentlich nicht. Und er wusste auch meistens nicht wirklich, wie er sich gegenüber der Damenwelt verhalten sollte. Er wusste ja nicht mal, ob das Interesse an seiner Person überhaupt echt war. Eigentlich kannten diese ganzen Leute ihn doch überhaupt nicht. Aber bei jedem Gespräch, bei jedem Drink – alles was er hörte und sah waren nette Worte und lächelnde Gesichter. So viel Lächeln. Wie konnten alle um ihn herum immer nur lächeln?! Keiner konnte doch die ganze Zeit gut drauf sein? Warum waren alle um ihn herum also auf einmal nur noch gut gelaunt? Oder lag das an den vielen Partys?
Paddy wusste nicht, was er davon halten sollte. Und er hätte manchmal wirklich zu gerne gewusst, ob sich da tatsächlich jemand wirklich für ihn als Paddy interessierte. Paddy ohne Kelly und ohne Mikrofon.
Dass sie mittlerweile kaum noch unbeobachtet vor die Tür treten konnten, war auch so eine Sache. Es war nämlich ziemlich nervtötend. Genau genommen konnten sie gar nicht mehr alleine irgendwohin gehen. Nachdem ein paar – offensichtlich geisteskranke – Mädels ihm und Angelo tatsächlich 'an die Haare' wollten, war klar: ohne Bodyguards ging es nicht mehr.
Und irgendwie war ihnen da, schleichend aber sicher, ein ganzes Stück der Freiheit, für die ihre Eltern doch immer so gekämpft hatten, abhanden gekommen.
War das der Preis für den Erfolg?
Aber Paddy wollte sich nicht beschweren. Immerhin war jetzt endlich eingetreten, was sie sich für die Familie als Band und ihre Musik immer gewünscht hatten...
Eigentlich gab es nur eine Sache, die ihn wirklich bedrückte. Leo. Sie war einfach aus seinem Leben verschwunden. Und er hatte keine Ahnung, ob oder wie sie je wieder auftauchen sollte... Er hatte ja keine Ahnung wo sie war. Und solange sie sich nicht bei Salva und Martina meldete, bestand wohl auch keine große Hoffnung, dass er von ihr hören würde. Und an allem war dieses bescheuerte neue Telefon schuld! Eigentlich lächerlich.
Er hatte sogar schon mit dem Gedanken gespielt, beim nächsten TV-Auftritt eine Nachricht an sie zu richten, dass sie sich beim Sender melden sollte oder irgendetwas in der Art, aber das hatte auch keinen Sinn. Erstens würden sich vermutlich tausend andere Mädels melden, während Leo selbst wahrscheinlich nicht mal die Sendung mitbekam, und zweitens, konnte er das nicht bringen. Ihre „Fans" oder vielmehr die Presse würden ihm die Hölle heiß machen. Kathy vermutlich auch. Oh und natürlich wäre er dann wieder auf dem Titel der Bravo. „Paddy Kelly sucht seine verschollene Liebe". Da könnte er tausendmal betonen dass es 'nur' um 'eine' Freundin ging.
Und dann beschäftigte ihn immer wieder dieselbe Frage: Hätte er ihr etwas sagen sollen? Wäre dann alles anders gekommen? Aber er konnte keine Antwort darauf finden, egal wie lange er die Frage in seinem Kopf hin und her drehte.
Und das brachte ihn gleich zur nächsten großen Frage: WENN sie sich wiedertreffen sollten, was würde dann geschehen? Wäre alles wie vorher? Seine Gefühle, wenn er an Leo dachte, waren mittlerweile so diffus, dass er es beim besten Willen nicht sagen konnte. Wie es ihr wohl damit ging? Und FALLS alles beim Alten war, was würde er tun? Was würde er sagen? Dieses Hängen in der Luft fing an, ihn langsam aber sicher zu zermürben. Wenn er nur wüsste wo sie war... Ob sie sich sehr verändert hatte in den letzten drei Monaten? Bei ihnen war ja auch so einiges anders geworden...
Und nicht zum ersten Mal fragte Paddy sich, ob es da wohl jemanden gegeben hatte, in Australien, diese letzten Monate... Und ob irgendwas passiert war? Was, wenn Leo dort auf einmal jemanden getroffen hatte, von dem sie ihm nichts erzählt hatte? Ob es da auch einen Kuss gegeben hatte? Oder gar mehrere?? Aaarggh – Paddy wollte sich das gar nicht vorstellen! Er hatte die wenigen Male am Telefon nicht gewagt sie danach zu fragen, vielleicht hatte er es lieber nicht wissen wollen – er hätte ja doch nichts dran ändern können... Je mehr er über die ganze Sache nachdachte, desto sicherer war er sich, dass er sie fragen würde, sollten sie sich je wieder sehen...
Er hoffte nur, dass irgendein Wunder geschehen würde, und sie sich überhaupt irgendwie, irgendwo, wieder begegnen würden. Immerhin hatten sie sich in Ulm auch zufällig wieder getroffen. Paddy schaute sich im Spiegel an und zog eine Grimasse.
'Träum weiter, Paddy Kelly.'
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Growing up oder: lost and found
عاطفيةSpanien 1994. Zwei Familien, zwei Geschichten. Beide sind Reisende aber aus unterschiedlichen Gründen. Beiden fehlt etwas, doch was sie finden, macht es nicht gerade leichter... Als wäre es Schicksal, kreuzen sich ihre Wege nicht nur einmal. Eine Ge...
