KAPITel 79

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Sera spielte mit ihren zwei Barbiepuppen auf der Rückbank. Aric machte das Brabbeln nichts aus. Er hatte zwar Kopfhörer in den Ohren, doch er hörte keine Musik. Eine Taktik um Konversationen zu vermeiden. Seine Mum musste das ja nicht wissen.
Diese saß auf dem Fahrersitz und fuhr das Auto seelenruhig.
Flo sitzt auch auf der Rückbank doch sie ist still und er denkt sich, dass sie wahrscheinlich am Handy ist.

Das Auto der Braias' fährt einige Meter vor ihnen auf dem Highway.
Sie sind gemeinsam auf dem Weg nach Beech Mountain. Es war soweit. Der Ski Urlaub hat begonnen seit sie vor einer Stunde losgefahren sind.
Er konnte nicht mit voller Überzeugung behaupten, dass er motiviert ist.
Ein ganzes Wochenende in Schnee und Kälte klang komischerweise nicht mehr sehr spaßig, auch wenn er mit seiner Familie zusammen wäre.

„Mum, darf ich mal was fragen?" fragte Flo in diesem Moment.
„Na klar." antwortete seine Mum und richtete sich ein wenig im Sitz auf.

„Wieso hast du Wrenley und ihre Mum mit eingeladen mit uns nach Beech Mountain zu fahren?" fragte seine Schwester.
„Ich meine nicht, dass ich etwas gegen Beech Mountain hätte, aber Wrenley und Aric sind kein Paar mehr." erklärte Flo und man hörte die Grimasse heraus.

„Ich mag Wrenley." sagte Sera in diesem Moment und Aric konnte die Euphorie aus ihrer Stimme heraushören.

Ja, Sera mochte Wrenley sehr. Sie liebte sie so sehr, wie ihre eigene große Schwester.
Das war damals schon so, als Aric noch mit ihr zusammen war und heute hat es sich kein wenig geändert.
Das hat er bezeugen können als er gesehen hat wie erfreut Sera über Wrenley's Ankunft war.
Sie ist strahlend auf Wrenley zugelaufen und wollte sie gar nicht mehr loslassen.
„Ich habe dich so vermisst." rief sie während Wrenley sie lachend in die Arme nahm.
„Ich habe dich auch vermisst, Sera." meinte Wrenley und hob Aric's kleine Schwester hoch.
„Du bist ja riesig groß geworden." sagte sie stolz.
Sera strahlte über beide Ohren und zeigte ihre Milchzähne als sie fröhlich mit Aric's Ex Freundin plauderte.
Aric hasste das Gefühl, was er in dem Moment spürte. Aber er konnte nichts dagegen tun innerlich Wrenley für ihre Verbindung zu seiner kleinen Schwester zu bewundern.
Damals waren sie auch so vertraut miteinander umgegangen und bloß weil sie jetzt nicht mehr zusammen sind hat sich die Beziehung zwischen ihnen nicht gleich geändert.

Er hörte trotz der Kopfhörer seiner Mum und Flo zu.
„Die Trennung der beiden ändert nichts daran, dass die beiden gute Freunde der Familie sind. Serena war so froh wieder zurück gezogen zu sein in die Staaten. Sie hat sich gefreut uns alle wieder zu sehen und hat zugegeben, dass sie Charleston wirklich vermisst hat." erklärte seine Mum.

„Ja, aber du weißt ja was für eine Spannung herrschen wird, wenn wir ankommen." sagte Flo und er hörte sofort heraus, dass sie die Augen dabei verdrehte.

„Ich kann nur darauf vertrauen, dass dein Bruder verantwortungsvoll handelt und das Wochenende nicht für uns alle ruiniert." sagte seine Mum.

„Meinst du er hört uns gerade?" fragte Flo belustigt.
Aus dem Augenwinkel bemerkte er wie seine Mum ihn kurz anblickte.

„Aric, hörst du uns?" fragte sie.
Er tat weiterhin so als wäre er in der Musik seiner Kopfhörer versunken.
Seine Mum und Flo lachten leise.

Nach weiteren eineinhalb Stunden kommen sie an.
Das Ferienhaus seiner Mum sah aus als wäre es lange nicht mehr benutzt worden, was ja auch der Fall ist.
Er weiß gar nicht, wann er das letzte mal mit seiner Familie hier gewesen war.
Er sah zum Kofferraum, wovor Flo stand und ihren Koffer raustrug.
Oder zumindest versuchte.
Er trug bloß einen schwarzen Hoodie, aber er setzte sich sofort die Kapuze auf, als er aus dem Auto ausgestiegen war. Eisig war es zu dieser Jahreszeit immer in Beech Mountain.

„Aric hilfst du bitte mit den Taschen." rief seine Mum während sie die Haustür aufschloss und dann direkt um die Ecke lief. Wahrscheinlich um in den Keller zu laufen und die Sicherung anzuschalten.
Flo hatte immer noch Schwierigkeiten mit ihrem Koffer als er zu ihr trat. Statt ihr zu helfen griff er an sie vorbei nach seiner Tasche und der Tasche seiner Mum.
„Willst du mir nicht helfen, du Arschloch?" fragte sie irritiert und sah ihn geschockt an.

„Ich helfe Leuten nicht, die mich Arschloch nennen." sagte er grinsend und zuckte mit einer Schulter.
Sie machte einen genervten Ton doch er drehte sich bereits um und ging ins Haus.
Wrenley's Mum stand bereits drinnen und legte ihren Mantel ab.
Er machte sich auf direktem Wege nach oben.

Er kann sich erinnern, dass das Zimmer seiner Mum im linken Flügel lag, also steuerte er darauf zu.
Er ließ die Tasche seiner Mum im Zimmer stehen und machte sich dann auf den Weg zum rechten Flügel, wo sich sein Zimmer befand.
Das Zimmer hatte er damals als Kind noch mit Flo teilen müssen. Mit den Jahren hat sie dann ihr eigenes Zimmer bekommen, was sich nun direkt neben seines befand.
Sie hatten das berühmte Badezimmer, dass mit ihren beiden Zimmern verbunden war. Er konnte es kaum erwarten wieder 30 Minuten morgens zu warten bis er pissen gehen konnte.

Aric's Zimmertür war bereits offen und er konnte einfach hineinspazieren.
Das Zimmer ist einfach gestrickt. Es hatte ein Queensize Bett aus Holz (was auch sonst), die anderen Möbel waren ebenfalls alle aus Holz. Über die Bettwäsche verzog er das Gesicht. Rot und Schwarz kariert war eine schlechte Entscheidung gewesen.
Seine Mum hat den gesamten Boden in der oberen Etage mit Teppich auslegen lassen, so dass unter seinen Füßen ein blauer Teppichboden lag.
Er blieb einige Meter vor seinem Bett stehen und ließ seine Tasche auf dem Boden fallen.

Dann zog er die Kapuze von seinem Kopf.
Im selben Moment hörte er hinter sich das Klicken seiner Tür, die geschlossen wurde.
Er drehte sich um und entdeckte Wrenley, welche seinen Blick erwiderte.
Auf ihren Lippen lag ein Lächeln, dass er nicht ganz deuten konnte.
Er kam nicht um den Gedanken herum, dass es diese Konstellation lange nicht mehr gab. Er und Wrenley zusammen in seinem Schlafzimmer.

Wie eine schnurrende Katze trat sie langsam näher und säuselte ihm zu.
„Na, hast du mich vermisst?"

NAmeS GAMeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt