Ich kannte jeden Winkel in diesen Raum, jeden einzelnen Zentimeter. Ich wusste wie weit ich mich bewegen konnte um an alles zu kommen. Die Tür war verschlossen. Das war wohl das erste, was ich kontrollierte, als ich wieder bei Bewusstsein war. Jede Zelle meines Körpers hatte Schmerzen, selbst wenn Licht an wäre, wüsste ich nicht, ob ich sehen wollte, wie ich aussah. Der Raum war kalt, nicht so sehr, wie ich es in Erinnerung hatte, aber trotzdem kalt. Vielleicht wurde die Heizung angemacht, damit ich nicht erfriere. Keine Ahnung. Mir war es auch recht egal, denn das einzige, was ich wollte war diese Tür. Nicht verschlossen, sondern offen.
Weinend ließ ich mich auf den alten Teppich nieder. Nackt, alleine, frierend. Man sah durch die wenige Nahrung meine Rippen leicht und durch den Sturz, die Strafe von Simon und den klebrigen Zeug an meiner Schläfe, konnte ich mir ziemlich sicher sein, dass ich ein abscheulich Bild darstellte. Die Platzwunde an der Schläfe hatte ich vom Waschbecken, aber ich könnte sie mir auch schon an der Treppe geholt haben, wer wusste das schon
Die Zeit verging nicht oder vielleicht auch ziemlich schnell. Diese Orientierungslosigkeit war eine Qual. Ich wusste gerne, wie spät es war, wie viel Zeit vergangen war. Nur diese zwei Tage oben, waren wie ein Luxus. Doch diesen konnte ich mir wahrscheinlich nicht so schnell wieder holen. Bestimmt wurde er mich hier unten verrotten lassen.
"Lass mich hier raus!" Flennte ich und zog selbst an meinen Haaren.
Die Lüftung war lautlos, ich hörte nichts außer mich selbst und es war scheiße. Ich hasste es, hasste diese Stille, die einen verrückt werden ließ.
Alles tat weh. Meine Augen brannten und meine Lunge schmerzte. Das Halsband drückte mir die Luft ab, zog sich immer enger um meinen Hals. Meine Hände verkrampften sich darum und ich versuchte es von mir zu ziehen versuchte es zu öffnen, doch alles ohne Erfolg. Ich schrie. Keinen Namen, keine Bitte, kein Flehen. Ich schrie einfach nur und weinte. Ich hielt das hier nicht aus, hatte das Gefühl zu ersticken, obwohl ich normal Luft bekam.
Einige Stunden später hatte ich es geschafft was aus den Wasserhahn zu trinken. Kalter Schweiß war auf meinen ganzen Körper und meine Beine schienen mich nicht halten zu wollen. Sich selbst zur Ruhe zu bringen war wohl das schwierigste, was ich in den Moment tun konnte. Doch irgendwie schaffte ich es. Mein ganzes Gesicht war von den Tränen verklebt, weshalb ich es wusch.
Hatte ich es mir eingebildet? Ich trocknete mein Gesicht ab, versuchte dabei so leise wie möglich zu sein. Das Licht durchflutete mit einen mal den kompletten Raum und ließ mich meine Augen zusammenkneifen. Kurz darauf klappert der Schlüssel im Schloss. Schnell blinzelnd versuchte ich mich so schnell wie möglich an das grelle LED-Licht zu gewöhnen. Das Hantuch hing wieder an seinen Platz, bevor die Tür sich öffnete. Mein Blick suchte fast automatisch nach seinen Händen, doch ich versuchte es zu unterdrücken. Das Zittern hatte vor wenigen Minuten aufgehört und fing nun von vorne an. Meine Bemühungen gerade zu stehen scheiterten.
Mach dich doch nicht kleiner, als du ohnehin schon bist. Scheiß auf die Benehmnummer. Er ist ein Arsch durch und durch und er hat es nicht verdient, dass ich mich in irgendeiner Art ihn gegenüber beuge. Seine Auftreten war kalt. Es war das erste mal das er kam und die Tür hinter sich schloss. In seiner Hand eine Peitsche. Die Angst überholte mein Selbstbewusstsein und ich sah änglich zu ihn auf.
Was hat er vor? Das ist nicht sein ernst oder? Ist es nicht Bestrafung genug mich hier einzusperren? Wollte er mich ernsthaft noch auspeitschen? Für etwas menschliches? Weil ich keine Sklavin sein will und fliehen will? Als ob man da auf so großes Missverständnis trifft!
"Stell dich an die Wand. Beine auseinander." Forderte er.
Ich schüttelte den Kopf. Wenn ich nicht am Waschbecken stehen würde, würde ich ausweichen. Doch wohin? Der einzige Ausweg wurde von ihn versperrt.
"Sayo."
"Lia." Wiedersprsch ich sofort.
"Geh zur Wand." Als hätte ich ihn gar nicht unterbrochen.
"Nein! Du kannst mich nicht auspeitschen, nur weil ich nicht eingesperrt sein will!" Meine Stimme verhaspelte sich und ich sprach viel zu schnell.
Er verdrehte die Augen.
"Tz." Ich zuckte zusammen.
Er packte mich am Oberarm und schubste mich zur Wand. Ich wollte zurückweichen, doch er holte schneller aus, als ich laufen konnte. Ich schrie auf und meine Beine brachten mich nach vorne.
"Hände an die Wand." Befahl er.
Zitternd legte ich meine Hände drauf. Die Fliesen waren kalt und ich konnte den Dreck unter meinen Fingern spüren.
"Bitte tu das nicht." Flüsterte ich eher zu mir selbst, als zu ihn.
Er ignorierte mich. Als er die Peitsche ins Leere schlug, zuckte ich erschrocken zusammen. Der nächste Schlag war für mich bestimmt. Ich schrie auf, meine Beine wollten mich nicht mehr halten, doch ich blieb stehen. Meine Augen waren zusammengekniffen und dann kam der nächste Schlag.
"Bitte." Jammerte ich leise.
Weitere Schläge. Etwas lief meinen Rücken hinunter.
"Aufhören!" Meine Stimme fasste sich zusammen.
Ich hatte versucht mitzuzählen. Ich versuchte beim Verstand zu bleiben, wach zu bleiben. Als meine Beine einknickten, war mein Gesicht schon lange von Tränen überstömt.
"Aufstehen!" Schrie der Mann sofort, was mich den Kopf schütteln ließ.
Ich wollte nicht aufstehen, ich wollte nicht ausgepeitscht werden.
"Bitte hör auf!" Flehte ich heulend.
"Sayo!" Seine Stimme war wie ein Todesurteil.
Man hörte seinen Atem. Ich stand auf, doch meine Beine schienen jeden Moment die Kraft wieder auszugehen. Ich stand nicht mal richtig, da traf das Leder meinen Rücken. Schluchzend stand ich an der Wand, lehnte mich gegen sie um nicht umzukippen. Nächster Schlag, noch einer. Ich biss mir auf die Zunge. Das sollte aufhören. Es sollte vorbei sein.
"Knie dich hin." Forderte er nach ein paar weiteren.
Ich ließ mich auf meine Beine fallen.
"Haltung."
Ich versuchte so gut es ging meinen Rücken zu strecken. Ich verzog vor Schmerz das Gesicht und versuchte mich so gut es ging in die Position zu bringen, die er mir gezeigt hatte.
"Wie heißt du?"
"Lia." Jammerte ich.
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No escape
DiversosNeugier war eine Eigenschaft, die man bei Intelligenten Menschen wieder finden konnte. Ein Zeichen für Intelligenz. Doch meine Neugier hat mich ins Verderben gezogen. Aber war es wirklich Neugier? Ich konnte mich noch an meine zitternden Beine und a...
