Kapitel 23

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Es klirrten keine Schlüssel im Schloss, die mich weckten, ganz alleine wachte ich auf. Ich zog das Tuch von meinen Augen und sah mich um. Keine Fliesen, kein Waschbecken, keine Toilette, kein Teppich, auf den ich lag und keine Kälte. Zögerlich schmiss ich meine Beine vom Feldbett. Kein Keller. Ich war tatsächlich oben, es war nicht nur ein zu gut gemeinter Traum. Ich war wirklich hier. Meine Beine trugen mich ins Badezimmer. Im ganzen Haus war es still, als wäre keine Menschenseele hier. Als ich mich für den Tag fertig gemacht hatte, ging ich nach unten. Noch immer war eine einsame Stille in den Haus.

Der Staub glitzert leicht in den Licht der aufgehenden Sonne und trotzdem ging ich zur Kaffeemaschine und machte einen Kaffee. In Gedanken verloren, sah ich zu, wie die braune Flüssigkeit in die Tasse lief. Ich war wirklich oben. Als der Kaffee fertig war, machte ich mich auf den Weg nach oben in sein Schlafzimmer. Vorsichtig öffnete ich die Tür. Michael lag in seinen Bett und tippte auf seinen Handy rum. Kurz sah er auf und ich ging zu ihn und stellte ihn den Kaffee auf den Nachttisch. Er sagte nichts und ich verließ das Zimmer wieder ohne ein Wort gesagt zu haben.

Unten fing ich an Staub zu wischen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, ich war fast fertig, kam der Mann die Treppe runter. In seiner Hand hielt er die leere Tasse, seine Haare waren wie immer gestylt, aber wirkten zeitgleich etwas unordentlich. Sein Shirt war weit und darüber trug er eine Strickjacke mit passender grauer Jogginghose. Rücksichtslos stellte er die Tasse irgendwo ab und kam auf mich zu. Ich hörte ihn, seine näherkommende Schritte. Ob das gut oder schlecht war, konnte ich nicht wirklich sagen.

Seine Arme legten sich von hinten um mich und mein Körper schien wie erstarrt. Ich spürte seinen ruhigen Atem an meiner Haut. Seine linke Hand wanderte zu meiner rechten Brust hoch. Er fuhr über sie, über meinen steifen Nippel und nahm die Brust dann sanft in seine raue warme Hand. Allgemein war er viel wärmer als ich. Mir war kalt, doch ich fror immer, weshalb ich es gar nicht so schlimm fand. Seine zärtliche Berührung war was neues. Gestern war er auch schon für einen Moment so. Es war verwirrend einen so brutalen Mann, so sanft zu erleben.

"Das mit den Kaffee kannst du gerne öfter machen, wenn du vor mir wach bist, Sayo." Lobte er.

Seine Lippen striffen dabei mein Ohr. Reflexartig hob ich meine Schulter an und rieb mein Ohr dran. Das kitzelte einfach nur.

"Mach ich, Herr." Versprach ich.

"Gutes Mädchen." Und mit einen mal ließ er von mir ab.

Abstand, Distanz, Nähe, Zärtlichkeit, eine Zuckerbrot und Peitsche Erziehung oder einfach nur Stimmungsschwankungen. Ich wusste es nicht, verstand es nicht, doch ich ließ es über mich ergehen. Meine Augen landeten auf den Fenster. Der mitlerweile bedeckte Himmel, die wenigen Tropfen am Fenster und die wehenden Zweige der Bäume, ließ mich frieren. Ich mochte den Herbst nicht. Er kündigte das kalte Wetter an, doch ich war mehr als nur ein Sommerkind. Ich liebte es im Sommer draußen zu sein, die Sonne auf meiner Haut zu spüren und die angenehmen Nächte. Diesen Sommer mochte ich jedoch nicht. In den letzten Jahren war es viel zu warm, man schmolz praktisch in der Sonne.

"Sayo." Wurde ich gerufen, doch meine Gedanken waren wo anders.

"Hey!" Es klatschte vor mir und ich zuckte zusammen.

Meine Augen schossen zu Michael hoch. Wenn man ihn so ansah, konnte man gar nicht glauben, dass er auch zärtlich sein konnte. Mit einen Klatschen in die Hände hatte er mich wieder zurück ins hier ins jetzt geholt. Leider.

"Tut mir leid, Herr." Entschuldigte ich mich und senkte meinen Blick.

"Tagträumerin. Komm, es gibt Frühstück." Das Wort klang in seinen Mund wie eine Beleidigung.

Ich ließ den Lappen im Eimer liegen und folgte ihn in die Küche. Eine Scheibe Toast mit Käse, dazu Obstsalat. Wann hatte er den gemacht? War ich so lange in Gedanken versunken? Michael setzte sich auf einen der Barstühle und ich stellte mich vor ihn hin, mit den Händen auf den Rücken.

Das Frühstück dauerte gefühlt eine Ewigkeit. Doch ich war es ja gewohnt. Als ich fertig war, bedankte ich mich und der Mann schickte mich weg. Ich wischte über die letzte Oberfläche und schüttelte dann das dreckige Wasser weg, nur im dannach den Aufwasch zu machen. Michael packte ein Auto voll. Zumindest erklärte ich mir seine ganzen Taschen so. Neugierig sah ich ihn hinterher, als er mit zwei Koffern das Haus wieder verließ und ohne wiederkam. Als er meinen fragenden Blick sah, schüttelte er nur den Kopf.

"Kann ich Ihnen irgendwie helfen?" Wollte ich wissen.

"Nicht wirklich."

Mein Blick folgte ihn, als er die Treppen wieder hoch ging. Ich folgte ihn, ging aber ins Badezimmer und fing an es sauber zu machen. Ich traute mich nicht wirklich in sein Zimmer zu gehen. Wie sehr ich seine Privatsphäre betreten konnte, wusste ich nicht. Der Mann trat ins Bad, als ich gerade das Waschbecken sauber machte. Er sah auf den Fenster, seine Miene war finster und er knackte seine Finger. Das Geräusch war für mich sehr neutral, ich wusste aber, dass viele es nicht leiden konnten. Mich ließ das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmte. Sonst war er doch auch nicht so. Ich kannte ihn nur ruhig. Trotz allem strahlte er immer irgendwo Ruhe aus. Doch jetzt, schien er nervös. Murrend verließ er wieder das Badezimmer.

No escapeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt