Im Wohnzimmer traf ich ihn wieder. Er saß vor den Fernseher und tippte auf einen Laptop rum. Ich setzte mich zu seinen Füßen, weshalb er mir einen kurzen Blick zuwarf. Es war ruhig, doch ich spürte, wie angespannt er war. Mein Blick ging zum Laptop, doch bevor ich lesen konnte, was da stand, drückte er meinen Kopf nach unten. Es verging einige Zeit so still, bis man draußen irgendwas poltern hörte. Der Mann klappte den Laptop zu und stand auf. Ich sah ihn hinterher, als er zum Fenster ging und nach draußen sah. Seine Hand wanderte nach hinten und erst jetzt konnte ich die Waffe sehen, die er hinten im Hosenbund stecken hatte. Mein Herz pochte bis zum Hals hoch. Hier stimmte irgendwas nicht und das gewaltig. Die Stimmung war zu erdrückend, doch ich wagte es nicht, mich zu bewegen.
Es war ruhig, die Ruhe vor dem Sturm. Fast in Zeitlupe zog er die Waffe und oben zersprach ein Fenster. Ich schreckte auf.
"Nimm den Laptop." Forderte der Mann und ging langsam rückwärts.
"Herr?" Schritte waren zu hören, etwas huschte durch den Garten.
Wenn Michael ein Hund wäre, würde er meine Angst förmlich riechen können, er sah kurz zu mir, wartete, wärend sein Blick auf mir lag und horchte.
"Vertrau mir, bleib bei mir." Seine Stimme war ruhig. Ich nahm das Gerät, in den Moment wo ich es hochheben wollte, schoss er.
Ich zuckte zusammen, hielt die schwarze dünne Platte vor meiner Brust. Etwas polterte, fiel um und hinterließ eine Bremsspur. Ich sah die Leiche mit großen Augen an, nicht in der Lage zu schreien oder zu weinen. Sie lag da, ihr Gesicht hinter einer Maske verborgen, das Loch im Kopf kaum zu erkennen.
Er hatte nur um die Ecke gelunst und war gestorben, nur ein bisschen hatte man gesehen. Die Sukunden vom Schock fühlten sich wie eine Ewigkeit an. Doch nach dem Schuss begann das Chaos. Das Haus war voll von Männern, es wurde geschossen und Michael zog mich in den Schutz der Couch. Ich zitterte am ganzen Leib, schien nicht in der Lage mich zu bewegen.
Es wurden immer mehr, der Mann fluchte, zerrte mich auf die Beine und schoss weiter. Ich blieb hinter ihn, hatte um jeden Schritt Angst. Meine Adern schienen von Adrenalin durchdrängt zu sein. Ich wurde zur Haustür gestoßen und dann hörte es auf, als würden sie uns zurückziehen lassen.
"Rückbank!" Befahl er mit zusammengrbissenen Zähnen und öffnete die Autotür, ließ aber das Haus nicht aus den Augen. Ich stieg ein und er rannte ums Auto herum.
Ich sah zum Haus, wärend er den Motor sofort startete und der Straße entlangfuhr. Er holte sein Handy, versuchte etwas, doch als er in den Rückspiegel sah, geschah nichts, fluchend steckte er das Handy weg. Als wir um über eine Kreuzung fuhren, schlossen sich andere Autos uns an. Man sah ihn an, dass es ihn nicht passte. So gut es ging schnallte ich mich an, versuchte nicht durchs Auto zu fliegen und ruhig zu bleiben. Wir fuhren bestimmt 100km/h durch die Kleinstadt und dann raus auf die Landstraße, immer wieder der Versuch die anderen abzuhängen. Mir wurde übel, durch seine fahrweise bekam ich Kopfschmerzen. Ich versuchte nach hinten zu sehen, doch beschloss dann, dass es besser war, dies nicht zu tun. Es war angespannt, der laute Motor übertönte alles andere und es schien nicht so, als würde es bald vorbei sein. Es wurde nicht geschossen, dafür war die Straße zu kurfig, doch alle wussten, wo man hinwollte. Autobahn. Keine engen kurven, Schutz durch andere Autos. Doch der Weg dahin war auch wichtig, denn wenn man von der Straße abkam oder den anderen verlieren würde, wäre es genauso vorbei. Ein Auto landete im Straßengraben und dann das erste Schild, welches eine Auffahrt markierte. Ich hielt mich Na der Tür fest, als er über rot über die Ampel fuhr, das Auto eines Unbeteiligte bremste gerade so rechtzeitig ab, prallte aber mit einen hinter uns zusammen. Er drückte aufs Gas, überholte Autos, die an der ampel standen und dann auf die Autobahn. Vielleicht sollte ich nicht entspannen, doch wegen den ganzen Verkehr, war uns niemand hinterhergekommen. Trotzdem waren wir schnell, hauptsache weg und Abstand.
"Herr?" Fragte ich.
"Jetzt nicht." Ermahnte er nur.
Das warme nass lief über meine Wangen, als sich eine Art der Erleichterung in mir ausbreitete und das Adrenalin nachließ. Eine halbe Stunde später machte er das Radio an und drosselte leicht sein Tempo. Ich lag irgendwann halb auf der Rückbank, wenn ich die Augen schloss, sah ich die Leichen. Drei Menschen hatte er erschossen und was weiß ich wie viele angeschossen. Was war das gewesen? Was zur Hölle war das? An einen Parkpaltz fuhr er runter. Ich richtete mich auf und sah ihn zu, wie er aus den Auto stieg. Ich wollte auch raus, als er es ging nicht, die Tür war zu. Ein paar Minuten später wurde sie mir geöffnet. Meine Augen weiteten sich, als ich den blassen Mann mit den Blut durchdrängten Shirt sah. Er drückte mir den Verbandskasten in die Hand und zog das Oberteil aus.
"Ich weiß nicht wie das geht." Gab ich zu.
"Hauptsache es läuft kein Blut mehr raus." Knurrte er.
Ich stieg aus den Auto und er setzte sich rein, ich fing an mit Desinfektionsmittel die Wunde zumindest etwas zu reinigen. Michael drückte mir alles in die Hand, was ich brauchen würde und drückte irgendwas weißes auf die Wunde, dann nur noch fest der Verband drum. Sah nicht gut aus, aber besser als nichts. Er wusch sich schnell, schmiss das Shirt in den Müll. Wir standen am Rand des Parkplatzes, sodass man uns nicht sah. Damit nicht auffiel, dass ich nichts am Leib hatte. Ich zitterte immer mehr. Die kalte Luft ließ mich ins Auto steigen, doch Bebra wir losfahren, zog Michael sich um und schmiss mir Sachen zu.
Ich wusste nicht, ob er wusste, was los war, andererseits, wieso sollte er das Auto sonst so vollgepackt haben? Unwissend hier zu sitzen war ne Qual. Es machte mich wahnsinnig und mit jeder Sekunde in der wir nicht fuhren, hatte ich Angst eingeholt zu werden.
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No escape
RawakNeugier war eine Eigenschaft, die man bei Intelligenten Menschen wieder finden konnte. Ein Zeichen für Intelligenz. Doch meine Neugier hat mich ins Verderben gezogen. Aber war es wirklich Neugier? Ich konnte mich noch an meine zitternden Beine und a...
