Kapitel 52

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"Nehmen Sie mich heute nicht wieder mit?" Ich sah den Mann zu, wie er sich das schwarze Hemd zuknöpfte.

"Wir sind heute außerhalb unterwegs, deshalb kann ich dich nicht mitnehmen." Informierte der Mann mich.

"Oh, ach so verstehe."

"Du kennst deine Regel?" Hinterfragte der Mann.

"Ich bleibe in diesen Zimmer." Bestätigte ich.

Er sah mich an. Man sah mir meine Enttäuschung wohl sehr an. Michael kam zu mir, strich eine Haarsträhne hinter ein Ohr und drückte mein Kinn in seine Richtung, damit ich ihn ansah.

"Wirst du mich denn wirklich so sehr vermissen?" Er neckte leicht. Doch für mich war es nichts zum necken.

"Ich weiß einfach nicht, was ich ohne Sie machen soll."

Sein Lächeln war siegreich, ich bestätigte ihn seine Erkenntnis vom Vortag ohne es zu wissen. Für mich sah sein Lächeln einfach nur so aus, als sei er amüsiert über meine Aussage.

"Warum ließt du nicht einfach eins der Bücher hier?"

"I-ich kann leider kein Italienisch."

"Dann musst du mich wohl vermissen. Mach keine Dummheiten."

Und schon war ich alleine. Draußen war es bewölkt, doch die Temperatur noch angenehm. Ich sah eine Weile auf die geschlossene Tür, hoffte irgendwie, dass er etwas vergessen hatte und zurückkommen würde um es zu holen. Ich hasste die Einsamkeit und hatte trotz der Ereignisse den Tag mit ihn als angenehm Empfunden. Es war schön seine Anwesenheit genießen zu dürfen. Hatte ich vielleicht etwas falsch gemacht? Nein. Es war doch nur logisch, dass er mich zu solchen Außenterminen nicht mitnehmen konnte. Immerhin war ich immer noch eine Gefangene, eine Sklavin, die früher mal- Ich schüttelte meinen Kopf, schmiss den Gedanken von mir und setzte mich ans Fenster. Mein Arsch tat von der kleinen Strafe vom Vorabend weh, doch es war aus haltbar. Eine frische Prise sorgte für Gänsehaut an den Armen und ich zog das Shirt, welches ich trug enger um mich. Ich wusste nicht wie viel Zeit verging, doch irgendwann fiel mit jemand ins Auge, der vielleicht etwas älter war als ich. Er sah zu mir auf, als er merkte, das ich ihn ansah, hob er wie bei einen Gruß die Hand. Ich grüßte zurück und sah zu, wie er sich wieder seinen Beten zu wand und Unkraut entfernte. Er war dünn, nicht abgemagert, aber dünn, hatte dunkle Haare und das war alles, was ich von dieser Entfernung erkennen konnte. Ich saß lange im Fenster, sah den Leuten zu und spürte immer wieder die Blicke des jungen Mannes auf mir. Ich versuchte es zu ignorieren, doch es ging nicht so gut.

Als die Sonne sich den Horizont näherte, schloss ich das Fenster, doch mein Blick lag noch immer in der Außenwelt. Die Zeit schien nicht vergehen zu wollen. Ich langweilte mich sehr, unterdrückte die meisten Gedanken. Doch er konnte sie nicht lesen, er wusste nicht, was genau in mir vorging, wieso also weigerte ich mich, an meine Familie zu denken? Die Gedanken sind frei. Niemand würde sie je einschränken, kontrollieren oder manipulieren können. So heißt es zumindest immer. Man sagte, dass man einen Menschen alles nehmen konnte, doch der Kopf würde frei bleiben. So war es nicht. Man dachte über alles nach, doch nur über das erlaubte. Man hatte Angst zu denken, was man wollte. Die alten Zeiten, nie könnte ich sie wieder ins Gedächnis rufen, nie darüber schwärmen oder sie gar missen wollen. Wenn mein Kopf frei bleiben würde, würde sich immer wieder etwas in mir gegen ihn auflehnen wollen. Doch ich hatte keine Chance. Ich könnte es nicht, also sollte ich mich der Versuchung nach schützen und das was mir eins lieb und teuer war, hinter Schloss und Riegel verbaren und irgendwann, wenn das Schicksal ein Happy End für mich geplant hatte, wenn ich wieder frei wäre, dann könnte ich alles zu Boden reisen und mich an en alten Erinnerungen beglücken.

Eines Tages....Will ich wieder in den Arm genommen werden. Ich will wissen, dass ich in Sicherheit bin und mich mit den Umgeben, die mich lieben. Mein Herz scmerzte, als würden Tausend Nägel sich hineinbohren. Ich schien leer zu werden und meine Gedanken, mein geheimer Wunsch nach dem Alten, riss mir ein Loch in die Brust, welches sich niemals füllen wollte. Die Tränen fühlen sich heiß auf meinen Wangen an, doch ich wischte sie nicht weg, egal wie viele liefen. Sie klebten an den Wangen, hinterließen Spuren bis zum Kinn und manche sogar den Hals entlang. Ich war wie in Trance, konnte die alten Freunde, die Menschen nicht gehen lassen. Ich saß da, starrte in die Leere, wärend das Zimmer immer mehr in Dunkelheit getaucht wurde. Ich schrie, doch keiner hörte mich, ich versank und keiner zog mich wieder ach oben. Wo war ich? Wer war ich? Wieso? Wieso musste das alles passieren? Wieso ausgerechnet mir? Ich wollte doch nur Leben. Ich wollte...doch nie mehr wie normal sein. Bitte....wenn mich irgendwer in diesen stillen Lärm meiner selbst hört, bitte rette mich! Bitte holt mich zurück. Mama....bitte nimm mich wieder in den Arm.

Ich zuckte erschrocken zusammen, als das Licht das Zimmer durchflutete. Meine Augen lagen auf den Mann, der die Tür hinter sich schloss. Er sah mich an, scannte meinen Körper ab und kam dann auf mich zu. Das Jakett scchmiss er achtlos dabei aufs Bett. Ich beobachtete ihn, sah in das grau, welches schon fast beruhigend auf mir lag.

"Sayo.."

"Tut mir leid, Herr." Ich hatte gesündigt.

Er legte seine Hand auf meine rechte, die andere an meinen linken Unterarm. Ich Verstand nicht ganz, doch als er die beiden voneinander trennte, durchzog ein brennender Schmerz meinen linken Arm. Meine Hand fühlte sich komisch an, als hätte sich ein schmiereiger Film drauf gelegt. Ich wollte nach unten sehen, wissen, was ich getan hatte, damit es so wehtat, doch ich wurde aufgehalten. Der Mann legte seine Hand auf meine Wange, zwang mich ihn anzusehen.

"Was machst du nur." Er war leise, so ruhig.

"Ich weiß es nicht." Das Stimmte. Ich hatte keine Ahnung was mit mir los war. Ich gab mich ihn hin, ich war seins. Doch kaum war ich im imbegriff perfekt für ihn zu werden, wehrte sich mein Kopf, indem er mir die Vergangenheit zeigte.

Michael wischte meine Tränen ab, doch sie flossen sofort wieder nach, ein Schniefen entkam mir und ich lehnte mich gegen meinen einzigen Halt, den ich irgendwie hatte.

"Mein Kopf will nicht." Schluchzte ich.

"Ich weiß." Er klang enttäuscht.

"Es tut mir so leid. Ich möchte doch Ihr Eigentum sein."

Er drückte mich von sich. Als hätte ich eine wiederliche Aussage getroffen. Als wäre ich verdreckt.

"Willst du das wirklich?" Ich konnte ihn nicht einschätzen, aber ich wusste, dass er mir verdammt Nahe war.

"Was sollte ich sonst wollen Herr?" Es war nicht mehr als ein Hauchen, welches es kaum wagte, meine Lippen zu verlassen.

Ein kleines Lächeln legte sich auf seine Lippen, so klein, dass man es kaum erkennen würde, wenn man das Zucken des Mundwinkels nicht sah. Er sagte nichts, wischte mir nur die Tränen weg, ließ aber seine Hand auf meiner Wange liegen und dann passierte wohl etwas, was ich nicht einmal in meinen Träumen hätte vorstellen können. Meine Augen waren fast automatisch geschlossen, doch auch wenn ich zurückweichen wollte, ließ er es nicht zu. Seine Lippen waren weich, die Bewegungen mit so einer Zärtlichkeit, dass sie mich das Gefühl in meiner Brust vergessen ließen. Ich traute mich nicht wirklich zu erwiedern, tat es eher zögerlich. Als er sich löste, öffnete ich meine Augen, nur um zu sehen, dass er nicht weit weg gewichen war. Er sah mir direkt in die Augen, das Grau, was die Ruhe meiner Blauen Augen zum Aufwühlen bringen wollte. Als würden sich Wolken über einen klar blauen See legen.

Wolken würden immer über die Farbe des Sees bestimmen. Nur der Klare Himmel konnte das klare wasser gut zur Geltung bringen. Die WOlken waren die Manipulatur, die Dominierenden und vorallem die, die dafür verantwortlich waren, wie man das Wasser wahr nahm. Er verdeckte mich, machte mich unrein und ließ mich als Werlos erscheinen. Ich sollte ihn hassen, verabscheuen, doch in diesen Wenigen Sekundne hatte er meine aufgewühlte Seele zur Ruhe gebracht.

"Ich werde mich erst einmal im deinen Arm kümmern." Mein Blick löste sih von seinen und ich sah auf das verschmierte rot.

Meine Fingernägel hatten sich etwas zu sehr in die Haut gebohrt.

No escapeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt