Die erste Träne fiel auf seine Hand und endlich ließ der Mann von mir ab. Ich ließ ihn los, blieb aber stehen. Ich wischte keine Träne weg, unterdrückte jede Reaktion, jeden Willen von mir einfach zu gehen.
"Jungfrau?" Wollte einer wissen.
Von der Stimme her würde ich vermuten, dass es der Älteste von den Leuten hier war.
"Ja."
"Mal sehen wie lang noch." Scherzte jemand, woraufhin ein paar amüsierte Töne kamen.
"Sie ist nur nicht zum verkauf."
"Willst dich wohl selbst austoben?"
"Sie juckt mich nicht. Mir reicht es, wenn sie den Haushalt schmeißt." Beantwortete der Mann die Frage.
Wir werden nicht miteinander schlafen? Er wird mich nicht vergewaltigen? Wenn ich ihn nicht reizte, dann war es doch so oder? Irgendwo in mir spürte ich eine Erleichterung aufblühen. Doch es war Hoffnung. Hoffnung nicht so etwas tun zu müssen. Doch brachte sie mir was? In letzter Zeit hatte ich gemerkt, wie schnell einen die Hoffnung aus der Hand geschlagen wurde.
"Komm her." Rief mich der Herr zu sich.
Meine Beine schienen sich nicht rühren zu wollen, schienen die ganze zeit wie angewurzelt, doch jetzt lösten sie sich. Ich ging zu ihn und setzte mich nach seinen stillen Kommando zu seinen Füßen nieder. Er holte etwas aus seiner Tasche und reichte mir das Tempo. Ich nahm es und hielt es nach dem benutzen weiter in der Hand. Ich wagte es nicht, mich vor all den Männern zu bewegen. Nur sehr langsam setzte ich mich so, dass mich niemand sehen konnte, niemand meine intimen Stellen anstarren würde. Sie besprachen noch einiges, doch ich hörte nicht zu. Ich wollte mit den allen hier nichts zu tun haben. Ich wollte nach Hause, wollte mich verkriechen und nie wieder hervorkommen.
Ich vergrub mein Gesicht in meinen Armen, welche sich auf meine Knie abstützten. Das alles sollte endlich vorbei sein, ich war lang genug hier. Die Geschäftspartner waren es aber auch. Als alle aufstanden, sah ich kurz auf, doch es wurde nur bezahlt und die Kisten wurden alle nach und nach rausgebracht. Ich blieb sitzen, beobachtete alles und ließ die Männer das tun, was sie eben taten. Als sie draußen waren, kehrte Ruhe ein. Eine Ruhe, die sehr angenehm war, welche mir sagte, das die Leute wirklich endlich weg waren. Wenn ich andere Menschen in Zukunft treffen würde...wären sie alle so? Wären sie alle getrieben von Geldsucht, Lust und wären sie alle so widerlich? Würde ich in diesen Leben jemanden treffen, der normal war? Der mir vielleicht sogar helfen würde von hier zu entkommen?
Ich zuckte zusammen, als sich eine Hand auf meinen Kopf legte. Ich sah auf, sah den dunkelhaarigen an, der mich vor einer halben Stunde gedemütigt hatte.
"Mach den Haushalt weiter." Befahl er und ging.
Ich stand auf, ging in die Küche um weiter den Boden zu wischen. Monik war nirgendwo zu sehen. Mein Kopf schien wie leergefegt. Am liebsten hätte ich irgendwo in ruhe geweint, hätte meinen Körper verflucht. Wenn ich nicht funktionieren würde, was würde er mit mir machen? Eine Stunde verging, dann war wieder etwas zuhören. Ich sah auf. Simon kam mir einer Reisetasche und seine Sklavin mit einen kleinen Koffer und einen Rucksack. In den Koffer war das Zeug drin, was sie für die Behandlung von Michaels Schusswunde benötigt hatte. Michael war hinter ihnen. Der Blonde verabschiedete sich von ihn und Monik deutete eine kleine Verbeugung an.
Wie hielt sie das aus? Wie machte sie das? Wie lange hatte es gedauert, bis sie so war? Sie war frei, hatte gelebt, studiert, ihre Hobbys. Wie konnte man sie so weit brechen? Gab sie sich mittlerweile freiwillig hin? Ging sowas überhaupt? trieb das Trauma einen Menschen soweit an?
Die Haustür fiel ins Schloss. Wir waren alleine. Schon wieder alleine. Der Mann drehte sich zu mir und ich wand mich an den Boden. Dann ging er, aber nicht ohne die Haustür vorher zuzuschließen. Ich putzte die ganze Küche, ließ nichts aus. Als ich mit der Küche fertig war, wischte ich den Flur, dann die Treppen. Michael kochte, man hörte ihn in der Küche. Ich ging ihn mehr oder weniger aus dem Weg. Vor allem nach dem, was heute Nachmittag war, wollte ich ihn nicht zu Nahe kommen. Erst zum Abendessen trafen wir wieder aufeinander. Geduldig saß ich auf den Boden, neben ihn und wartete. Heute gab es für ihn nudeln mit einer Käse-Sahne-Sauce. der Geruch ließ meinen Magen knurren. Ich könnte im essen versinken. Als er fertig war, nahm er eine Scheibe, schmierte Butter drauf, dann kam eine Scheibe Käse und zum Schluss noch drei kleine Tomaten. Ich stand auf und stellte mich vor ihn hin. Beine hüftbreit auseinander, die Hände auf dem Rücken. Er ließ sich zeit, sah mich an und schien darüber nachzudenken, was er mit mir machen sollte.
"Wem gehörst du?" Fing er mit einen mal an.
"Ihnen, Herr." Antwortete ich.
Angeblich. Doch man konnte keinen Menschen besitzen. Er teilte da andere Ansichten. Man konnte Tiere besitzen, wieso also auch keine Menschen? Wieso also nicht jemanden von seiner eigenen Sorte halten. Wobei, für ihn war ich nicht seine Sorte? Ich war niedriger gesetzt, Abschaum, den man von der Straße mitgenommen hat.
"Wirst du dich benehmen?"
Mein Herz setzte aus. Ich merkte, wie ein mulmiges Gefühl sich immer weiter ausbreitete.
"Habe ich etwas falsch gemacht?" Hinterfragte ich.
Er schüttelte den Kopf.
"Du hast dich heute sehr vorzeigbar gezeigt. Ich bin stolz auf dich, Sayo."
Ich war lange nicht mehr so von Erleichterung gefüllt, wie in diesen Moment. Ich wusste jedoch auch nicht, was genau ich darauf antworten sollte.
"Vertraust du mir?" Wollte er wissen.
"Nein Herr." Ich tat es nicht.
Wie sollte ich es auch? Er war mein Peiniger, der der mich folterte, sexuell belästigt und anderen vorführte. Wie sollte sich bei sowas vertrauen aufbauen.
"Ich habe Angst vor Ihnen." Gab ich zu.
Er sah mich an, sah auf mich herab, seine Miene die ganze Zeit so kalt, so geschlossen, dass ich ihn nicht einmal ansehen wollte. Er antwortete nicht, ließ mich stattdessen Abendessen. Als er am Handy beschäftigt war, machte ich Spurenbeseitigung. Es wunderte mich, dass er in der Küche blieb, doch versuchte ihn nicht weiter zu beachten. Er sah mich nicht an, ließ mich das machen, was ich machen sollte.
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No escape
AcakNeugier war eine Eigenschaft, die man bei Intelligenten Menschen wieder finden konnte. Ein Zeichen für Intelligenz. Doch meine Neugier hat mich ins Verderben gezogen. Aber war es wirklich Neugier? Ich konnte mich noch an meine zitternden Beine und a...
