Kapitel 41

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Ich verlor mich in meinen Gedanken. Der Lärm in mir selbst schien der Ruhe gleich zu sein. Kein Gedanke passte zu den anderen, egal nach welchen ich greifen wollte, er ergab keinen Sinn. Aus diesen Geschwür der Gedanken folgte irgendwann das nichts. ich saß da, wie eine leere Hülle. Irgendwo schrie etwas, dass ich mich zusammenreißen musste, dass ich irgendetwas tun musste, doch ich tat nichts. Ich saß einfach nur da, würde wach gehalten von einen Geräusch, was mich immer wieder weckte, wenn ich kurz vor dem einschlafen war. Wenn ich merkte, dass ich vor mich hin döste, könnte ich runterzählen und genau bei null ankommen, wenn dieses Geräusch aus den Lautsprechern käme.

Es machte mich wahnsinnig. Am liebsten würde ich irgendwas tun, sei es nur in diesen Raum umherzulaufen, doch es ging nicht. Jede Bewegung schien zu viel, jede Belastung eine Qual. Ich weinte oft, solange, bis mein hals trocken war und ich mich fühlte, als würde ich jede Sekunde verdursten. Meine Haut sah trocken aus und ich bildete mir ein sogar Risse zu sehen, doch das könnte am Schlafmangel und dem schlechten Licht liegen. Trotzdem machte mir der Anblick meines Körpers Angst. Ich hatte immer eine sportliche Figur, doch das hier war einfach nur ein Frack, etwas abgemagertes und während ich mich ansah, realisierte ich nicht einmal wirklich, dass ich es tat. Wie als würd ich eine Seite in einen buch lesen und im nächsten Moment vergessen, was auf dieser Seite stand.

Vielleicht war das sein Ziel. In dieser Stille dachte ich nämlich nicht. Ich saß nur da und würde mir immer mehr bewusst, dass ich zu nichts imstande war. Ich konnte an dieser Situation nichts ändern. Ich konnte mich nicht wehren, nicht aufständisch sein, denn jedes mal, wenn ich es sein würde, würde dieser Teufelskreis wieder von vorne beginnen. Immer und immer wieder. Ihn würde dabei nicht langweilig werden, immerhin würde er sich jedes mal etwas neues einfallen lassen können und wenn er keine Lust hatte mich zu sehen, würde ich in der Ruhe verrotten, verloren in meinen Gedanken, die nichts weiter schienen als ein weiterer Raum voll Stille und Leere. 

Ich...ich wollte doch nur Leben. Leben, lachen, weinen, lieben, geliebt werden...ich wollte das alles doch nie. Nie wäre mir in den Sinn gekommen, dass ich auf so einen Psycho treffe. Wie sollte man damit denn auch rechnen können? Falsche Zeit, falscher Ort. Nur eine Sache und dein Schicksal schlägt einen komplett anderen weg ein. Ich hatte es doch unter Kontrolle, hatte schon genug geplant und gemacht. Normal verdammt! War ein normales Leben denn zu viel verlangt?

"Sayo." Ich sah auf.

Ich hatte ihn  weder gehört, noch mitbekommen, dass er in den Raum gekommen war. Meine Augen lagen auf ihn, dann sah ich auf meinen Schoß.

Es würde keinen Ausweg geben. Das hier war das Leben. Mein verdammtes Leben. Ich hielt die Tränen zurück, die mir drohten die letzte Flüssigkeit aus meinen Körper zu nehmen. Ich sah Michael an, als wüsste ich nicht so recht, was ich tun sollte. Er hielt den Teller etwas hoch um meine Aufmerksamkeit darauf zu lenken, doch es half mir nicht sofort auf die Sprünge. Meine Aufmerksamkeit und Konzentration war komplett in Eimer. Zwei Nächte ohne Schlaf und zu wenig Nahrung führten dazu, dass ich neben der Spur war. Er hatte damit gerechnet, ließ mir Zeit zum realisieren. Ich kämpfte mich auf die beine, dabei klirrten die Ketten. Als ich den Teller sah, war ein Stück Kuchen neben der Waffel und den Weintrauben zu finden. Es dauerte lange, bis ich aufgegessen hatte. Vorsichtig setzte ich mich danach wieder in meine Ecke, lehnte mich an die Wand und wollte die Augen schließen, doch ich schreckte von selbst hoch, als ich kurz davor war wieder einzuschlafen. Zu sehr hatte ich Angst vor diesen Lärm, der mir langsam meinen Verstand räumte. Es war, als würde ich durchdrehen, wenn ich es noch einmal hören musste und mir so jede Müdigkeit entrissen wurde.

Michael verließ nur kurz den Raum und kam dann mit einen Eimer und Lappen wieder, zudem ein Verbandskasten. Er wusch mich. ich konnte mich nicht wehren. Zwar fühlte ich mich durchs essen besser, doch mein Kopf war aus.

"Geht es dir denn so schlecht, wenn ich nicht da bin?" Fragte er plötzlich.

Verwirrt sah ich zu ihn hoch. Wie ein unschuldiges Reh, dass nicht wusste, dass das, was auf die zukam ein Auto war.

"Jedes mal, wenn ich dich länger alleine lasse, siehst du einfach erbärmlich aus." Er nahm mein Kinn in die Hand und wusch mein Gesicht mit dem kalten Wasser.

Ich verzog mein Gesicht, hatte es schon als Kind gehasst, wenn das meine Mutter gemacht hatte. Tränen sammelten sich in meinen Augen. Ich wollt nicht wissen, was für ein Äußeres ich für andere abgab.

"Och Sayo." Er legte den Lappen in den Eimer und legte vorsichtig seine Arme um mich. "Das ist doch kein Grund, wieder die Tränen laufen zu lassen. Es ist doch nur verständlich so. Nur wenn du bei mir bist, kann es dir gut gehen." Ich konnte nicht sagen, ob sich unsere Köpfe aus versehen berührten oder ob er mir einen Kuss auf meinen Kopf gab. 

Ich wollte etwas sagen, doch konnte es nicht, nicht ein Ton entwich mir. Nachdem er mich komplett gewaschen hatte, machte er einen ordentlichen Verband um die Wunde, cremte die alten Wunden auf meinen Rücken ein, damit die Narben dort gut verheilten und verteilte mir Deo unter den armen. Zu guter Letzt kämmte er meine Haare, die wohl das einzige waren, was nicht gewaschen würden.

Meine Augen folgten ihn, folgten jeder seiner Berührungen. Seine warmen Hände fühlten sich wie Feuer auf meiner kalten Haut an. Als er alles zusammenpackte und ging, blieb ich weiter sitzen, sah auf die Tür und hoffte, dass er wiederkommen würde, dass er mich nicht alleine ließ.

Wenn er doch wusste, dass ich ihn brauchte, wieso ließ er mich dann alleine?

No escapeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt