Viktorias Pov.
Seit dem Vorfall, in jener einen Nacht vergingen bereits einige Wochen.
Bald würde der März beginnen und somit ein weiterer Monat verstreichen.
Ein weiterer Monat weniger, bis zu Dumbledores Tod.
Draco hatte ich nichts von dieser Nacht erzählt.
Ich hatte ihm nicht erzählt, wie viele Menschen ich nun schon auf dem Gewissen hatte.
Er würde dies nicht verstehen.
Für ihn ist jedes Leben wertvoll, auch das eines Muggels.
Anfangs dachte ich genauso, doch als die Zahl der Opfer immer weiter anstieg, vergaß ich oft Scham und Reue zu spüren.
Anfangs fraß es mich innerlich auf.
Es nahm mir immer mehr meiner Selbst.
Es nahm mir meine Persönlichkeit, meine eigene Ansichts- und Denkweise.
Ich fühlte mich wie eine Hülle.
Eine Hülle, die mein Gesicht trägt.
Eine Hülle, die meine Stimme spricht.
Aber mir soll es egal sein, Reue spürte ich seit Opfer Nummer 20 nicht mehr.
Seit dem war es mir egal.
Es waren nur Muggel, nichts als Abschaum.
Ein scheußliches Pak.
Aber niemand darf davon erfahren.
Niemand soll wissen, dass ich eine Mörderin bin.
Erst recht nicht Draco.
Er würde mich hassen.
Aber vielleicht wäre es besser so.
Vielleicht würde es alles einfacher machen.
Vielleicht könnte ich ihm dann auch seine Last, einen Menschen zu töten abnehmen.
Er hatte es nicht verdient sich so zu fühlen.
Er war mental ein Wrack.
Jede kleinste Berührung konnte so viel bei ihm auslösen.
Als der Eisprinz damals in dieser Nacht auf mich im Gemeinschaftsraum wartete, da ihm mein Verschwinden nicht entgangen war, habe ich versucht ihn nicht anzusehen.
Ich habe keine seiner Fragen beantwortet.
Hatte mich ihm verschlossen.
Mich ihm abgewandt.
Er sollte meinen verrückten Ausdruck in den Augen nicht sehen.
Ich wollte ihn nicht damit belasten.
Immerhin sind wir ein Paar oder waren wir zumindest.
Die letzten Wochen haben nicht zugunsten unserer Beziehung beigetragen.
Wir sprachen zwar miteinander, aber nur das Nötigste.
Er hat oft versucht mich darauf anzusprechen, doch ich wechselte immer das Thema, bevor er zu viel weiß.
Von dem dunklen Lord habe ich lange nichts mehr gehört.
Irgendwie hoffte ich auf einen Brief, indem Ort und Zeitpunkt standen.
Ich wollte wieder diese dynamische, intensive und gnadenlose Kraft durch meinen ganzen Körper bis zu den Fingerspitzen fließen spüren, die nur dann erschien, wenn der Todesfluch den Zauberstab verließ und sein Opfer traff.
Aber kein Brief wurde an mich adressiert.
„Hey Viktoria, hörst du mir überhaupt zu?", fragte der Eisprinz und schnippte währenddessen mit seinen Fingern vor meinem Gesicht.
Ich hob meinen Blick und sah ihm in die Augen.
Etwas erwidern tat ich nicht.
„Der Unterricht ist vorbei, wir wollten doch in den Raum der Wünsche, um das Kabinett nun mit einem Lebewesen zu testen", warf er mir nun vor, da er wohl annahm, ich hatte es vergessen.
Aber er hatte nicht unrecht.
Ich wusste es wirklich nicht mehr.
„Na los, komm schon", sagte nun Malfoy etwas genervter und zog mich hinter sich her.
Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich mich kein Stück von meinem Platz bewegt hatte.
Also ließ ich mich einfach mitschleifen.
Die Berührung seinerseits, war mir äußerst unangenehm.
Nicht, weil ich ihn nicht mehr liebte, sondern weil es mir das Gefühl übermittelte, als wäre nichts geschehen.
Als hätte ich mir die 34 Tote, die durch meine Hand starben nur eingebildet.
Es machte weder meinerseits, noch zugunsten seinerseits noch Sinn so weiterzumachen.
Ich entriss mich ihm, sodass er meine Hand losließ.
„Ich kann alleine gehen", sagte ich etwas harscher als gewollt.
Draco drehte sich zu mir um und wollte meine beiden Hände in seine nehmen, doch ging in einen Schritt zurück.
„Fass mich nicht an! Ich will und kann das im Moment nicht!”
Ich sah, wie seine Augen glasig wurden. Er versuchte die Tränen zu unterdrücken.
Es gelang ihm jedoch nur mäßig.
Eine Träne verließ sein Auge und kullerte seine Wange hinab.
Er drehte seinen Kopf weg, da er sich erhoffte, ich hätte nichts gesehen.
Es tat mir im Herzen weh.
Ein Teil von mir wollte in seine Arme springen, ihn küssen und nie wieder loslassen.
Doch der andere Teil, tat genau das Gegenteil.
Ich blieb einfach nur stehen und sah ihm mit emotionslosen Augen entgegen.
Ich ging einen Schritt vor, entschied mich aber an ihm vorbei zu schreiten und weiter Richtung Raum der Wünsche zu gehen.
Als ich ein paar Meter vorausgegangen war, hörte ich Draco leise etwas flüstern.
„Warum?"
Mehr verließ nicht seine Lippen.
Ich drehte mich gar nicht um.
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
In dem Moment wäre fast alles Gesagte falsch und verletzend gewesen.
„Es ist besser so", brachte ich letztendlich über meine Lippen und setzte meinen Weg fort.
Ich merkte, wie sich Draco an der kühlen Steinwand hinab sinken ließ.
Er hatte seinen Kopf auf seine Knie gelegt und sein Körper wurde immer wieder von Schluchzern geschüttelt.
In mir wütete ein Sturm der Gefühle.
Ich wollte umkehren.
Ihm sagen, dass ich ihn liebte.
Doch irgendwas hinderte mich.
Ich tat nichts und bog um die Ecke, die in den nächsten Flur führte.
Ich ließ Draco einfach dort, mit seinen Gefühlen allein zurück.
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Überraschender Wendepunkt - Wendung ins Gute oder in den Wahnsinn... (Draco Ff)
FanfictionViktoria Elizabeth Lestrange, ihr Leben lang wurde sie darauf hin erzogen die perfekte Todesserin zu sein. Das Gefühl der Liebe ist ihr fremd. Viktoria wird mit den unterschiedlichsten Aufgaben konfrontiert. Doch zu alldem kommt noch etwas viel Sc...
