58. Kapitel ~ Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen...

247 20 0
                                        

Viktoria's Pov.

Als der Todesfluch auf den Auserwählten traf, wurde Voldemort durch eine enorme Druckwelle unsanft von den Füßen gerissen.
Ich wandte mich von dem am Boden liegenden Zauberer ab und schloss mit zitternden Händen meine Augen.
Ich verschränkte sie erneut hinter meinem Rücken und merkte wie sich ein beklemmendes Gefühl in meiner Brust bildete.
Das Atmen fiel mir schwer.
Jede einzelne Faser meines Körpers sträubte sich zu glauben, dass der Auserwählte nun endgültig Tod war.
Alles war verloren.
Der dunkle Lord würde nun die Herrschaft der magischen Welt an sich reißen.
Nichts hatte ein Ende.
Es würde alles nur noch schlimmer werden.
Vor nicht allzu langer Zeit, begriff ich was Dumbledore mir damals mit seiner Geschichte erklären wollte.
Er meinte, dass ich nicht aufgrund meiner Familie und Abstammung dafür bestimmt war auf der bösen Seite zu stehen.
Auf der Seite von Voldemort zu kämpfen.
Er wusste, dass ich es eines Tages verstehen würde.
Das ich eine Wahl hatte.
Eine Wahl, mein Leben zu leben.
Ich musste niemanden etwas beweisen.
Ich konnte frei entscheiden, auch wenn dies meinen Tod bedeuten würde.
Langsam und träge öffnete ich wieder meine Augen und blickte zu dem Ort, an dem der dunkle Lord vor wenigen Sekunden noch gestanden hatte.
Er wurde etwa einen Meter nach hinten geschleudert und landete mit einem dumpfen Aufprall auf dem erdigen Waldboden.
Das Geräusch hastiger Schritte, Flüstern und besorgtes Gemurmel erfüllte die Luft.
„Herr . . . Herr . . .”, ertönte die Stimme meiner Mutter und sie sprach zu Voldemort, wie zu einem Geliebten.
„Herr...”, keuchte sie erneut.
„Das genügt”, sagte Voldemort mit kühler Stimme.
Einzelne Todesser entfernten sich hastig vom dunklen Lord und kehrten zu der Menge rund um die Lichtung zurück.
Voldemort erhob sich langsam mit krummen Rücken.
„Herr, lasst mich-”
„Ich brauche keine Hilfe!”, sprach der dunkle Lord kühl und ich sah wie meine Mutter ihre hilfsbereit ausgestreckte Hand zurückzog.
„Der Junge . . . ist er tot?”
Auf der Lichtung herrschte vollkommene Stille.
Niemand näherte sich dem Auserwählten, jedoch blickten alle wie gebannt zu dem am Boden liegenden jungen Zauberer.
„Du”, sagte Voldemort und deutete mit seinem knochigen Finger auf Narzissa, welche unter dem Blick des dunklen Lords zusammen zuckte.
„Untersuch ihn. Sag mir, ob er tot ist.”
Voldemort scheute sich, Potter nahe zu kommen, da er anscheinend den Verdacht hegte, etwas sei nicht nach Plan verlaufen.
Narzissa Malfoy entfernte sich mit langsamen Schritten von ihrem Mann und trat an dem Feuer in der Mitte der Lichtung vorbei.
Als sie bei Potter angelangt war, hockte sie sich neben ihn und senkte den Kopf zu seiner Brust.
Nach wenigen Sekunden richtete sie sich wieder auf und drehte ihren Körper dem dunklen Lord zu.
„Er ist tot!”, rief Narzissa Malfoy den Umstehenden zu und ich merkte wie mein Herzschlag für einen Moment aussetzte.
Alle Todesser fingen an zu schreien.
Sie stimmten Triumphgeheul an und stampften mit den Füßen.
Zur Feier wurden rote und silberne Lichtgarben in die Luft geschossen.
„Seht ihr?”, kreischte Voldemort durch den Lärm.
„Harry Potter ist von meiner Hand gestorben und nun ist keiner mehr unter den Lebenden, der eine Gefahr für mich sein könnte! Crucio!”
Ich hatte es geahnt, dass Potters Leiche nicht unbesudelt am Boden des Waldes liegen bleiben durfte.
Sie musste geschändet werden, damit Voldemorts Sieg bewiesen wäre.
Der schlaffe Körper des Auserwählten wurde in die Luft gehoben.
Ein, zwei, drei Mal wurde Potter in die Luft geschleudert.
Seine Brille flog weg, während sein ganzer Körper weiterhin lasch blieb.
Als Voldemort, den Körper von dem Jungen, der überlebt hatte, ein letztes Mal zu Boden fallen ließ, hallten höhnische Schreie und schrilles Gelächter über die Lichtung.
„Nun denn”, erhob der dunkle Lord seine Stimme.
„gehen wir zum Schloss und zeigen ihnen, was aus ihrem Helden geworden ist.
Wer schleppt die Leiche? Nein - wartet -”, Voldemort deutete mit seinen langen, knochigen Fingern auf den ehemaligen Wildhüter von Hogwarts.
„Du trägst ihn!”
Erneut brach Gelächter aus und der Boden erzitterte unter Hagrids enormer Masse.
„In deinen Armen wird er sich hübsch machen und gut sichtbar sein, nicht wahr?”, rief Voldemort triumphierend und trat einen Schritt auf den am Boden liegenden Körper zu.
„Nimm deinen kleinen Freund hoch, Hagrid. Und die Brille - setzt ihm die Brille auf! Man muss sehen können, wer es ist.”
Ein Todesser aus den vorderen Reihen lief auf die auf den Boden gefallene Brille zu, hob sie auf und rammte sie dem Auserwählten absichtlich grob ins Gesicht.
Doch der Wildhüter wog den toten Jungen sanft in seinen gewaltigen Händen hin und her.
Ich konnte sehen, wie Hagrids Arme von schweren Schluchzern geschüttelt wurden.
„Los!”, rief Voldemort drängend und der Halbriese stolperte vorwärts.
Ich schob meine Kapuze von meinem Kopf und setzte mich ebenfalls mit zögernden Schritten in Bewegung und bahnte mir einen Weg durch die dicht wachsenden Bäume.
Alle Todesser und die Riesen folgten Voldemort zurück durch den verbotenen Wald.
Einzelne Zweige verfingen sich in meinen Haaren und in meinem Umhang.
Die beiden Riesen trampelten hinter den Todessern her.
Ich konnte hinter mir Bäume knarren und umfallen hören.
Die Riesen machten ein derartiges Getöse, dass Vögel kreischend in den Himmel stiegen und selbst das höhnische Geschrei der Todesser unterging.
Der Triumphzug marschierte auf das offene Gelände zu und der Wald begann sich allmählich zu lichten.
Ich hielt den Kopf leicht gesenkt und atmetete flach.
Meine Füße trugen mich wie von selbst über das nasse Gras und ich spürte wie eine leichte Brise durch meine Haare wehte.
Es war, als hätte man die Zeit verlangsamt.
Ich sah mich um und jeder in meinem Umfeld bewegte sich wie in Zeitlupe.
Keine Geräusche drangen an mein Ohr.
Auch den Wind in meinem Nacken konnte ich nicht mehr spüren.
Es fühlte sich an, als ob ich mich in einer Luftblase befand.
Abgeschottet von den äußerlichen Ereignissen.
Träge bewegte ich mich vorwärts und spürte bei jedem Atemzug mein Herz in meinen Ohren pulsieren.
Es war mir in diesem Moment nicht möglich an etwas anderes zu denken.
All meine Gedanken kreisten, um den toten Jungen in Hagrids Armen.
Er war unsere letzte Hoffnung.
Die letzte Hoffnung diese Schlacht zu gewinnen und alles zum Guten zu wenden.
Mit zitternden und leicht tauben Fingern umfasste ich die metallene Todessermaske, welche immer noch mein Gesicht verdeckte.
Ich strich sich vorsichtig ab und betrachtete sie eingehend in meinen Händen.
Meine Finger krampften sich um das Metall.
Ich schloss für einen Moment meine Augen, bevor ich meinen Griff lockerte und ich die Maske mit einen dumpfen Geräusch zu Boden fallen ließ.
Ich drehte mich kein einziges Mal nach ihr um und hob angestrengt meinen Kopf.
Die Überreste des Schlosses erschienen vor meinen Augen und ich wusste, egal was jetzt noch kommen würde, es war vorbei...

Überraschender Wendepunkt - Wendung ins Gute oder in den Wahnsinn... (Draco Ff)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt