26. Kapitel ~ Die Vergangenheit ist Geschichte - die Zukunft ein Geheimnis

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Viktoria's Pov.

Ich wurde durch die aufgehende Sonne, die durch die Fenster hinein auf meine Augen schien, geweckt und öffnete schlaftrunken meine noch müden Augen.
Mein ganzer Körper wehrte sich, was nicht verwunderlich meiner schlaf Position nach zu urteilen war.
Ich lag zusammengekauert, in den nun mit Blut befleckten, getrockneten Kleidern im Krankenflügel.
In Draco's Bett.
Dass ich das Bettlaken mit meiner Aktion von gestern rot gefärbt hatte, schob ich beiseite und drehte mich in Richtung Draco.
Sein gleichmäßiger Atem verriet mir, dass er noch schlief.
Er sah nun nicht mehr so blass aus wie gestern, und sein Gesicht zierte nun auch kein vor Schmerz verzerrter Gesichtsausdruck mehr.
Er sah erschöpft aus.
Einzelne Haarsträhnen hingen ihm ins Gesicht.
Ich konnte nicht anders und strich sie ihm aus dem blassen Gesicht.
Bei der Berührung, seiner kalten Haut fingen meine Fingerspitzen an zu kribbeln.
Ein wohlig warmes Gefühl breitete sich in meinem Körper aus.

Ich ließ die letzten Ereignisse revue passieren.
Sah all diese Momente in denen ich Draco verletzt hatte, nochmal vor Augen.
Ich hasste mich dafür, dass ich meinen Frust immer an ihm ausgelassen hatte.
Jedes mal als ich mit meinen Taten zu kämpfen hatte und Draco mir nur helfen wollte, behandelte ich ihn wie Dreck und schrie ihn an.
Er war immer für mich da, doch hatte ich ihn zum Teil aus meinem Leben verbannt, ihn angelogen und ihm vieles verschwiegen.
Er liebte mich immer noch, doch konnte ich nicht verstehen warum, nach all dem was ich ihm angetan hatte...

Eine einzelne Träne verließ mein Auge, als ich an die Vergangenheit dachte.
Doch jemand strich sie mir von meiner Wange.
Ich sah auf und blickte direkt in Dracos Augen.
Ich senkte den Blick beschämt, und empfand in mir nichts als Schuld und Reue.
Der Eisprinz hob mein Kinn mit seinen Fingern an und zwang mich so ihn anzusehen.
Er sagte nichts.
Er sah mir nur mit einem liebevollen Lächeln entgegen und legte den Kopf schief.
Mein Körper war wie gelähmt.
Ich konnte mich nicht bewegen.
Spürte nur Dracos Hand die nun auf meiner Wange lag.
Ich schloss die Augen und wollte nur diesen Moment genießen.
Bis ich plötzlich seine kalten Lippen auf meinen spürte.
Ich erwiderte den Kuss.
Für kurze Zeit konnte ich all meine Sorgen vergessen.
Ich spürte, dass Draco in den Kuss hinein lächelte und mich fester an sich zog.
Ich fühlte mich, als wäre nie etwas passiert.
Als hätte man die Zeit zurückgedreht.
Zurückgedreht zum Anfang des Schuljahres, als alles noch leichter war.
Auch dieses Kribbeln, welches ich damals im Bauch verspürt hatte, war noch da.
Es war genauso intensiv, wie damals, als er mich zum erste Mal geküsst hatte.

Ich erinnerte mich nur zu gut an den Tag.
Als Draco mich ohne Vorwarnung küsste, und ich mit der Situation so überfordert war und mir nichts besseres einfiel, als ihm eine zu klatschen.
Damals spürte ich das selbe Gefühl, doch machte es mir Angst.
Ich hatte zu diesem Zeitpunkt nie Liebe oder Zuneigung von einem anderen Menschen bekommen.
Dass mich jemand liebte, konnte ich zu der Zeit nicht nachvollziehen.
Doch Draco ließ nie locker.
Es bedeutet mir so unendlich viel, dass ich mich immer auf ihn verlassen konnte, auch wenn wir uns gestritten hatten.
Er liebt mich und ich liebte ihn.

Ich unterbrach den Kuss und öffnete meine Augen.
Er sah mich fragend an, doch brachte ich kein Wort über die Lippen.
Ich legte meine Stirn an seine und vergrub meine Hände in seinen Haaren.
„E-es tut mir leid.
Es tut mir einfach alles leid.
Alles, was ich dir angetan habe.
Ich bereue alles und hasse mich selbst dafür, dass du den Sündenbock für meine Probleme spielen musstest.
Ich hätte dich nicht so behandeln dürfen.
I-ich liebe dich..."
Ich wusste nicht wie er reagieren würde, und genau diese Unwissenheit war unerträglich und machte mir Angst.
„Du weißt, dass ich dich immer lieben werde...", gestand Draco.
Ich atmete auf.
Mir fiel ein Stein vom Herzen.
„Aber du musst mir eins versprechen...."
verlangte der Eisprinz von Slytherin.

. . .

„Keine Geheimnisse mehr."
Mein Gesicht fror ein und Panik machte sich in mir breit.
Ich konnte ihm nichts von den Aufträgen erzählen.
Ich konnte ihm nicht sagen, wie viele Menschen ich getötet hatte.
Und erst recht nicht, dass ich anfing gefallen daran zu finden.
„O-okay, ab jetzt keine Geheimnisse mehr", versicherte ich ihm und umarmte ihn.
Zwar war ein Teil von dem gerade Gesagten gelogen.
Ich werde zwar keine Geheimnisse mehr vor ihm haben, doch diesen kleinen Teil meines Lebens, werde ich ihm verschweigen.
Er erwiderte die Umarmung und drückte mich fester an sich.

„Was ist denn hier los?", fragte Madame Pomfrey mit Nachdruck.
Ihr plötzliches erscheinen ließ Draco und mich schnell auseinander fahren.
„Ä-ähm ähm...", versuchte ich mein Glück, scheiterte jedoch kläglich einen halbwegs sinnvollen Satz zustande zu bringen, wie ich erklären könnte, warum ich in mit Blut durchtränkter Kleidung in einem der Betten saß.
„Ähm, wir...", sprach Draco weiter, wurde aber von Madame Pomfrey ungebrochen.
„Ist egal, ich brauche keine Erklärung, aber du verlässt jetzt den Krankenflügel.
Meine Patienten brauchen Ruhe.", während sie dies sagte deutete sie mit dem Finger auf mich.
„Wenn ich wieder da bin, bist du verschwunden, ist das klar?", gab die Krankenschwester von sich.
Es klang weniger nach einer Frage, sonder eher nach einem Befehl.
Nachdem sie dies sagte, stöckelte sie zurück in ihr Büro und war nach ein paar Sekunden verschwunden.
Ich sah Draco an, welcher anfing zu lachen.
Ich konnte nicht anders und stieg in sein Lachen ebenfalls mit ein.
Die Vorstellung, wie wir zwei in diesem Bett saßen, war einfach zu komisch.
Als wir uns beruhigt hatten, stand ich auf und küsste Draco nochmal bevor ich den Krankenflügel verließ.

Im Gang vor dem Krankenflügel blieb ich stehen und atmete einmal tief ein und aus.
Ich wusste nicht, was genau ich fühlen sollte.
Einerseits war ich glücklich, dass die Situation mit Draco aus der Welt geschafft wurde.
Andererseits wusste ich, dass es nicht leichter werden würde.
Der dunkle Lord wird nicht aufhören mir Aufgaben zu erteilen.
Doch konnte ich Draco nichts davon erzählen.
Ich ging langsam Richtung Gemeinschaftsraum und sehnte mich nach einer Dusche.
Es war langsam unerträglich, wie die schweren Klamotten an meinen Gliedmaßen hingen.
Als ich vor den Gemeinschaftsraum zum Stehen kam, sagte ich das Passwort und machte mich auf den Weg in die Mädchenschlafsäle.
Das Zimmer war wie leer gefegt.
Was keine Überraschung war, da heute eigentlich Unterricht ist.
Doch ist es mir egal.
Ich ging ins Bad, entledigte mich meiner Kleidung und stieg unter die heiße Dusche.
Das Wasser färbte sich durch das Blut rot, und spülte jegliche Anspannung von meinem Körper.
Ich lehnte mich gegen die Wand und ließ das Wasser auf meinen Kopf fließen.
Ich wusste nicht, was die Zukunft bringen würde, doch eines konnte ich mit Sicherheit sagen:
Gutes wird es nicht sein....

Überraschender Wendepunkt - Wendung ins Gute oder in den Wahnsinn... (Draco Ff)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt