Wackelig kam ich zum Stehen.
Ich musste meine Augen schließen, da sie kein Licht mehr gewöhnt waren. Es war so hell hier und so unbeschreiblich heiß.
Mein Körper kannte nur noch die eisigen Temperaturen von Askaban.
Ich befand mich in den Katakomben des Zauberei-Ministeriums.
Nach mehreren Gängen, kamen wir zum Stehen. Eine große, schwere Metalltür befand sich unmittelbar vor mir und wurde nur wenige Sekunden später mit Magie geöffnet.
Der Raum war leer. Nur der altbekannte Metallaufzug war zu sehen, der sich in der Mitte des Raumes befand. Altbekannt deswegen, da jedem die Bilder von den Anhörungen von Gefangen im Tagespropheten bekannt waren.
Ich wurde in die Richtung des rostfarbenen Käfigs geschubst und konnte gerade noch so das Gleichgewicht halten.
Man nahm mir die Fesseln ab und steckte mich in die merkwürdig-aussehende Apparatur.
Die kleine Tür wurde hinter mir geschlossen und magisch versiegelt.
Unter knarrenden Geräuschen begann sich der Käfig nach oben zu bewegen.
Der Boden entfernte sich immer weiter, bis mich irgendwann nur mehr Dunkelheit umgab.
Langsam begann ich leise Stimmen wahrzunehmen. Wenige Sekunden später, sah ich auch die Gesichter, welche zu jenen gehörten.
Der metallene Käfig wurde in einen runden Raum befördert, in dem mehrere hundert Personen Platz genommen hatten. In der Mitte kam die kleine Zelle zum Stehen.
Ich drehte mich einmal um mich selbst und erkannte die im Kreis angeordneten Tribünen. Der Raum war voll mit Menschen und alle starrten mich an. Manche verängstigt, andere wiederum abschätzend oder erzürnt. Ich ließ meinen Blick über die Menge schweifen und nicht allzu weit entfernt starrte ich in ebenfalls so smaragdgrüne Augen, wie die meinen. Diese stechenden Augen gehörten niemand anderem, als meiner Tante väterlicher Seits, Elizabeth Lestrange, welche mir persönlich noch nie untergekommen war. Ich hatte sie bisher nur auf alten Familien Fotos gesehen. Sie hatte mich ebenso verlassen – sich einen Dreck um mich gescherrt – wie es meine Mutter und der Rest meiner Familie getan hatte. Das Einzige, was ich wusste, war, dass sie schon jung zur Blutsverräterin geworden war und sich mit diesem räudigen Köter Namens Sirius Black umgeben und der Familie Lestrange den Rücken zugekehrt hatte.
Ich fühlte mich so unwohl in meiner Haut. Mir wurde heiß und kalt zu gleich.
Die Menschenmenge redete laut durcheinander, sodass es schwer fiel nur einer einzigen Stimme zu folgen. Ich wandte meinen Blick von Elizabeth ab und erkannte in der hintersten Ecke einen blonden Haarschopf.
Ich wollte hier einfach nur raus und Draco in die Arme springen. Ich wollte, dass alles, was passiert war, nur ein Alptraum war und ich nur darauf warten würde aufzuwachen.
Doch die strenge Stimme des Richters brachte mich zurück in die Realität. Quälend drehte ich Draco den Rücken zu und starrte in die Richtung aus der die Stimme gekommen war.
„Viktoria Elizabeth Lestrange, angeklagt aufgrund mehrfachen Mordes unter Voldemorts Befehlen und des Tragens des dunklen Mals am linken Unterarm. Haben Sie etwas einzuwenden?”
Ich wusste, dass jedes Wort, Konsequenzen haben konnte. Ruhig antwortete ich mit einem „Nein”, und wartete auf die nächsten Fragen.
„Entspricht es der Wahrheit, dass Sie mehrere dutzend Menschen ermordet haben?”, richtete der Richter das Wort wieder an mich und wartete.
„Ja.”, kam es über meine Lippen.
Ich wollte eigentlich noch mehr sagen, jedoch ließ mein Körper dies nicht zu.
Er nickte.
„Wurden Sie dazu gezwungen, sich den Todessern anzuschließen oder taten Sie dies aus freien Stücken, ohne Drängen eines anderen?”
Ich wusste nicht, wozu diese Fragen gut sein sollten.
„Ich wurde Teil der Todesser, als ich noch ein Kind war, Sie müssen wissen, als Lestrange war mein Schicksal mit meiner Geburt besiegelt.”
Ich wusste, dass es nicht die beste Idee war, mich durch meine Familie 'rauszureden, jedoch wusste ich nicht, was sonst angebracht gewesen wäre.
Auch wenn man in eine Familie hineingeboren wurde, hatte man dennoch ein eigenes Leben, einen eigenen Willen, ein eigenes Wort.
Die Fragerei ging gefühlte Stunden so weiter, bis der Richter das Wort „Abstimmung” erklingen ließ.
Nun wurde ich wieder hellhörig, auch wenn ich bereits wusste, wie es ausgehen würde.
„Nun, alle die für eine endgültige lebenslängliche Verurteilung sind, heben die Hand”, sprach der Richter ernst. Ich blickte durch die Reihen und zählte alle Hände die gehoben wurden.
Zuerst waren es nur wenige, dann wurden es immer mehr.
Ich wusste immer, dass es hoffnungslos war, doch jetzt, wenn es einem so klar vor Augen geführt wurde, fühlte es sich doch ganz anders an. Es war viel schlimmer.
Ich drehte mich ruckartig zu Draco um und erkannte, wie er den Kopf gesenkt hielt. Kurz hob er sein Kinn und blickte mir ein letztes Mal in die Augen, bevor er mir den Rücken kehrte.
Ich bekam keine Luft und versuchte hektisch nach jener zu schnappen.
Der Richter hob seinen Hammer und kurz bevor er ihn auf den Tisch schlug, und damit endgültig die Verurteilung verkünden würde, zog jemand ganz bestimmtes die Aufmerksamkeit aller anwesenden auf sich...
Niemand anderes als Harry Potter platzte mitten in die Anhörung.
Der Richter hielt inne und senkte seinen Arm.
„Stopp!”, rief der Auserwählte und es wurde plötzlich ganz still.
„Bevor Sie Ihr entgültiges Urteil abgeben, habe ich noch etwas zu sagen.”
Der Richter nickte und übergab Harry Potter das Wort, indem er eine Handgeste vollführte.
„Ja, Viktoria Lestrange hat schlimme Dinge getan, aber hat das nicht jeder von uns? Sie kann nichts dafür, dass sie als Lestrange geboren wurde.
Niemand kann sich sein Schicksal aussuchen. Niemand kann sich allein, ohne Hilfe gegen die eigene Familie stellen. Ja, wie gesagt, sie hat Menschen getötet. Sie war Schuld an Dumbledores Tod...
Aber sie hat mich verschont, mehrfach. Sie hat mir das Leben gerettet...
In der Nacht, in der die Greifer uns jagten, ließ sie mich laufen. Sie verriet mich nicht an Voldemort, obwohl sie wusste, dass ich es war.
Sie wollte mich davon abhalten, mich Voldemort zu stellen, mich ihm zu opfern. Sie wollte, dass alles ein Ende hat. Während der Schlacht, schoss sie auf ihre eigenen Männer. Sie brachte mehrere Anhänger von Voldemort zu Fall und beschützte somit alle vor ihm. Sie stellte sich gegen ihre eigene Mutter und tat, was nicht jeder tun würde. Sie wechselte die Seite, stellte sich gegen den dunklen Lord und tötete ihre Mutter.
Sie tötete ihre Mutter vor den Augen aller. Sie hat sich entschieden...”
Als Potter endete, konnte ich meinen Ohren nicht trauen.
Er trat für mich ein...
Der Richter schüttelte perplex seinen Kopf und brachte mühsam erneut das Wort „Abstimmung” über die Lippen.
„Wer ist dafür, die Verurteilung von Miss Lestrange rückgängig zu machen und ihr die Freiheit zu schenken?”
Ich biss mir auf die Lippen und knetete meine Finger. Ich wusste nicht, was ich zu erwarten hatte. Als die ersten der Anwesenden ihre Hände hoben, konnte ich nicht glauben, was ich sah.
Immer mehr Hände gingen in die Höhe. Ich drehte mich einmal um mich selbst und sah, dass nahezu alle Hände erhoben waren.
Ruckartig drehte ich meinen Körper in die Richtung des Richters und wartete.
Er hob den Hammer und schlug ihn auf den Tisch. „Die Verurteilung wird fallen gelassen!”
Ich atmete erleichtert aus.
Langsam öffnete sich die Tür des Käfigs.
Ich trat heraus und war überwältigt. Meine Augen suchten die Menge nach einem blonden Haarschopf ab. Jedoch konnte ich ihn nirgends ausmachen, bis ich hinter mir seine Stimme ausmachen konnte.
Er drängte sich durch die Masse.
Ich rannte auf ihn zu und sprang in seine Arme.
Er drückte mich fest an sich und küsste mich voller Freude.
Ich ließ ihn nicht los und einige Tränen der Erleichterung kullerten meine Wangen hinab.
Draco schob mich ein Stück von sich und sah mir in die Augen. Er legte seine Lippen ein weiters Mal auf meine, bis er von mir ab ließ und auf eine Person, welche hinter mir stand blickte.
Ich drehte mich um und konnte das goldene Trio vor mir ausmachen.
„Warum hast du das getan?", fragte ich den Auserwählten.
„Weil es getan werden musste...”
Ich löste mich von Draco und trat auf Potter zu.
Ich umarmte ihn und flüsterte leise: „Danke, Pott-, Harry...”
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Überraschender Wendepunkt - Wendung ins Gute oder in den Wahnsinn... (Draco Ff)
FanfictionViktoria Elizabeth Lestrange, ihr Leben lang wurde sie darauf hin erzogen die perfekte Todesserin zu sein. Das Gefühl der Liebe ist ihr fremd. Viktoria wird mit den unterschiedlichsten Aufgaben konfrontiert. Doch zu alldem kommt noch etwas viel Sc...
