Er konnte nicht lange ohnmächtig gewesen sein, denn als er wieder zu sich kam, lag er immer noch auf dem Boden des Raumes, nun auf dem Rücken, Samaljas und Nasilias Gesichter über sich. „Scheisse", kam es undeutlich über seine Lippen, als er die Augen wieder zusammenkniff, um gegen den Schmerz anzukämpfen, der jedes bisschen seiner Wahrnehmung einnahm.
„Du bist verletzt", sagte Nasilia entsetzt, und hätte es nicht so scheisse wehgetan, hätte er vielleicht aufgelacht. Ach nein.
Er biss die Zähne zusammen, dass sie knirschten, hielt die Luft an, versuchte sich genügend aufzurichten, um an sich herunter zu sehen. Ein grosser, roter Fleck hatte sich auf dem zerschnittenen Hemd ausgebreitet, liess es durchtränkt an seinen Rippen kleben. Aber du liegst nicht in einer Lache. Das ist gut, versuchte er sich zu sagen, um die Panik, die ihm in der Kehle sass, niederzudrücken.
Mit fahrigen Fingern versuchte er die Knöpfe zu lösen, den Stoff beiseite zu ziehen, bis ihm Samalja dabei half. Ein klaffender Riss zog sich über seine Seite. Zwischen dem hervorquellenden Blut, das sich quer über seinen Bauch verteilt hatte, konnte er die Wundränder sehen, und es war beängstigend, wie weit sie auseinanderklafften. Ihm wurde schlecht vor Angst beim Gedanken daran, wie tief der Graben sein konnte.
Gleichzeitig schossen ihm Miras Anatomiezeichnungen durch den Kopf. Es war ein offener Schnitt, keine blosse Einstichstelle, und die Linie verlief nicht im selben Winkel wie seine Rippen. Das bedeutete, die Klinge musste spätestens am Knochen abgerutscht sein, konnte gar nicht dazwischen hindurch gedrungen sein. Es konnte keine Organe erwischt haben. Schlicht, weil dort keine waren. Er klammerte sich an dieser Tatsache fest, versuchte nicht über alles andere nachzudenken.
„Das sieht nicht gut aus", meinte Samalja.
„Scheiss drauf", entgegnete er. Es war nicht der intelligenteste Satz, aber er war froh, dass er überhaupt ganze Worte herausbrachte. Es ist nur ein Schnitt, sagte er sich, wiederholte es, im Versuch, die Angst zu unterdrücken. Emila kann das nähen. Daran stirbst du nicht.
Keuchend setzte er sich auf, die Hand auf die Wunde gepresst, weil der Druck den Schmerz zumindest dämpfte. Sein Blick flackerte zum Toten, der in der Ecke lag, dann zu Ezali, die mittlerweile in eine Decke gewickelt auf dem Bett sass. Veneris hatte sich neben sie gesetzt, einen Arm um ihre Schulter gelegt. Ihre Hände zitterten und sie blickte mit verheulten Augen zu Falrey hinüber.
Falrey hätte gerne irgendetwas gesagt, um sie zu trösten, ihr zu versichern, dass jetzt alles gut war, aber ihm war so schwindlig, dass er sich überhaupt nicht konzentrieren konnte. Ich muss nach Hause, flackerte durch seinen Kopf. Alles, was er von Mira gelernt hatte, war wie weggeblasen, reduziert auf diesen einzelnen Satz. Ich muss nur nach Hause. Ela kriegt das hin.
Er wollte sich aufrappeln, Samalja hielt ihn zurück. „Wir sollten jemanden rufen, der...", begann sie.
„Nein", fiel er ihr ins Wort, stiess ihre Hände beiseite. Er konnte jetzt nicht noch auf irgendetwas warten. Ihm drehte sich alles. Dann fielen ihm zumindest die Grundregeln wieder ein. Blutung stillen. Wunde säubern. Nähen. Nähen konnte Emila. Aber er musste es nach Hause schaffen ohne vorher zu verbluten.
„Habt... habt ihr irgendwas wie Verband? Um..."
„Falrey, das sollte sich wirklich jemand ansehen..." Samalja wirkte unsicher.
„Ich hab wen, der sich drum kümmert", brachte er hervor. Ich muss nur nach Hause. Er versuchte sich aufzurappen, den Blick auf die offene Tür zum Flur gerichtet als Fixpunkt. Ein völlig anderer Gedanke blubberte in seinem Kopf auf. „Hat jemand die Haupttüre geschlossen?"
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Niramun III - Mit Faust und Klinge
FantasyEmila wird bald zu Bodir ziehen. Jaz sucht nach Umairat, obwohl ihm jeder mit Verstand davon abrät. Seniah träumt von einem besseren Leben. Falrey versucht irgendwo zwischen Hochöfen, Lilith's und Puppenspielern er selbst zu bleiben. Aber was bedeut...
