Als er erwachte, drang durch irgendein Fenster Tageslicht in den Raum. Er wusste, dass er nicht auf seiner Matratze lag. Alles drehte sich, selbst als er die Augen öffnete. Die Drehung war nicht kontinuierlich, sprang immer wieder in die Ausgangsposition zurück, ohne auch nur einen Moment darin zu verweilen.
Er kniff die Augen zusammen, versuchte wieder einzuschlafen, in der Hoffnung, dass er es wieder nicht mehr merken würde, bevor ihm schlecht wurde vor dem Geruckel. Nach einer Weile und dem dritten Mal angestrengt leer Schlucken gestand er sich ein, dass das nicht funktionieren würde.
Er zwang sich, die Augen zu öffnen und sich aufzurichten, und irgendwie machte es das mit einem Schlag viel schlimmer. Eine Hand auf den Mund gepresst im Versuch, das Würgen zu unterdrücken, bemerkte er den Eimer in Griffweite und schaffte es gerade noch, sich darüber zu beugen. Scheisse.
Er übergab sich noch zweimal, hing zitternd über dem Eimer, bevor er sich zurück fallen liess. Alles drehte sich. Er klammerte sich an der weichen Unterlage fest in der Hoffnung, die Welt irgendwie anzuhalten, und dämmerte weg.
Beim nächsten Aufwachen ging es ihm keinen Deut besser. Sein Vorsatz, wenigstens nicht noch einmal zu kotzen, landete zusammen mit dem letzten Rest von was auch immer noch in seinem Magen gewesen war im Eimer.
Für einige Atemzüge liess sie Übelkeit nach. Er stellte fest, dass er auf einem Sofa lag, das zu kurz für ihn war, sodass seine Knie über der Armlehne hingen, in einem Raum mit hellen Vorhängen am bodentiefen Fenster, durch die ein Luftzug strich. Er trug weder Tunika noch Weste und er hatte keine verschissene Ahnung, wo er war. Das war nicht gut. Gar nicht gut.
Gleichzeitig hatte er schlicht nicht die Kapazität, sich darüber Gedanken zu machen. Er lebte noch, und er war nicht gefesselt. Mit allem anderen konnte er sich auseinandersetzen, wenn es sich nicht mehr anfühlte, als wäre er dabei zu krepieren.
Er fand einen Wasserkrug neben dem Sofa, trank einige Schlucke, liess sich wieder auf die Kissen kippen und zog die Wolldecke bis zu den Schultern, denn obwohl ihm der Schweiss auf der Stirn stand, war ihm kalt. Diesmal schaffte er es nicht, wieder einzuschlafen, lag nur da, jeden Gedanken darauf fokussiert, auszuhalten, wie absolut beschissen es ihm ging. Nach einer Weile gab er das Wasser wieder her, danach war sein Magen ruhiger und er dämmerte weg.
Er hatte keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war, als er das nächste Mal aus dem Halbschlaf in die Realität driftete, aber das Licht von draussen sah nicht mehr nach Vormittag aus. Er hörte Kinder rufen, Leute reden, die üblichen Geräusche von Wohnquartieren in der Stadt. Irgendwie schaffte er es auf die Füsse, blickte hinüber zum offenen Fenster. Du solltest abhauen, solange du noch kannst. Aber wo waren seine Kleider? In wessen verdammter Wohnung war er hier? Und vor allem, warum? Er brachte keinen klaren Gedanken zustande.
Dann hörte er plötzlich murmelnde Stimmen, von im Haus. Instinktiv schlich er zu einer der beiden geschlossenen Türen, die vom Raum abgingen, lauschte. Eine Frau und ein Mann unterhielten sich gedämpft und nach einer Weile war er sich sicher, dass es sich bei zweiterem um Sebs Stimme handelte. Eine Matratze knarzte und Taja kicherte.
Falrey war klar, dass er jetzt da nicht reinlaufen konnte und klopfen wollte er auch nicht, um sie nicht zu stören. Vielleicht hätte ein Teil von ihm sogar Eifersucht verspürte, wäre er nicht zu beschäftigt damit gewesen, überhaupt zu existieren. Eigentlich wollte er gerade eh niemandem unter die Augen treten. Was machte er hier? Warum war er hier?
Viel zu verwirrt von der Situation kehrte er zurück zum Sofa und vergrub den Kopf in den Armen, konzentrierte sich darauf, tief und ruhig zu atmen, damit ihm nicht wieder schlecht wurde.
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Niramun III - Mit Faust und Klinge
FantasyEmila wird bald zu Bodir ziehen. Jaz sucht nach Umairat, obwohl ihm jeder mit Verstand davon abrät. Seniah träumt von einem besseren Leben. Falrey versucht irgendwo zwischen Hochöfen, Lilith's und Puppenspielern er selbst zu bleiben. Aber was bedeut...
