Kapitel 43 - Meine Schuld

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Da war Blut. Viel Blut. Es rann ihm zwischen die Lippen und in die Nase, dass er kaum noch Luft bekam, glaubte zu ertrinken. Der Körper des Mannes war schwer, drückte ihn nieder. Er schaffte es nicht, ihn wegzustossen mit nur einer freien Hand, wollte den Dolch nicht loslassen, klammerte sich daran fest, als könnte er sich daran herausziehen, aber er fand keinen Widerstand, und jedes Japsen trieb ihm weiter die Luft aus den Lungen.

Dann rollte das Gewicht weg, jemand packte ihn am Kragen und riss ihn hoch. „Fal, bist du verletzt?", zischte Jaz.

Falrey schüttelte den Kopf. Zumindest spürte er nichts davon. Allerdings spürte er seinen Körper gerade ohnehin kaum. Er würgte und spuckte, um den Mund freizukriegen.

Jaz kauerte neben ihm, schwer atmend und mit aufgeplatzten Lippen. Mit der rechten Hand umklammerte er Durras Klaue. Sie war rot von Blut, es fiel in schweren Tropfen von der Spitze. Er sah Falrey an, nicht seinen Körper, um zu prüfen, ob er die Wahrheit gesagt hatte, sondern in seine Augen.

Falrey wusste, warum. Er wandte den Blick ab, wollte nicht darüber nachdenken, nicht jetzt. Fahrig versuchte er sich mit dem Ärmel das Blut aus dem Gesicht zu wischen, zog seine Beine unter dem Mann hervor.

Jaz stand auf, reichte ihm eine Hand, um ihn hochzuziehen, bevor er hinüberging, um dem Mann am Ende des Ganges seinen Dolch aus dem Magen zu ziehen. Falrey blickte hinunter auf den Kämpfer, der Jaz zu Boden gedrückt hatte. Sein Gesicht war völlig zerschnitten, von seiner Nase fehlte ein Stück – Jaz hatte nicht auf den ersten Versuch getroffen. Falreys Blick glitt weiter zu dem Mann, der zu seinen Füssen in der Blutlache lag. Du auch nicht. Aber fast. Er umklammerte seinen Dolch.

„Lass abhauen", murmelte Jaz, der wieder neben ihm auftauchte.

„Hast du Esgi erwischt?", fragte Falrey genauso leise. Er wusste nicht, warum in das überhaupt wieder einfiel. Aber es war wichtig.

Jaz nickte.

Falrey strich den Punkt von der Liste in seinem Kopf. Gut.

Jaz übernahm die Führung, Falrey folgte ihm. Das Haus war komplett still. Niemand stellte sich ihnen entgegen, als sie ihre Messer aufsammelten und die Treppe hinunterschlichen, die Klingen bereit zum Stechen. Bevor Jaz die Tür zum Balkonraum aufstossen konnte, hielt Falrey ihn zurück. „Da wollte einer rein", flüsterte. „Ich hab ihn erwischt, aber vielleicht ist er wieder wach."

Jaz nickte knapp, stiess die Tür mit dem Fuss auf, schnellte in den Raum. Der Mann lag noch genauso am Boden wie zuvor. Jaz trat zu ihm hin und drehte ihn mit dem Stiefel auf den Rücken. „Der wacht nicht mehr auf", sagte er hart.

Falrey stellte keine Fragen. Für einen Moment schloss er einfach die Augen. Er machte sie erst wieder auf, als Jaz seine Hand nahm, ihm den Dolch aus den Fingern wand, an seinem Mantel abwischte und ihm in die Brusttasche steckte. „Komm."

Jaz huschte als erster auf den Balkon, suchte mit dem Blick die Dachkanten ab, bevor er auf das Geländer des Balkons stieg und sich die Fassade hochzog. Auf dem Dach angelangt, hielt er inne, sah sich um, dann bedeutete er Falrey nachzukommen. Falrey folgte seinen Tritten und Griffen, kauerte sich neben ihn. Niemand war zu sehen, weit und breit. Ohne noch einmal inne zu halten, liefen sie über die Dächer davon.

Wars das?, fragte sich Falrey, während er über eine Gasse hinwegsetzte. Ist es jetzt vorbei? Ein Teil von ihm glaubte es nicht, zitterte immer noch vor Anspannung. Das konnte nicht vorüber sein. So etwas konnte überhaupt nicht einfach fertig sein. Scheissegal, wie viel Distanz sie zwischen sich und dieses Haus brachten. Sie hatten nicht alle getötet. Vielleicht folgte ihnen jemand. Vielleicht war das nur eine Atempause. Sie konnten jederzeit angegriffen werden.

Niramun III - Mit Faust und KlingeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt