Kapitel 60 - Tersavells Plan

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Die Fahrt zurück hinunter in die Stadt fühlte sich weniger schrecklich an, als Falrey befürchtet hatte. Zappa war einer der ersten Aufzugsführer gewesen, die hochgekommen waren – Falrey fragte sich, ob der Mann überhaupt schlief, so lange, wie er nachts jeweils in seinem Wirtshaus sass – und schien doch erleichtert, sie lebend vorzufinden.

„Ihr habts tatsächlich ausgehalten." Das war sein einziger Kommentar, er fragte weder, weshalb sie oben geblieben waren, noch was sie getan hatten. Dann nahm er sie mit nach unten.

Es war ein Zurückkehren in den Kerker. Aber Falrey wusste zumindest wieder, warum er hier war. Und er hatte Jaz Worte im Kopf. Niramun war eine Waffe, man musste sie benutzen. Wenn sie sie richtig einsetzten, konnten sie vielleicht sogar jemanden wie Umairat stürzen. Und Falrey kannte niemanden, der so gut darin war wie Jaz.

Sie kehrten irgendwann vormittags nach Hause zurück und Falrey konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, denn die plötzliche Tageswärme gab ihm nach der langen, kalten Nacht komplett den Rest.

Jaz weckte ihn erst wieder, als es draussen bereits dunkel war, und Falrey hätte am liebsten weitergeschlafen, aber er raffte sich zusammen und sie gingen in den Fuchs. Es dauerte nicht lange, bis Tomi auftauchte und ihnen bedeutete, mitzukommen. Pliss gab Jaz einen versiegelten Brief – keine Spuren – und sie drehten eine Zeit lang Schleifen, bevor sie wieder vor dem Eingang der Katakomben standen. Auch diesmal wurden sie hinunter geleitet.

Es war Jorar, der ihnen die Tür öffnete, bevor er sich auf auf einen der Hocker setzte, die jemand organisiert und vor Tersavells Sofa aufgestellt hatte. Man merkte ihm immer noch an, dass er angeschlagen war, aber er wirkte sehr viel besser auf den Beinen, als als Falrey ihn genäht hatte.

Der Wachposten, der sie hinuntergebracht hatte, stellte sich daneben auf, während Tersavell sie näher winkte. Jaz reichte ihm wortlos den Brief. Tersavell prüfte das Siegel – Falrey fragte sich,was das bringen sollte, jeder Goldschmied hätte so etwas doch einfach fälschen können, da war die Tatsache, dass Jaz den Brief überbrachte definitiv die grössere Sicherheit – bevor er es brach.

„Setzt euch", meinte er und nickte auf die Hocker, während er den Papierbogen auffaltete und zu lesen begann. Jaz blieb stehen, also tat Falrey es ihm gleich. „Ich meins ernst", sagte Tersavell, ohne aufzublicken. „Könnte länger dauern."

Falrey zögerte, als Jaz nach wie vor nicht reagierte, aber schliesslich zog er sich einen Hocker heran und setzte sich. Jaz hatte vielleicht ein Bild aufrecht zu erhalten, aber er eigentlich nicht, und er war müde. Er spürte Jorars Blick auf sich und erwiderte ihn. Jorars blaugrüne Augen waren durchdringend und die unspezifische Drohung deutlich sichtbar darin, aber für einmal wich Falrey ihm nicht aus oder versuchte zu verschwinden. Ich hab dich zusammengeflickt, versuch jetzt nicht mich einzuschüchtern.

Zu seiner Überraschung reagierte Jorar nicht mit Wut darauf, stattdessen kräuselten sich seine Mundwinkel zu einem Lächeln und in seinen Blick trat ein Ausdruck, der sagte: Du glaubst, ich würde es nicht wissen? Was Falrey wiederum verwirrte. Was wissen? Er erhielt keine Antwort, nur ein breiteres Grinsen, und schliesslich wandte Falrey den Blick ab, weil es ihm unheimlich war.

Tersavell las den Brief aufmerksam durch, dann faltete er ihn zusammen. „Hat sie gesagt, ich soll ihn verbrennen?", fragte er Jaz.

„Nein", antwortete Jaz wahrheitsgemäss.

„Sehr gut", meinte Tersavell und steckte das Papier in seine Brusttasche. Falrey fragte sich, ob er ihn zerstört hätte, hätte Pliss ihn dazu angewiesen. Schliesslich würde Jaz ihn kaum dazu zwingen. Und vielleicht konnte Tersavell ihn notfalls als Druckmittel verwenden, weil er bewies, dass Pliss mit ihm zusammenarbeitete. Allerdings, würde das Umairat interessieren, wenn sie bereit wäre, zu ihm überzulaufen? Ausser es ging nur darum, dass sie nicht neutral bleiben konnte... Falrey merkte, dass er sich in Eventualitäten verzettelte.

Niramun III - Mit Faust und KlingeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt