Am nächsten Abend waren sie mit der Clique unterwegs. Jaz meinte, er habe noch nie so viel pro Nacht verdient wie bei diesem letzten Auftrag für Pliss, und das müsse gefeiert werden. Falrey erhob keine Einwände, es war schliesslich nicht so, als hätten sie überhaupt einen bedeutenden Teil von Jaz Einkommen versaufen können.
Es war ein guter Abend. Nasti liess diesmal keine dummen Bemerkungen fallen und abgesehen von wenigen Momenten, in denen er alleine dastand mit seinem Krug in der Hand, dachte Falrey an nichts von alldem, was sonst an ihm nagte. Nicht daran, wie scheisse die Welt war, nicht daran, dass Jaz jederzeit sterben konnte, nicht an das Mädchen im Kohlesack. Nicht an Nemi, nicht an Marvel, nicht an seine Mutter. Er war einfach da, folgte den Gesprächen der anderen, lachte über ihre bescheuerten Witze, und es fühlte sich gut an.
Jaz schien es ähnlich zu gehen. Er war viel weniger wortkarg als sonst, und was er sagte oft so treffend, dass Falrey sich kaum halten konnte vor Lachen, er grinste und wirkte lebendig, auf eine Weise, die auf seine Umgebung überschwappte. Jaz war immer beeindruckend, aber wenn er ausnahmsweise mal gute Laune hatte, war er wirklich grossartig. Falrey bedauerte, dass es nicht öfter vorkam.
Später wusste er nicht mehr, wer von ihnen auf die Idee gekommen war, aber als der Rest der Runde sich allmählich auf den Heimweg machte, beschlossen sie, Zappa zu besuchen. Sie liefen über die Dächer in Richtung Het, viel zu schnell dafür, wie betrunken sie waren, aber Falrey hatte das Gefühl, dass er trittsicherer war als je sonst. Als er irgendwann trotzdem eine Landung vermasselte und der Länge nach hinklatschte, lachte er nur.
Jaz war herumgefahren und kehrte die paar Schritte zurück. „Was machst du für Blödsinn?", murmelte er, während er ihn auf die Beine zog.
„Nichts passiert", grinste Falrey. Er spürte, dass sein Herz verdammt schnell schlug und dass er sich vermutlich das Knie aufgeschlagen hatte, aber es war ihm egal. Sie rannten weiter.
Erst nahe der Strasse senkrecht zur Kraterwand, an der Zappas Taverne lag, kletterten sie über Balkone und Vordächer in die Gasse hinunter. Schon bevor sie die Schenke erreichten, war zu hören, dass im Langen Seil trotz der späten Zeit – es musste fast Mitternacht sein – noch viel los war, und zwischen die Stimmen und das Klirren der Bierkrüge, die nach draussen drangen, mischten sich andere Klänge. Musik, begriff Falrey. Nicht nur gegrölte Sauflieder, sondern wirkliche Musik.
Jaz stiess die Türe auf und sie traten ein. Die Schenke war rappelvoll, nahezu jeder Platz an den Tischen, die sich in den erhöhten Nischen entlang der Wände reihten, schien besetzt, um die Theke mit den Fässern in der Mitte herrschte Gedränge und viele Leute standen verstreut, an die steinernen Säulen gelehnt. Die Musik klang gedämpft von der anderen Seite des Lokals herüber, wo man einen Bereich entlang der Rückwand freigeräumt hatte, um Platz für die Spielleute zu schaffen, und Falrey erhaschte einen kurzen Blick auf ihre Köpfe, bevor er Jaz die Stufen vom Eingang hinunter folgte und Menschen die Sicht verdeckten.
Jaz drängte sich zur Theke durch, bestellte zwei Krüge und schien sich nach Zappa umzusehen, aber Falrey scherte sich nicht darum, sondern schob sich an Leuten vorbei weiter nach hinten, in Richtung der Musiker. Er erkannte die Instrumente am Klang, noch bevor er sie sah. Eine Geige, eine Querflöte mit ihrem gehauchten Ton, eine rhythmisch gespielte Laute. Die Melodie fühlte sich vertraut an, als würde ihr Widerhall in seiner Brust etwas wecken, was er beinahe vergessen hatte, ein Strahl von Sonnenlicht zwischen grünen Blättern, der von irgendwo in die steinernen Gassen fiel. Es war kein Lied, das er kannte, vielleicht noch nicht einmal eines aus den Wäldern, aber der Musik, mit der er aufgewachsen war, ähnlicher als alles, was er gehört hatte, seit er Niramun erreicht hatte.
Als er endlich freie Sicht auf die Musiker hatte, blieb er bei einer Säule stehen. Es waren zwei Männer und zwei Frauen. Ein schlaksiger, dunkelhaariger Mann mittleren Alters spielte die Geige, ein zweiter die Laute, eine der Frauen hielt die Flöte an den Lippen, ihre offenen Haare zurückgehalten von einem Stirnband, die andere hatte eine kleine, runde Trommel in den Händen, auf der sie mit einem Stab den Rhythmus schlug, einen schnellen, hüpfenden Takt, der Falrey mit den Füssen wippen liess, ohne dass er es bemerkte. Die Frau mit der Trommel und der Lautenspieler sangen, helle Stimme und tiefe im Wechsel, beinahe zu schnell, als dass Falrey den Text verstanden hätte, zumal ihm der Anfang fehlte.
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Niramun III - Mit Faust und Klinge
FantasyEmila wird bald zu Bodir ziehen. Jaz sucht nach Umairat, obwohl ihm jeder mit Verstand davon abrät. Seniah träumt von einem besseren Leben. Falrey versucht irgendwo zwischen Hochöfen, Lilith's und Puppenspielern er selbst zu bleiben. Aber was bedeut...
