Kapitel 19 - Der Angriff auf Asren

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Sie trainierten am Nachmittag, als wäre es irgendein beliebiger Tag und Falrey versuchte sich darauf zu konzentrieren, um die Nervosität nicht die Oberhand gewinnen zu lassen. Jaz hielt das Training locker, bis er nach einer Weile meinte: „Ich will den Kick nochmal ausprobieren."

Falrey hob die Augenbrauen, aber anstatt zu protestieren, erwiderte er: „Nur, wenn du die Stiefel ausziehst."

Jaz verzog das Gesicht, öffnete den Mund, als wollte er widersprechen, aber Falrey kam ihm zuvor. „Ich will weder deinen Absatz, noch die Stahlkappen am Schädel, verdammt nochmal!" Argwöhnisch kniff er die Augen zusammen, als ihm ein Gedanke kam. „Oder willst du mir jetzt etwa eine Überziehen, damit ich heute Abend nicht mitkommen kann?"

„Alter!", entfuhr es Jaz. Er wirkte ehrlich empört darüber, das Falrey ihm so etwas unterstellte, was ein ziemlich seltener Anblick war.

„Was denn?", verteidigte sich Falrey. „Hätte ja sein können."

„Ich schlag dich sicher nicht nieder, um dich von was abzubringen, was deine Entscheidung ist", entgegnete Jaz. „Nur weil du das tun würdest!"

Falrey klappte ertappt den Mund zu, als er innerlich zählte, wie oft er Jaz genau das angedroht hatte, um ihn von irgendetwas abzuhalten. Tik, vielleicht fiel dieser Vergleich tatsächlich nicht zu seinen Gunsten aus. Er verschränkte die Arme. „Ohne Stiefel."

Jaz zögerte, mehr als nur einen Atemzug lang, schien es sich tatsächlich noch einmal zu überlegen, aber schliesslich schnürte er seine Stiefel auf, schlüpfte hinaus und stellte sie aus dem Weg. Er trat fast vorsichtig auf, als er sich vor Falrey stellte und probehalber in die Knie ging. „Shak, ist das seltsam", murmelte er, während er auf seine nackten Zehen blickte, die auf dem Dachstein nach Halt suchten.

„Was?", fragte Falrey irritiert. Jaz war schliesslich auch im Haus manchmal barfuss, wenn auch nicht oft.

Jaz schüttelte den Kopf. „Weiss nicht mal mehr, wie lang ich nicht mehr ohne Stiefel gekämpft hab."

Dann sprang er ohne Vorwarnung. Falrey schaffte es gerade so, sich zu ducken, während Jaz Fuss über seinen Kopf hinwegzischte. Bei Yainli, eine Vorankündigung wäre auch eine Option gewesen!

Nach einigen weiteren Ausweichmanövern gelang es Falrey, Jaz dazu zu überraden, auf seine ausgestreckte Hand zu zielen anstatt auf seinen Kopf, worauf Jaz meinte, dann hätte er die Stiefel ja auch anlassen können. „Ich will auch keine gebrochenen Finger", knurrte Falrey.

Jaz traf verdammt gut. Eigentlich hätte er nicht üben müssen, aber es schien ihm Spass zu machen, also hielt Falrey hin. Irgendwann streifte er selbst die Stiefel ab. „Ich will auch mal."

Er stellte sich hin, schloss die Augen, stellte sich vor, was Jaz tat, wie er sich selbst bewegen musste, um das Muster nachzuvollziehen, sprang – und klatschte gottserbärmlich auf die Fresse.

Jaz lachte sich schlapp. „Du kannst dich natürlich auch einfach selber ausschalten."

Anstatt einer Antwort stürzte Falrey sich mit einem Hechtsprung auf ihn, riss ihn von den Füssen und sie rollten über das Dach, bis Jaz ihm einen gut gezielten Kinnhaken verpasste und ihn mit einem fiesen Hebel am Boden festnagelte. Als er ihn losliess, rollte sich Falrey weg und kam auf die Füsse, bereit, weiterzukämpfen, aber Jaz trat einen Schritt zurück, hob warnend die Hand. „Lass mich die Stiefel anziehen."

„Wieso?", fragte Falrey halb verwirrt, halb belustigst, weil Jaz so ein Ding daraus machte.

„Weil", sagte Jaz nur. Er schlüpfte hinein, zog die Schnürsenkel fest und Falrey war sich nicht ganz sicher, ob er sich das nicht einbildete, aber Jaz wirkte beinahe erleichtert.

Niramun III - Mit Faust und KlingeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt