Emila war gelinde gesagt entsetzt, als sie ihn am nächsten Nachmittag sah. „Was hast du mit ihm angestellt?", fuhr sie Jaz an.
Der hob abwehrend die Hände. „Ich? Gar nichts."
„Du brauchst mich nicht auch noch anzulügen!"
„Er lügt nicht", mischte sich Falrey ein. „Wäre er dafür verantwortlich gewesen, wäre er nicht so unversehrt weggekommen."
Jaz kniff die Augen zusammen. Falrey schenkte ihm ein Grinsen.
„Tut nicht, als wäre das harmlos!", schalt Emila sie beide. Dann fügte sie an Falrey gewandt hinzu: „Auch stumpfe Schläge ins Gesicht können zu schwerwiegenden Folgen führen. Ich hätte wirklich gedacht, zumindest du wärst vernünftiger."
Falrey verschränkte die Arme. „Ich bin vernünftig", sagte er. „Ich wusste, worauf ich mich dann einlasse."
„Warum tust du es dann?", fragte Emila.
„Es war es wert", erwiderte Falrey. Das war es. Sein halber Körper schmerzte, sein linkes Auge war fast ganz zugeschwollen, aber er fühlte sich gut. Viel besser zumindest als gestern. Nicht mehr so wütend. Als hätten die Kämpfe den Druck aus seiner Brust entweichen lassen. Er mochte immer noch nicht an Nemi und ihren neuen Freund denken, aber es fühlte sich nicht mehr an, als würde ihn mit jedem Atemzug etwas von innen heraus zerfressen. Mehr wie eine Mischung aus Resignation und Bedauern. Er hätte sich gewünscht, es wäre anders gekommen. Aber das war es nicht. Die Welt ging weiter, Nemi mit ihr. Und er auch. Und zumindest im Moment fühlte er sich, als könnte er vielleicht tatsächlich akzepti8eren, in welche Richtung das alles lief.
Er hatte nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Drei Typen hatte er zu Boden geschickt, mindestens einen davon bewusstlos, und dem vierten die Nase gebrochen, bevor es ihn selbst erwischt hatte, aber jeder von ihnen hatte gewusst, dass das passieren konnte, bevor er in den Ring hinunter gekommen war, genauso wie Falrey selbst. Keiner von ihnen war ein Opfer gewesen, das sich nicht hätte wehren können, sie als solche zu sehen, wäre ihnen nicht gerecht geworden. Es waren faire Kämpfe gewesen. Dreimal hatte Falrey gewonnen, einmal verloren, und er hatte seinen Teil dafür eingesteckt.
Er wehrte sich nicht, als Emila ihn auf die Bank scheuchte, sich sein Gesicht und seine Knöchel besah – er konnte sich nicht einmal daran erinnern, wann er sich letztere aufgeschlagen hatte. Sie tastete vorsichtig über seine Nase, aber die hatte Jaz ihm auf dem Heimweg letzte Nacht bereits wieder eingerenkt – Falrey fragte sich, wie oft er sie im letzten Jahr bereits gebrochen hatte. Dreimal? Viermal? Nach Wirjads Keller hatte er das Gefühl gehabt, sie wäre vielleicht ein bisschen schief. Vielleicht wurde sie jetzt ja wieder gerade.
Besonders eingehend betrachtete Emila die Platzwunde an seiner Augenbraue. Falrey hatte selbst nicht versucht, sie näher anzusehen, aber er ging nicht davon aus, dass es mehr war als eine neue Narbe, doch Emila meinte tadelnd: „Da hattest du Glück. hätte nicht viel gefehlt und ich hätte das Nähen müssen."
„Dafür wäre es doch jetzt eh zu spät", erwiderte Falrey. Es waren definitiv mehr als fünf Zeiten vergangen, seit sie nach Hause gekommen waren.
Emila warf ihm einen entnervten Blick zu. „Und genau die Tatsache, dass du das mittlerweile weisst, unterstreicht noch mehr, dass du es wirklich besser wissen müsstest, als einfach schlafen zu gehen ohne zumindest jemanden einen Blick darauf werfen zu lassen!"
Jaz grinste im Hintergrund, machte aber sofort wieder eine unbeteiligte Miene, als sie sich umdrehte. Sie schmierte Falreys Stirn mit Salbe ein, dann drückte sie ihm einen nassen Lappen in die Hand, um die Schwellung an seinem Auge zu kühlen.
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Niramun III - Mit Faust und Klinge
FantasíaEmila wird bald zu Bodir ziehen. Jaz sucht nach Umairat, obwohl ihm jeder mit Verstand davon abrät. Seniah träumt von einem besseren Leben. Falrey versucht irgendwo zwischen Hochöfen, Lilith's und Puppenspielern er selbst zu bleiben. Aber was bedeut...
