Als Falrey am Nachmittag gähnend in die Küche hinunterkam – Jaz schlief ausnahmsweise noch – war Emila da und schien bereits auf ihn gewartet zu haben. „Ich habe mit Mira geredet", meinte sie, als er einen Teller Brei mampfend am Tisch sass. „Sie sagt, du kannst jederzeit gerne vorbeikommen. Am besten regelmässig."
Falrey schluckte. „Um welche Zeit?"
„Hat sie nicht gesagt", antwortete Emila etwas ratlos. „Aber ich schätze am besten schon Vormittags?"
Falrey nickte.
Nach dem Essen stieg er wieder hoch, aber Jaz schlief noch immer zusammengerollt, den Kopf halb unter der Decke vergraben, und Falrey weckte ihn nicht, schnallte sich stattdessen den Gürtel um, warf sich die Weste über und machte sich auf den Weg zu Mira. Er beeilte sich nicht unterwegs, sondern schlenderte, trotzdem führte sein Weg ihn über den Platz mit dem Dreiecksbrunnen. Den Roten Platz hatte Jaz ihn genannt. Falrey fragte sich, was damals in der Revolution hier geschehen war. Er nahm sich vor, Misty danach zu fragen, dann fiel ihm ein, dass er das eigentlich bereits einmal getan hatte, damals an dem Tag, an dem er glaubte, in der Nachmittagssonne einen Schatten hier gesehen zu haben, dessen Ausstrahlung ihn verwirrt hatte. Aber Misty hatte keine Antwort gegeben, nur einen kryptischen Satz über die Geister der Vergangenheit, und hatte ihn dann stehengelassen.
Die Türe war angelehnt, dennoch klopfte er der Höflichkeit halber an, bevor er sie weiter aufschob und ins Dämmerlicht des Hauses trat. Mira blickte auf von einem schweren Buch, das auf dem Tresen lag und in das sie mit Feder und Tinte etwas eintrug, strich sich die dunklen Locken aus dem Gesicht und lächelte, als sie ihn erkannte. „Das nenne ich prompt."
Sie legte die Feder zurück neben das Tintenfass. „Schön dich zu sehen, Falrey. Du willst also etwas lernen."
Er nickte.
Sie stützte sich mit den Händen auf dem Tresen ab und musterte ihn eingehend. „Eine Frage vorab, damit wir das geklärt hätten: willst du lernen, oder will Emila, dass du lernst?"
Die Frage überraschte Falrey und er dachte einige Augenblicke darüber nach, bevor er antwortete: „Beides."
Es war Emilas Idee gewesen, aber es war eine gute Idee. Er wollte nicht Gefahr laufen, Jaz beim Verbluten zuzusehen, weil Emila nicht in Reichweite war und er selbst nicht wusste, was er tun sollte. Der blosse Gedanke daran machte ihm Angst.
Mira sah ihn immer noch an. „Und willst du es lernen, weil du denkst, dass du es brauchen wirst, oder aus Interesse an der Materie?"
Eigentlich war die Frage einfacher. Natürlich stand er in erster Linie hier, weil er das Wissen brauchte, sonst wäre er nie darauf gekommen, ausgerechnet über Medizin etwas zu lernen. Aber das hiess nicht, dass ihn das Thema nicht interessieren konnte. Ausserdem verunsicherte es ihn, wie Mira ihn anstarrte, als wäre die Frage ein Test, und er war sich nicht sicher, was die richtige Antwort war. „Ich weiss es nicht", sagte er schliesslich zögernd. „Ich habe gar nicht genug Ahnung davon, um zu wissen, ob es mich interessieren würde. Aber im Allgemeinen lerne ich gerne neue Dinge."
Mira nickte knapp, dann lächelte sie leicht. „Es gab keine richtige oder falsche Antwort, falls du dich das gerade gefragt hast. Jede Motivation, etwas zu lernen, hat ihre Berechtigung. Ich habe nur gefragt, weil es eine Rolle dafür spielt, was ich dir beibringe. Es macht keinen Sinn, jemandem alle Hintergründe und theoretischen Zusammenhänge zu erklären, wenn alles, was er können will, ist, ein paar Wunden richtig zu verbinden. Aber ich schätze, unter gegebenen Umständen fangen wir mit den praktischen Grundlagen an, und gehen tiefer in die Materie, wenn du weisst, was du wissen willst. Aber komm, zuerst zeige ich dir das Haus."
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Niramun III - Mit Faust und Klinge
FantasyEmila wird bald zu Bodir ziehen. Jaz sucht nach Umairat, obwohl ihm jeder mit Verstand davon abrät. Seniah träumt von einem besseren Leben. Falrey versucht irgendwo zwischen Hochöfen, Lilith's und Puppenspielern er selbst zu bleiben. Aber was bedeut...
