Kapitel 15 - Ölfleck auf Leinen

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Zwei Tage später war der Arbeiter tot. Falrey bekam noch mit, wie er anfing zu zittern und sich zu übergeben, aufhörte zu schreien vor Schmerz, dann schickte Mira ihn nach Hause. „Das ist nichts, was man mehr als einmal im Leben gesehen haben muss, wenn es sich vermeiden lässt."

Als er am nächsten Mittag wieder kam, war das Bett leer, die Kammer sauber und aufgeräumt und Mira sass mit tiefen Schatten unter den Augen und einer Tasse Nuaril hinter dem Tresen.

„Was hast du mit ihm gemacht?", fragte Falrey irgendwann, weil ihn der Gedanke an die Müllwagen nicht losliess.

„Seine Kollegen waren heute Morgen hier und haben ihn abgeholt", antwortete Mira.

„Werden sie ihn bestatten?"

„Wenn seine Familie sich das leisten kann."

Falrey nickte. Am Ende lief alles auf Geld hinaus. Selbst dann noch, wenn man tot war.

Er versuchte sich darauf zu konzentrieren, was Mira ihm beibrachte, aber seine Gedanken waren nicht bei der Sache, und schliesslich schickte Mira ihn heim. „Du brauchst eine Pause", sagte sie. „Komm wieder, wenn dein Geist sich genug gesetzt hat, um Neues aufzunehmen."

Er ging nicht direkt nach Hause, sondern streifte durch die Quartiere, bis er Hunger bekam. Trotzdem fühlte sich die Stille, als er schliesslich in der Küche stand, erdrückend an, und ihm graute davor, auch nur einige Zeiten alleine hier herumzusitzen, bis jemand nach Hause kam. Schliesslich wechselte er in seine alten Hosen, zog die Tunika aus und schloss die Lederweste, dann machte er sich auf den Weg zu den Hochöfen. Er brauchte eine Pause vom Denken, nicht von körperlicher Arbeit, und es gab wenig, was ihm so jeden Gedanken aus dem Kopf trieb, wie eine Schicht Kohleschleppen.

Die Gruppeneinteilung hatte bereits begonnen, als er sich hinten in die Schlange einreihte, aber auch er bekam noch einen Sack in die Hand gedrückt und wurde auf die Route geschickt. Die Arbeit hatte etwas an sich, das ihn irgendwie jedes Mal hinterher vergessen liess, wie schlimm sie wirklich war. Es war anstrengend in seiner Erinnerung, aber nichts im Vergleich dazu, wie sehr man währenddessen litt. Das Tempo und das Gewicht laugten den Körper aus, bereits in den ersten Zeiten, brachten einen wieder und wieder dazu, den letzten Rest an Kraft zusammenzukratzen, den man noch hatte, um danach festzustellen, dass die Beine trotzdem noch irgendwie weiterliefen, obwohl man nicht mehr wusste, wie das möglich war.

Die Last war zu schwer, die Strecke zu lang, die Pausen zu kurz, und als Falrey den Sack in der Morgendämmerung abgab, taumelte er, jeder Muskel in seinem Körper schmerzend und kraftlos. Es hielt ihn nicht davon ab, irgendeiner Gruppe hinterherzustolpern und in einer verrussten Kneipe zwei Bier zu stürzen, bevor er sich auf den Heimweg machte.

Nach der Anstrengung wirkte der Alkohol viel heftiger, als er es gewohnt war, und er hatte ernsthafte Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Das Quartier war längst wach und er wich angestrengt Karren und herumlaufenden Kindern auch, bis er endlich die Haustür erreichte. Misty sass auf seinem Platz vor dem Nachbarhaus und begrüsste Falrey, während der den Schlüssel hervorkramte. Er entglitt ihm und Falrey bückte sich fluchend, um ihn aufzuheben, wobei er sich an der Tür abstützen musste, um nicht hinzuklatschen.

„Bist du betrunken?", fragte Misty halb überrascht, halb belustigt.

„Ja", antwortete Falrey geradeheraus, während er sich wieder aufrichtete.

„Nicht bisschen früh dafür?", fragte Misty.

Falrey warf ihm einen genervten Blick zu. „Ich hab die ganze Nacht gearbeitet. Also wenn du irgendein Problem damit hast, kannst du es dir sonstwohin..."

Niramun III - Mit Faust und KlingeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt