Hinweis und Stuff

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Liebe Leser

Dieses Kapitel dient dazu, euch darauf aufmerksam zu machen, dass das erste Kapitel von Band Vier „Niramun – Jaz und Falrey" (jaja, ich hatte absolut gar keine Idee für den Titel) jetzt online ist.

Und weil Shagan der einzige war, der Wünsche dazu hatte, was ich in diesem Info-Kapitel diesmal schreiben soll, und ich gerade den Kopf nicht habe, mir alles durchzudenken, was ich müsste, um sinnvolles zur Biologie oder Demographie von Niramun schreiben zu können, geht es hier darum...

Wie es war, 16 Jahre lang die Klappe zu halten:

Vielleicht sollte ich als erstes erklären, wie es überhaupt zu diesem Plottwist gekommen ist, respektive warum diese Geschichte so existiert, wie sie ist.

Wie im ersten Hinweiskapitel bereits erwähnt, war die Stadt Niramun das erste davon, was feststand, und sie war inspiriert von meiner (falschen) Vorstellung von „Kesselstadt" im Buch „Nijura" von Jenny-Mai Nuyen. Rückblickend betrachtet habe ich wohl noch mehr Inspiration von dort übernommen, vor allem der Fokus auf die verbrecherische Unterschicht.

Dann war da Falrey, von Anfang an definiert als der Charakter, mit dem der Leser in der Stadt ankommt und durch dessen Augen er sie kennen lernt. Ein Landei, das sich nicht zurecht findet in diesem neuen Umfeld, und sich sofort beinahe in Schwierigkeiten bringt.

Und als Gegenstück zu ihm, das ihm aus der Patsche hilft: Jasra, Diebin, Anführerin im Untergrund Niramuns, der sich gegen die Repressionen der Wachen wehrt, eine Auflehnung, die schliesslich in der Revolution von Niramun enden sollte. Das war das ursprüngliche Konzept.

Dann geschahen einige Dinge. Erstens war ich es satt, in Fantasy-Büchern vom grossen Kampf Gut gegen Böse zu lesen. Gute Helden gegen böse Magier, gute Rebellen gegen böse Tyrannen, ein gerechter Kampf! Zu oft gesehen. Ich wollte etwas, das weniger klar war, weniger heroisch, bei dem es nicht um das Schicksal der Welt oder vieler Menschen ging, sondern schlicht darum, zu überleben im Dreck einer anderen möglichen Realität.

Zweitens hatte ich damals zwei Bilder gezeichnet von Jasra (und Falrey). Ich habe sie unten eingefügt, man verzeihe mir bitte das Häuschenpapier und die Proportionen. (Off-topic: man kann besonders am zweiten vielleicht auch erkennen, dass eine weitere Inspiration für das Stadt-Design Niramuns die Erdhäuser von Matmata in Tunesien waren, die auch als Kulisse für Tatooine in Star Wars dienten, auch wenn ich mich später wieder etwas davon entfernt habe.)

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Diese  Bilder habe ich damals meiner Mutter gezeigt, mit einer Erklärung dazu,  wer die abgebildeten Charaktere sind

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Diese Bilder habe ich damals meiner Mutter gezeigt, mit einer Erklärung dazu, wer die abgebildeten Charaktere sind. Ihr Kommentar zu Jasra war: „Sie sieht aus wie ein Mann."

Ich antwortete darauf: „Sie ist es sich gewohnt."

Was ich damit meinte, war, dass Jasra es sich gewohnt ist, sich wie ein Mann zu verhalten, mit Männern zu interagieren, Verantwortung zu übernehmen, sich selbst zu wehren, und was sonst noch alles so klassischerweise nur Männern zufällt.

Aber meine Mutter meinte sarkastisch: „Was ist sie sich gewohnt, wie ein Mann auszusehen?"

Und in diesem Moment hat etwas in meinem Kopf Klick gemacht, und ich dachte mir: „Actually... why not."

Drittens werfe man in dieses Konzept den ganzen Zorn, die Angst und den unverstandene Schmerz, die Hoffnungslosigkeit und Resignation einer Fünfzehnjährigen, die mit der Welt nie wirklich klargekommen war, der die Gesellschaft von Kindesbeinen an gesagt hatte, was sie nie sein konnte, weil sie ein Mädchen war, und der die eigene Pubertät vor Augen führte, was Männer von nun an in ihr sehen würden.


Und so entstand Jaz. Als bewusste Verdrehung des Charakter-Archetyps des coolen, dunkel-mysteriösen und gequälten Einzelgängers, der in der Literatur und im kollektiven Denken unserer Gesellschaft irgendwie nur funktioniert, wenn er männlich ist (denn wäre es ein weiblicher Chara, müsste sie dazu mindestens auch noch sexy sein, und darf keine psychischen Probleme haben, ausser es ist promiskuitives Verhalten, yikes). Aber auch als Ventil für alles, was ich nie hätte tun oder sagen können.

Ich hätte damals echt nicht damit gerechnet, dass es sechzehn Jahre werden. Und offen gesagt: ich habe immer wieder gehasst, dass es so lange gedauert hat.

Zum einen, weil es doch öfter vorkam, dass ich in Gesprächen mit Leuten, in denen es um das reale Leben ging, nicht sagen konnte, was ich zu einem Thema dachte. Ich bin bis heute besser darin, über Emotionen und ähnlichen Stuff anhand einer Geschichte oder fiktiver Charaktere als Beispiel zu reden, und Niramun, respektive Jaz hinzuzuziehen wäre da oft nützlich gewesen, aber ich durfte ja nicht spoilern.

Zum anderen hätte diese Geschichte viel, viel früher fertig sein sollen. Denn sie ist verwurzelt in der Gesellschaft, in der ich damals in den 90ern und 2000ern noch aufgewachsen bin, und wäre sie damals, vor 12-15 Jahren herausgekommen, hätte sie vielleicht tatsächlich mit Bildern und Mustern gebrochen, wäre etwas neues gewesen.

Heute ist die Welt – zumindest hierzulande – eine andere, gerade was Geschlechterthemen angeht, und es gibt Bücher, Filme und Serien, in denen entsprechende Charaktere eine Rolle spielen, und es schwirren so viele Begrifflichkeiten und Erklärungen dazu herum, dass ich bisweilen den Durchblick verliere. In gewisser Weise hat die Entwicklung der Realität damit Niramun obsolet gemacht.

In anderer jedoch auch nicht. Incels existieren. Man muss immer noch männlich sein, wenn man eine Chance haben will, am Seeufer nicht angebaggert zu werden. Und seien wir ehrlich: das einzige Beispiel an wirklich coolen weiblichen Charakteren (und ich meine cool im Sinne von einfach nur badass, ohne dass es dabei um ihr Aussehen geht) ist Arcane. Und das ist zu wenig.

Wir sehen uns im vierten Band.

Lg Ro


Niramun III - Mit Faust und KlingeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt