Jaz verliess sein Bett nicht die nächsten zwei Tage über. Gegen Jun ging Falrey hoch ins Zimmer und blieb im Türrahmen stehen. Jaz war in seine Decke gewickelt, das Gesicht zur Wand gerichtet, aber Falrey war sich sicher, dass er wach war. „Kann ich dir irgendwie helfen?", fragte er nach einer Weile leise.
Jaz gab keine Antwort.
„Jaz, gehts?", hakte Falrey nach. „Kann ich..."
„Rata", flüsterte Jaz.
Und Falrey liess ihn in Ruhe.
Irgendwann in der Nacht hörte er Jaz einmal aufstehen und lauschte. Als die Klappe zum Dach aufging, war er kurz davor, aufzustehen und Jaz zu folgen, dann fiel ihm auf, dass Jaz nie abhauen würde, ohne die Luke wieder sicher zu verschliessen, solange Emila hier war, und das ging von aussen nicht. Er hatte selbst schon eine Nacht auf dem Dach verbracht, weil er Emilas Gegenwart nicht ertragen hatte, vielleicht ging es Jaz gleich.
Am dritten Tag schliesslich nahm Falrey einen Krug Wasser mit hoch und setzte sich auf eine Kiste in der Mitte des Raumes. „Jaz", sagte er mit fester Stimme.
Jaz reagierte nicht.
„Jaz, du hast Tersavell gesagt, eine Woche. Das ist heute."
Erneut Stille, doch dann sagte Jaz unter seiner Decke heiser: „Ich weiss."
„Hast du vor zu gehen?", fragte Falrey.
„Ja."
„Dann solltest du vorher etwas Essen."
Keine Antwort. Nicht einmal ein Fick dich.
„Was willst du?", fragte Falrey.
„Nichts", knurrte Jaz.
„Tik, ich frag anders: Fleisch oder Bohnen?"
Zuerst kam erneut keine Reaktion. Erst nach einer halben Ewigkeit stiess Jaz die Luft aus, setzte sich auf und wandte sich zu Falrey um. „Es ist mir scheissegal, Fal."
Er sah übel aus, müde und blass. Nicht einmal sein Gesicht hatte er gewaschen, an seinem Kinn klebte noch immer Blut, und auch die Matratze war fleckig. Falrey wollte instinktiv nach seinem Arm sehen, aber er hielt sich davon ab. Jaz starrte ihn nur an, ohne etwas zu sagen.
„Komm", meinte Falrey. „Wir holen uns irgendwo etwas."
Jaz gab keine Antwort, aber er schwang die Beine aus dem Bett und suchte nach seinen Stiefeln. Als er aufstand, befürchtete Falrey einen Moment lang, er würde umkippen.
„Trinken, jetzt", sagte er, ohne Widerspruch zu dulden, und drückte Jaz den Krug in die Hand. Er glaubte nicht, dass Jaz überhaupt kein Wasser getrunken hatte die letzten Tage über, aber es war kaum genug gewesen, so heiser, wie er war.
Jaz trank einen Schluck, verzog das Gesicht, aber leerte zumindest die Hälfte, bevor er Falrey hinterher in die Küche stolperte. Er entfernte das offensichtliche Blut, dann gingen sie hinaus in die Stadt.
Während sie an eine Hauswand gelehnt mit den Zähnen Fleisch von ihren Spiessen zogen, musterte Falrey Jaz. Wie geht es dir?, wollte er fragen, aber die Antwort war zu offensichtlich, als dass die Frage Sinn gemacht hätte. Scheisse. Aber Jaz war zurückgekommen. Er hatte sich nicht umgebracht. Und er hatte auch jetzt nicht vor, alles hinzuschmeissen, wenn er beabsichtigte, zu Tersavell zu gehen.
„Weisst du, was du ihm sagen willst?", fragte Falrey schliesslich.
Jaz nickte.
„Was?"
Jaz schluckte. „Ich nehme an."
Falrey nickte halb überrascht. Dann fragte er: „Warum?"
„Wenn Tersavell danach findet, er braucht mich nicht mehr, kann ich ihn wenigstens umlegen", antwortete Jaz hart.
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Niramun III - Mit Faust und Klinge
FantasíaEmila wird bald zu Bodir ziehen. Jaz sucht nach Umairat, obwohl ihm jeder mit Verstand davon abrät. Seniah träumt von einem besseren Leben. Falrey versucht irgendwo zwischen Hochöfen, Lilith's und Puppenspielern er selbst zu bleiben. Aber was bedeut...
