Er wusste nicht mehr genau, wie sie nach Hause gekommen waren, als er im ersten Morgengrauen erwachte, abrupt und im Sitzen. Sein Schädel pochte, ihm war übel und sein Herz schlug viel zu schnell. Wovon er geträumt hatte, konnte er sich nicht erinnern, aber was immer es gewesen war, hatte ein verdammt schlechtes Gefühl hinterlassen, als lägen kalte Hände auf seinem Rücken, versuchten ihn zurückzureissen und zu erwürgen.
Er rang nach Atem und befreite sich aus der Decke, erst dann bemerkte er Jaz, der sich halb aufgerichtet hatte, den Dolch in der Hand, noch immer so besoffen, dass er schwankte, aber alarmiert, und undeutlich fragte: „Was ist?"
„Was? Ist was?", gab Falrey zurück, spürte, wie er sich instinktiv anspannte.
„Du hast was gerufen", sagte Jaz.
„Hab ich?", fragte Falrey. Er versuchte sich zu erinnern, spürte den Nachhall des Gefühls, dass er etwas sagen musste, etwas Wichtiges, aber seine Zunge war viel zu schwer.
„Ich habe geträumt", murmelte er. Er konnte immer noch nicht sagen, was, aber das Gefühl, das davon geblieben war, war schrecklich. Er bemerkte, dass seine Finger zitterten, versuchte nach der Decke zu greifen, um es zu unterdrücken, brachte aber nicht einmal die Kraft auf dazu. Ohne dass er hätte sagen können wieso, liefen ihm Tränen über die Wangen.
Jaz steckte den Dolch weg, rappelte sich auf und klatschte der Länge nach hin, weil er es offenbar noch geschafft hatte, sich die Schnürsenkel aufzubinden, aber nicht mehr, die Stiefel auszuziehen. Es polterte laut, als er halb auf die Kisten fiel, er fluchte.
Emila hob verschlafen den Kopf. „Was ist los?"
„Nichts", knurrte Jaz, während er sich an den Kisten hochzog.
„Könnt ihr dann bitte nicht so einen Lärm machen?" Ihre Stimme klang genervt. „Wenn ihr schon sturzbetrunken nach Hause kommt, dann wenigstens..."
„Halt die Klappe, Ela."
Es klang beinahe beiläufig, aber Emila verstummte tatsächlich.
„Schlaf einfach weiter", fügte Jaz hinzu.
Er stand jetzt wieder und sah sie an. Ihr Blick wanderte von ihm zu Falrey und irgendetwas schien sie davon zu überzeugen, dass es besser war, der Aufforderung folge zu leisten, denn sie drehte sich mit einem gegrummelten: „Aber seid leise", zur Wand und zog die Decke über sich.
Jaz taumelte hinüber zu Falrey, liess sich neben ihm mit dem Rücken gegen die Wand fallen und auf die Matratze sinken. Falrey war sich nicht wirklich sicher, was Jaz beabsichtigte, aber er war schon froh, nicht alleine zu sein. Seine Hände zitterten und er versuchte nicht zu schluchzen, um Emila nicht zu nerven. Er wusste auch nicht, was los war. Vielleicht hatte er einfach nur zu viel getrunken.
Jaz hingegen war zwar sternhagelvoll aber ruhig, und allmählich griff seine Gelassenheit auf Falrey über, liess ihn tiefer atmen, die Angst im Nacken verschwinden. Jaz musterte ihn, den Kopf seitlich gegen die Wand gelehnt. Schliesslich murmelte er: „Schlaf. Ich pass auf."
Ein Teil von Falreys von Kopfschmerzen und Alkohol verschwommenen Denken begriff. „Ist schon in Ordnung", flüsterte er heiser. „Geht schon." Er fuhr sich mit dem Handrücken über die Nase. Ihm drehte sich alles. Weiterschlafen klang nach einer vernünftigen Idee. „Du musst nicht wach bleiben, wegen..."
„Schlaf einfach."
Falrey widersprach nicht noch einmal, stattdessen rollte er sich auf der oberen Hälfte der Matratze zusammen, schloss die Augen, versuchte wegzudämmern. Er spürte Jaz Gegenwart, auch wenn sie sich nicht berührten, und fragte sich, ob Jaz wirklich seinetwegen herübergekommen war. Oder ob er überhaupt nicht schlafen konnte.
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Niramun III - Mit Faust und Klinge
FantasyEmila wird bald zu Bodir ziehen. Jaz sucht nach Umairat, obwohl ihm jeder mit Verstand davon abrät. Seniah träumt von einem besseren Leben. Falrey versucht irgendwo zwischen Hochöfen, Lilith's und Puppenspielern er selbst zu bleiben. Aber was bedeut...
