Sie harrten aus, bis die Nachtschwärze dem Dämmerlicht eines grauen Morgens wich, erst dann machten sie sich an den Abstieg. Als sie die Steingasse erreichten, regnete es immer noch in Strömen und sie hinterliessen erstmal eine ordentliche Wasserlache im Flur. Emila war nicht da, ihr Bett genauso unbenutzt wie die anderen beiden.
Jaz holte ein Seil, spannte es mehrmals quer durch die Küche von Deckenhaken zu Deckenhaken, leerte die Taschen seines Umhangs, um ihn darüber zu werfen, während er das Inventar fein säuberlich zum Trocknen auf dem Tisch aufreihte. Falrey war ehrlich verblüfft davon was Jaz alles mit sich herumschleppte. Mit Einbruchswerkzeug, Messern, Flachmann und Tabak hatte er gerechnet, aber da waren auch ein Seil mit einem Haken, der sich mithilfe einer Schraube auf- oder zuklappen liess – Falrey fragte sich, wann Jaz den angeschafft hatte, zumindest hatte er ihn noch nie gesehen – der Würgedraht, einige Lagen Verbandsstoff, der bessere Tage gesehen hatte, Durras Klaue, mittlerweile in einer Lederhülle, Kerzenstummel, Kohle, ... Falrey war echt unklar, wie Jaz gehen konnte ohne zu scheppern.
Er leerte seine eigenen Taschen, legte Geld, Dolch und Gürtel auf dem Tisch aus, bevor er hochging, um die zweite Hose zu holen. Er zog sich gleich in der Küche um, wrang seine Haare aus, trocknete sich mit irgendeinem Küchentuch ab, hängte seine Sachen auf. Als er wieder hochwollte, stellte er fest, dass Jaz die Türe abgeschlossen hatte – wenn er darüber nachdachte, war Falrey bisher nicht einmal aufgefallen, dass die Türe über einen Riegel verfügte – also stattete er erst der Toilette einen Besuch ab.
Bis er wieder herauskam, trug Jaz ebenfalls frische Sachen und war dabei, seine nassen Klamotten aufzuhängen. Falrey ging hoch, kroch auf seine Matratze, wickelte sich in die Decke und schlief binnen Herzschlägen ein.
Er erwachte mehrmals im Verlauf des Tages, lauschte dem Rauschen des Regens durch den nur einige Fingerbreit geöffneten Fensterladen, liess sich dahintreiben im kühlen Dämmerlicht. Einmal glaubte er Stimmen von unten zu hören, aber er machte sich keine Gedanken darum, schlief wieder ein.
Schliesslich war es der Hunger, der ihn – viel später erst – dazu trieb, aufzustehen. Als er sich aufrappelte, hob auch Jaz den Kopf.
„Wach?", fragte Falrey.
„Schon länger", entgegnete Jaz.
Falrey schlüpfte in seine trockene Tunika. „Lust auf Fladenbrot?", fragte er.
Jaz sah skeptisch aus.
„Vielleicht hats noch Bohnen dazu", meinte Falrey.
Jaz wälzte sich aus dem Bett und folgte ihm nach unten.
Falrey fachte Feuer an im Herd. „Stell mal einen Eimer raus in den Regen."
„Was?", fragte Jaz verwirrt.
„Ich brauche Wasser für den Teig", erklärte Falrey. „Ausser du willst unbedingt zum Brunnen laufen."
Jaz lachte. Er stellte beide Eimer raus. Als er zurückkehrte, blieb er am Tisch stehen. „Was ist das?"
Sein alarmierter Tonfall liess Falrey herumfahren. Jaz starrte auf ein Stück Schilfpapier in seinen Händen, die Augen zusammengekniffen. Mit einem Schritt war Falrey neben ihm, blickte über seine Schulter. Das Blatt war in mehreren Zeilen beschrieben, in einer engen, recht verschlungenen, aber durchaus schönen Handschrift. Falrey sah, wie sich Jaz Lippen bewegten, als er versuchte, sie zu entziffern.
Er selbst hatte die Zeilen innert weniger Herzschläge überflogen. „Das ist von Bodir."
Jaz schien ein Stück weit erleichtert, aber auch verwirrt. „Was steht da?"
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Niramun III - Mit Faust und Klinge
FantasyEmila wird bald zu Bodir ziehen. Jaz sucht nach Umairat, obwohl ihm jeder mit Verstand davon abrät. Seniah träumt von einem besseren Leben. Falrey versucht irgendwo zwischen Hochöfen, Lilith's und Puppenspielern er selbst zu bleiben. Aber was bedeut...
