Falrey kauerte im Schatten einer Reihe Schornsteine, gegen den Stein gepresst, sein Atem so flach wie möglich, um sich nicht durch Bewegung zu verraten, nur sein Blick schweifte über die Dächer, seine Sinne geschärft, fokussiert auf jede Veränderung, die sich zeigen mochte, egal wie unscheinbar. Der beinahe volle Mond tauchte die Gegend in helles, silbernes Licht, unterbrochen von tiefen Schatten. Licht wie dieses war trügerisch. Wo es hinreichte, sah man alles. In den schwarzen Pfützen dazwischen dafür gar nichts. Es wäre extrem schwierig gewesen, sich über weitere Strecken ungesehen anzuschleichen, aber auch praktisch unmöglich, jemanden auszumachen, der sich bereits in Position gebracht hatte.
Falrey wusste, dass ihm das diesmal definitiv in die Hände spielte. Sie hatten die angrenzenden Dächer kontrolliert, bevor er seinen Posten eingenommen hatte – Jaz voran, falls sie über jemanden dabei über jemanden stolperten, der nicht entdeckt werden wollte – und jetzt musste er nur noch still halten, wachsam bleiben, falls jemand versuchte näherzukommen. Und dabei nicht gesehen werden.
Solange mir niemand versucht in den Rücken zu fallen, dürfen sie nicht merken, dass du da bist, hatte Jaz unmissverständlich gesagt. Sonst denken sie ich würde ihnen eine Falle stellen. Dass sie dann ziemlich verschissen hatten, brauchte er Falrey nicht zu erklären.
Umairat – oder zumindest derjenige, der behauptete, Umairat zu sein – war tatsächlich auf Jaz Vorschlag eingegangen. Falrey wusste nicht wirklich, was er davon halten sollte. Puppenspieler verliessen kaum ihre Verstecke, schon gar nicht um mit einem Jäger zu verhandeln. Zum einen, weil das Risiko zu hoch war – wobei das für Umairat trotz seiner Bedeutung vielleicht sogar geringer ausfiel als für andere, schlicht weil kaum jemand wusste, dass er überhaupt existierte, geschweige denn wie er aussah – zum anderen weil: seit wann ging der König denn zum Bauer? Es war ein Ausdruck der Machtverhältnisse, und so etwas war wichtig in diesen Kreisen.
Was wollte Umairat also von Jaz, dass er sich dafür auf so etwas einliess? War Jaz als Spielfigur wirklich so wichtig gewesen, dass sich ein Spieler seinetwegen von seinem Thron bequemte? Oder steckte etwas anderes dahinter? Würde Umairat selbst überhaupt wirklich auftauchen, oder war es nur eine Farce gewesen, um Jaz zu einem Treffen mit seinen Leuten zu bewegen?
Falreys Blick glitt über das Dach der Brunnenwache, die leere Gassenecke davor, weiter bis zur Stelle auf der anderen Seite, an der Jaz wartete, flach gegen das Dach gepresst, genauso auf der Hut. Sie waren bereits seit sicher drei Zeiten hier, überwachten die Gegend, damit sich niemand anderes vor dem Treffen in Position bringen konnte.
Ein Stück weit überraschte es Falrey, dass Umairat nicht dasselbe tat. Jaz hatte ihm zugestanden, drei Leute mitzubringen. Mit seiner Macht fiel es ihm vermutlich nicht schwer, sie so zu wählen, dass Jaz tatsächlich keine Chance hätte in einem Kampf. Vielleicht reichte ihm das als Sicherheit. Jaz hingegen konnte sich nur auf das Wissen verlassen, dass er zumindest ungehindert fliehen konnte, wenn etwas schief lief.
Falrey atmete tief durch, um sich zu beruhigen. Er war schon die ganze vergangene Nacht über bei der Arbeit nervös gewesen und nicht sicher, ob er es vor allen hatte verbergen können. Jelerik war vorbeigekommen, um ihm zu sagen, dass er ihm freigab, ohne Fragen, ohne Kommentar. Es war Falrey gewesen, der ihn zurückgehalten hatte, als er sich zum Gehen gewandt hatte. Er hatte eine Entscheidung getroffen. „Du solltest anfangen, dich nach einem neuen Aufpasser umzusehen."
Jelerik hatte ihn überrascht und leicht stirnrunzelnd angesehen.
„Ich habe sehr gerne hier gearbeitet", hatte Falrey beteuert. „Und es tut mir leid, dass ich damit jetzt komme, nachdem ich eh schon zwei Wochen gefehlt habe, aber... ich kann nicht mehr garantieren, dass ich zuverlässig und regelmässig jeden Abend hierherkommen kann."
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Niramun III - Mit Faust und Klinge
FantasyEmila wird bald zu Bodir ziehen. Jaz sucht nach Umairat, obwohl ihm jeder mit Verstand davon abrät. Seniah träumt von einem besseren Leben. Falrey versucht irgendwo zwischen Hochöfen, Lilith's und Puppenspielern er selbst zu bleiben. Aber was bedeut...
