Hilas liess sie ohne viel Federlesens in sein Arbeitszimmer führen, nachdem Jaz dem Türsteher gesagt hatte, er hätte eine Nachricht für ihn. Wenn jemand wie ich mit einer Botschaft geschickt wird und darauf besteht, sie persönlich zu überbringen ohne zu sagen, von wem, dann ist es normalerweise eine Drohung, hatte Jaz erklärt während sie auf dem Weg zu Hilas Hauptquartier ihre Spuren verwischt hatten. Und dann will man zumindest wissen vom wem.
Hilas war ein hagerer Typ Mitte vierzig mit streng zurückgefetteten dunkelblonden Haaren und einem Schnauzbart. Sein Schreibtisch verfügte über geschnitzte Löwenfüsse, zwei Wächter flankierten ihn, zwei weitere sassen auf Stühlen zu beiden Seiten des Raumes als man sie durch mehrere Türen zu ihm vorgelassen hatte und sich die letzte hinter ihnen schloss.
Falrey fragte sich, ob es klug war, sich zusammen mit Jaz in einem Raum einzuschliessen. Vermutlich ja, weil es die meisten Jäger davon abhielt, etwas Dummes zu versuchen, solange man sie nicht dazu zwang, denn selbst wenn sie den Spieler erwischten, würden sie es kaum lebend aus dem Gebäude schaffen, und Hilas selbst hatte sicher irgendeine Möglichkeit sich zurückzuziehen. Vielleicht war das damals Laflabems gravierendster Fehler gewesen bei seiner Falle. Jaz hatte sich im ersten Moment nicht einmal auf Flucht konzentriert, dennoch war er entkommen, weil die Tür aufgestanden hatte.
Hilas hatte sich zurückgelehnt und wirbelte einen Tintenstift zwischen seinen Fingern. „Was bringst du mir?", fragte er ohne Einleitung, mit einer leicht gepressten Stimme, als hätte er keine Nerven hierfür, aber auch als würde das eigentlich auf restlos alles in seinem Leben zutreffen. „Und von wem?"
„Tersavell", antwortete Jaz knapp und griff in seinen Mantel. Falrey sah, wie die Wachen auf den Stühlen beinahe aufgesprungen waren, bis sie sahen, dass er nur einen Brief hervorzog. „Er lässt ausrichten, dass er noch im Geschäft ist", sagte Jaz.
„Ich weiss", fiel Hilas ihm ins Wort.
„Und er hat einen Vorschlag zur Zusammenarbeit", fuhr Jaz fort und streckte die Hand mit dem Brief aus. „Um einen gemeinsamen Feind endlich aus dem Weg zu räumen."
Hilas starrte ihn einen Moment lang an, dann bedeutete er mit einem unwirschen Nicken einem seiner Männer, den Brief aus Jaz Hand zu holen und ihm zu bringen.
Während er das Siegel brach und die Bögen aus dem Umschlag zog, musterte Falrey die Anwesenden. Man hatte ihn ohne Diskussion zusammen mit Jaz eingelassen – es hatte jemand gefragt, wer er sei, aber Jaz „Er gehört zu mir" hatte gereicht als Antwort – und die ersten paar Atemzüge lang hatten ihn die Wachen zu beiden Seiten ebenso im Auge behalten wie Jaz, aber nachdem Jaz einen Schritt vorgetreten war und Falrey sich nicht mehr bewegt hatte, hatte er ihr Interesse verloren und war vermutlich bereits weitgehend aus ihren Gedanken verschwunden.
Die beiden Männer, die neben dem Tisch standen, schienen Hilas übliche Leibwache zu sein, ihre Haltung sprach davon, dass sie schon sicher den halben Abend so aufgestellt waren. Die anderen beiden hatte man vermutlich wegen Jaz hinzugeholt. Einer wirkte etwas jünger als die übrigen, er war derjenige, dessen Hand am schnellsten in Richtung einer Waffe gezuckt war, vermutlich war er nervös. Der Rest wirkte gelassener, aber sie behielten jede Bewegung von Jaz im Auge. Es wäre verdammt riskant gewesen, so offen ein Attentat auf Hilas zu verüben, aber sie kannten vermutlich Jaz Ruf.
Hilas selbst wirkte wie ein eher unfreundlicher Zeitgenosse, aber Falrey ahnte, dass das genauso nur Schauspiel war wie Tersavells Lockerheit. Tersavell hatte mit seinem Auftreten, dem Sofa, den Huren, den Eindruck erweckt, als müsste er sich keine Sorgen machen, als wäre dieses ganze Geschäft zu einfach für ihn. Hilas hingegen präsentierte sich als jemanden, bereits über die blosse Anwesenheit seines Gegenübers milde genervt war. Jemanden, dem man nicht quer kommen wollte, weil bereits kleine Fehltritte unangenehme Konsequenzen haben würden. Und das war also der Typ, der den halben Het kontrollierte. Ein Mann, der sich verhielt wie ein Lehrer, der absichtlich streng war, damit seine Schüler nicht wagten aus der Reihe zu tanzen.
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Niramun III - Mit Faust und Klinge
FantasíaEmila wird bald zu Bodir ziehen. Jaz sucht nach Umairat, obwohl ihm jeder mit Verstand davon abrät. Seniah träumt von einem besseren Leben. Falrey versucht irgendwo zwischen Hochöfen, Lilith's und Puppenspielern er selbst zu bleiben. Aber was bedeut...
