Kapitel 20 - Verdient

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Es war seltsam, wie das Leben einfach weiterging, nachdem Falrey bei einem Angriff auf einen Puppenspieler mitgekämpft hatte, genauso wie davor, als wäre nichts geschehen, dass er nicht einmal wirklich darüber nachdachte. Bedeutete das, dass er allmählich abstumpfte? Oder spiegelten seine Gedanken nur Jaz Verhalten wider, an dem sich nichts änderte, weil das alles für ihn schon lange Normalität war? Die wenigen Worte, nachdem sie Asrens Quartier verlassen hatten, waren die einzigen gewesen, die er überhaupt über die Aktion verloren hatte. Hast dich gut gehalten. Und du wusstest, worauf du dich einlässt.

Das war richtig. Nichts von dem, was dort passiert war, hatte Falrey schockiert, da war nichts gewesen, womit er nicht gerechnet hatte. Es war immer noch mies genug, Leuten beim Sterben zuzusehen, aber er hatte gewusst, dass es passieren würde, und war damit fertig geworden. Er war nicht erstarrt, nicht in Tränen ausgebrochen. Und auch wenn das verdammt verdreht war, verspürte er ein bisschen Stolz deswegen.

Sie trainierten wie immer und als sie gegen Silur schweissnass aufgaben, fragte Falrey: „Was hast du heute vor?"

Jaz zuckte nur mit den Schultern.

„Ich denke, ich sehe bei Mira vorbei", sagte Falrey.

Jaz nickte.

„Bist du im Fuchs?"

Schulterzucken.

„Ich mein, macht es Sinn dort vorbeizusehen, wenn ich bei Mira fertig bin?"

„Keine Ahnung. Kann ja auch schon nen Auftrag haben dann."

Falrey seufzte innerlich, akzeptierte, dass er keine klarere Antwort bekommen würde, und kletterte hinunter ins Haus.

Mira fragte nicht, was er die letzten Tage über gemacht hatte, auch nicht nach seinem immer noch stellenweise blauen Auge, stattdessen überprüfte sie, was er sich von den letzten Themen gemerkt hatte. Er hatte mehr vergessen, als er gedacht hätte, und ärgerte sich darüber, Mira jedoch schien zufrieden. Dann legte sie eine Reihe von metallenen Werkzeugen auf dem Tisch aus und erklärte ihm den Zweck jedes einzelnen.

„Was du vor allem brauchst, um oberflächliche Wunden zu versorgen, sind Nadeln", sagte sie. „Es gibt sie in verschiedener Form, Dicke und Material, je nach Verletzung. Im Zweifel, greif zu sowas." Sie hob eine dünne, gebogene Nadel aus Metall. „Zur Nadel gehört der Faden. Für normale Nähte verwendest du am Besten Seide. Sie ist stabil und verbindet sich weniger mit dem Fleisch als andere Materialien, deshalb leichter zu ziehen. Daneben gibt es auch solche Fäden." Sie hob ein Glasgefäss, in dem sich ein hellbrauner Faden ringelte. „Sie bestehen aus Tierdarm und lösen sich mit der Zeit im Körper auf. Man verwendet sie deshalb für Nähte, die irgendwo im Körperinneren liegen, weit unter einer offenen Wunde, die man danach verschliesst. Zum Beispiel, um stark blutende Adern zu verschliessen."

Falrey legte den Kopf schräg. „Macht man das nicht normalerweise mit Feuer? Also einem Stück heissen Metall oder so?"

„Ist möglich", antwortete Mira knapp. „Aber mit einem Faden ist besser, weil du damit nicht das ganze umliegende Fleisch mitgrillst."

Das machte Sinn.

„Was du ausserdem zur Hand haben solltest, ist eine Schere, ein scharfes Messer – besser nicht allzu unhandlich – und so etwas." Sie hob ein Instrument, das aussah wie eine kleine Zange. „Damit kannst du Fremdkörper aus Wunden entfernen oder sie aufhalten, um sie auszuspülen."

Sie legte das Ding wieder hin. „Wichtig ist, dass alles davon sauber ist. Normalerweise besteht es aus Silber, dann musst du dir keine Gedanken um Rost machen, solltest das Werkzeug aber trotzdem glänzend halten. Ausserdem willst du, dass Messer, Schere und Nadel scharf sind. Besonders bei der Nadel ist das wichtig, damit du so wenig wie möglich am Gewebe reisst. Und deshalb sehen wir uns jetzt an, wie man so eine Nadel schleift."

Niramun III - Mit Faust und KlingeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt