Falrey wartete in einer Nebengasse, flach in den Schatten eines Hauseinganges gepresst. Er lauschte, auf Schritte, die die Gasse hinunterkamen, auf Geräusche aus dem Inneren des Hauses, die ihn gewarnt hätten, falls jemand vorhatte die Tür zu benutzen, vor der er stand, aber alles blieb still.
Es war bereits weit nach Sek, die meisten Fackeln erloschen. Der Lichtschein jener neben dem Eingang zu Namons Aussenposten ging um etwa einen Schritt an ihm vorbei, er sah weder den Türsteher noch den Wächter auf dem Balkon, hatte aber zumindest einen Teil der Dachkante des Hauses im Blick. Der Wachmann dort oben hatte seinen Posten eben erst verlassen, um auf einen Rundgang zu gehen. Bevor er zurückkehrte meldete er sich jeweils bei demjenigen auf dem Balkon, Jaz konnte ihn also nicht unterwegs abfangen, aber er würde die Zeit der Patrouille nutzen, um sich näher zu schleichen, bis zu einer Position, von der aus er den Mann schnell erwischen konnte, wenn er sich wieder niederliess. So zumindest lautete der Plan.
Falrey wartete. Vor einiger Zeit, als er erst gerade seinen Platz hier unten in der Gasse bezogen hatte, war ein Mann die Strasse entlang gekommen, er hatte ihn einige gedämpfte Worte mit dem Türsteher wechseln gehört, ohne zu verstehen, was sie sagten, dann war er wohl eingetreten. Seit sie nach Einbruch der Nacht das Quartier beobachteten, waren somit vier Typen, die Falrey als Kunden der Dampferhöhle einstufte, in das Haus gegangen, und keiner hatte es verlassen.
Falrey blickte hoch zur Dachkante des Aussenpostens. Er bezweifelte, dass er von hier aus etwas davon sehen würde, wenn der Typ auf seinen Posten zurückkehrte, geschweige denn, wie Jaz ihn ausschaltete, dennoch war er angespannt, lauschte auf jeden gedämpften Laut, der sie hätte verraten können. Es blieb alles ruhig.
Als schliesslich ein Schemen über der Dachkante auftauchte, spannte er sich automatisch an. Lautlos hob Jaz Silhouette, die sich schwach gegen den dunklen Nachthimmel abhob, die Hand zum vereinbarten Zeichen. Falrey erwiderte mit einem Nicken, auch wenn Jaz ihn vermutlich gar nicht sehen konnte, holte tief Luft und stiess sich ab.
Während er um die Ecke bog – nicht zu schnell, sondern als würde er zufällig hier entlangschlendern – und damit ins Licht und das Lichtfeld des Türstehers trat, ging er in Gedanken durch, was er sich zurecht gelegt hatte. Der Mann sah ihm entgegen und Falrey spürte auch den Blick der Wache auf dem Balkon auf sich ruhen, zwang sich, nicht hochzusehen. Er tat erst, als wolle er vorübergehen, blieb dann aber mit Blick auf die Fackel stehen, bevor er den Türsteher ansah, einen breitschultrigen Mann um die dreissig, an dessen Stirn sich die Haare lichteten. „Hey, ist das hier eine Schenke?", fragte er.
„Nein...", setzte der Mann mürrisch an, aber Falrey redete einfach weiter.
„Ich bin erst vor ein paar Tagen hier in die Gegend gezogen, da zwei drei Gassen weiter." Er deutete vage hinter sich. „Und so hier quasi um die Ecke wäre echt praktisch. Ich hoffe, das Bier ist gut."
„Das ist keine Schenke", erwiderte der Türsteher.
Falrey trat einen Schritt auf ihn zu, als erhoffte er einen Blick an ihm vorbei zu erhaschen – obwohl die Türe natürlich zu war. „Sicher?"
„Ja. Geh weiter."
Falrey bliebt stehen, als würde er nachdenken. „Wo finde ich dann eine Schenke?"
„Hier die Gasse runter und die Zweite rechts", knurrte der Mann unfreundlich.
„Und die ist noch offen?"
„Ist das mein Problem?"
„Hey, wieso so schlecht gelaunt?", fragte Falrey.
„Ich hab hier einen Job zu machen, Junge, also verpiss dich einfach."
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Niramun III - Mit Faust und Klinge
FantasyEmila wird bald zu Bodir ziehen. Jaz sucht nach Umairat, obwohl ihm jeder mit Verstand davon abrät. Seniah träumt von einem besseren Leben. Falrey versucht irgendwo zwischen Hochöfen, Lilith's und Puppenspielern er selbst zu bleiben. Aber was bedeut...
