Am nächsten Tag ging er zu Mira, um sein Verbandsmaterial und den Flachmann auffüllen zu lassen. Er brachte ihr auch die Bücher mit, die sie ihm ausgeliehen hatte, und die er mittlerweile durchgelesen hatte – passagenweise mehr als einmal. Sie fuhr flüchtig über den Einband, bevor sie sie auf den Tisch legte. „Und, was hältst du davon?", fragte sie.
„Informativ", antwortete Falrey in Ermangelung einer besseren Einschätzung. Als könnte er das beurteilen. Dann nickte er auf das mit den Kriegsverletzungen. „Bei dem hab ich mich erst gefragt, warum du es mir gegeben hast, aber..."
„Aber dann hast du es gelesen?", fragte Mira grinsend.
Er nickte.
Sie nahm den schmalen Band zur Hand, blätterte gedankenverloren durch die Seiten. „Ah ja, Ranner", sagte sie mit einem Funken Nostalgie in ihrem Blick. „Guter Arzt. Guter Chirurg. Und nicht einer von denen, die sich in den sauberen Sälen der Universität verschanzt hat."
„Du kanntest ihn?", fragte Falrey überrascht.
Sie nickte. „Er war mein Vorgesetzter. Nach meinem Abschluss, in den Lazaretten. Als ich ging, hat er mir das Buch mitgegeben, um seine Erfahrung weiterzutragen." Sie klappte den Band zu. „Willst du etwas Neues zu lesen mitnehmen?"
„Wenn du etwas hast, von dem du denkst, es wäre für mich nützlich und verständlich?"
„Jede Menge", antwortete Mira. „Je nachdem, was dich interessiert. Komm mit hoch."
Sie stiegen die Treppen hoch zu Miras Bibliothek. Sie sortierte die Bücher, die er ihr gegeben hatte, zurück ins Regal, bevor sie die bunten, in Leder und Leinen gebundenen Rücken musterte. „Also, was möchtest du? Mehr Vertiefung in das, was ich dir gezeigt habe, oder Einblicke in ein neues Thema?"
Falrey zuckte ratlos mit den Schultern.
„Interessiert dich Arzneimittelherstellung?", schlug Mira vor. „Die Behandlung von Haut- oder Lungenkrankheiten? Die Funktionsweise der Verdauung und damit zusammenhängender Organe? Geburtshilfe?"
Falreys Augen weiteten sich. „Hat mich das überhaupt etwas anzugehen, als Mann?"
Mira warf ihm einen scharfen Blick zu. „Wissen ist keinem Geschlecht vorbehalten, egal, worum es geht", sagte sie mit so viel Nachdruck, dass er den Kopf einzog. „Es mag sein, dass viele Frauen eine weibliche Hebamme bevorzugen, aber wenn keine zur Hand ist, ist ein Mann, der weiss, was zu tun ist, besser als zu sterben, oder? Eigentlich sollte jeder Mann, der in der Lage ist, ein Kind zu zeugen, auch zumindest in den Grundzügen wissen, wie man es entbindet. Stell dir vor, du findest eine Frau und schwängerst sie, und aus irgendeinem Grund seid ihr auf euch gestellt – dann musst du wissen, was du tust, denn sie wird mitunter kaum in der Lage sein, klar zu denken."
Falrey war rot wie eine Surati. Nach Miras Worten kam es ihm fast wie eine Verpflichtung vor, mehr über das Thema wissen zu wollen, weil alles andere ihn zu einem Arsch gemacht hätte, aber... es fühlte sich falsch an. Er hatte bereits das Gefühl, mehr zu wissen, als er hätte wissen sollen, durch das, was Ezali ihm von ihrem Körper gezeigt hatte, obwohl es sich in dem Moment richtig angefühlt hatte. „Ich denke fürs Erste bleibe ich bei den Verletzungen", meinte er schliesslich.
Mira gab keinen Kommentar dazu ab, sondern nickte, fuhr mit den Fingern über die Buchrücken, bevor sie einen herauszog. „Das hier ist eine Art Leitfaden dazu, was es bei Verletzungen unterschiedlicher Tiefe in verschiedenen Körperregionen besonders zu beachten gibt, um die Funktion der jeweiligen Teile aufrecht zu erhalten. Und dieses hier", ein dickerer Band folgte dem ersten, „befasst sich mit den Mechanismen der Wundheilung. Es geht sehr in die Tiefe und ist nicht ganz einfach zu lesen, aber ich traue dir zu, dass du damit klarkommst. Falls du Fragen hast, kannst du jederzeit vorbeikommen."
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Niramun III - Mit Faust und Klinge
FantasíaEmila wird bald zu Bodir ziehen. Jaz sucht nach Umairat, obwohl ihm jeder mit Verstand davon abrät. Seniah träumt von einem besseren Leben. Falrey versucht irgendwo zwischen Hochöfen, Lilith's und Puppenspielern er selbst zu bleiben. Aber was bedeut...
