Das warme Licht der Nachmittagssonne fiel durchs offene Fenster, als Falrey erwachte. Von draussen drangen die Geräusche des Quartiers herein, die Stimmen, Schritte, Räder eines Handkarrens, dazwischen das leise Sirren und Schaben von Pajars Töpferscheibe gegenüber. Er erinnerte sich an die Stille in den Katakomben, und ihm wurde bewusst, das nichts von dem, was er hörte, aus dem Haus selbst stammte. Warum konnte man Stille in einem bestimmten räumlichen Bereich erkennen, selbst wenn sie von Geräuschen von ausserhalb überlagert wurde? Und warum erfüllte sie einen mit so einer seltsamen Unruhe?
Eigentlich hätte man sich doch sicher fühlen müssen, wenn es still war, weil nichts auf eine Gefahr hindeutete. Aber das heisst nicht, dass da keine ist. Geräusche erzählten einem, was dort geschah, wohin man nicht sehen konnte, gaben einem die Sicherheit, dass es harmlos war. Stille hingegen war wie sich mit verbundenen Augen durch die Welt zu tasten, ohne Orientierung oder Vorwarnung. Und die wirklich gefährlichen Dinge machten keinen Laut. Der Winterwolf hatte geräuschlos auf dem Pfad gestanden, bis er im Schneesturm verschwunden war, ein Hunger, der seine Beute nicht vorwarnte. Jaz griff lautlos an, wenn er ging, um zu töten. Marvels Vater hatte nichts gesagt, bevor er den Hammer geworfen hatte.
Falrey schälte sich aus der Decke, stand auf und streckte sich, zuckte zusammen, als seine Finger dabei gegen die steinerne Decke stiessen. Er nahm die Geige mit hinunter in die Küche.
Jaz kam gegen Silur nach Hause, als es schon fast wieder dämmerte. Er warf nur kurz einen Blick in den Raum, bevor er nach oben verschwand, Falrey nickte ihm zu ohne sein Spiel zu unterbrechen. Nach einer Weile kehrte Jaz zurück, aber er setzte sich nicht, blieb an die Ablage gelehnt stehen und sah Falrey an, als wollte er etwas sagen – oder genau genommen eher, als wollte er es nicht tun, sonst hätte er kaum damit gewartet. Seine Finger tippten gegen die Kante der Arbeitsfläche.
Schliesslich setzte Falrey die Geige ab. „Was?"
Jaz schluckte. „Ich werd ein paar Tage weg sein", murmelte er.
„Warum?", fragte Falrey überrascht.
Jaz gab keine Antwort.
Falreys Herz sank in die Magengrube. „Du gehst in den Sur."
Jaz sah ihn nicht an, während er nickte.
„Warum?"
Diesmal erwiderte Jaz seinen Blick, und seine Stimme klang hart. „Du weisst warum."
Falrey sah ihn an. Aber warum jetzt? Wegen Tersavell? Wegen der Entscheidung? Ändert es etwas? Was? Und... was ist danach? Die Fragen stolperten übereinander und vermischten sich. Er wusste, dass er keine davon aussprechen konnte. Stattdessen stellte er dieselbe wie beim letzten Mal, obwohl er die Antwort darauf bereits kannte: „Soll ich mitkommen?"
Jaz schüttelte den Kopf.
„Soll ich irgendwo auf dich warten? Im Arbeiterviertel, oder..."
„Wozu?", fragte Jaz gerade heraus.
Falrey suchte nach einer Antwort, aber Jaz gab sie selbst: „Damit du mich suchen kannst, falls ich nicht dort auftauche? Das wäre sinnlos."
Er verzog leicht die Lippen und Falrey verstand, was er sagen wollte. Es ist sinnlos, einen Toten zu suchen. „Aber was... was wenn du nur verletzt bist? Wenn du Hilfe brauchst? Wenn..."
„Fal." Jaz sah ihm in die Augen. „Wenn ich so schwer verletzt bin, dass ich es nicht mehr nach Hause schaffe, dann bin ich so oder so tot. Und wenn niemand anderes dafür sorgt, dann tu ich es selbst."
Falrey blieben sämtliche Worte im Hals stecken. Er wusste, warum Jaz das sagte, warum mit so kalter Entschlossenheit, dass Falrey ihm glaubte, dass er es ohne zu Zögern durchziehen würde. Es gibt schlimmeres als den Tod. Ohne sich wehren zu können jemandem im Sur in die Hände zu fallen war schlimmer. Falrey blinzelte gegen das Brennen in seinen Augen an.
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Niramun III - Mit Faust und Klinge
FantasyEmila wird bald zu Bodir ziehen. Jaz sucht nach Umairat, obwohl ihm jeder mit Verstand davon abrät. Seniah träumt von einem besseren Leben. Falrey versucht irgendwo zwischen Hochöfen, Lilith's und Puppenspielern er selbst zu bleiben. Aber was bedeut...
