Kapitel 49 - Nicht zu Ende gedacht

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Sie kauerten auf den Stufen eines Treppenaufganges, flach gegen die Wand gepresst, um aus keiner Richtung eine Silhouette gegen den Himmel oder den Krater zu werfen. Links ging es drei Stockwerke tief hinunter auf die Strasse. Sie war nicht breit, notfalls wäre es leicht gewesen, hinüber zu springen, um zu fliehen, allerdings kaum, ohne dabei von den Wächtern auf den Dächern weiter unten bemerkt zu werden.

Es waren drei, zwei auf dem Gebäude selbst, einer auf einem höheren Dach schräg gegenüber, von wo aus er einen grossen Teil des leicht abfallenden Geländes im Blick haben musste. Vermutlich hätte er sie auch hier oben ausmachen können, wäre die Dunkelheit nicht auf ihrer Seite gewesen. Die Männer waren aussergewöhnlich wachsam, als rechneten sie mit einem Angriff, aber niemand schien zu patrouillieren – zumindest hatte Falrey bisher keinen entdeckt.

Der Auftrag für den Bürger war glatt gelaufen, kein Hinterhalt, keine Schwierigkeiten, Jaz hatte den Mann noch in der ersten Nacht erwischt. Damit konnten sie sich um die wichtigen Fragen kümmern: Was hatte Umairat mit Jaz vor, nun, da er sein Ziel erreicht hatte? War Namon auf Rache aus für Bakkas Tod? Und stimmten Ossnas Informationen zu Tersavell überhaupt? Im Vergleich zu den ersten beiden war die letzte Frage geradezu einfach zu beantworten. Deshalb knieten sie nun in der Dunkelheit oberhalb von Tersavells Hauptquartier und beobachteten.

Das Gebäude war alles andere als ausgestorben, eine ganze Menge Leute gingen ein und aus, von denen Falrey keinen einzigen erkannte. Er musterte die verschlossenen Fenster, die Wachen auf den Dächern. Das Haus wurde klar nach wie vor genutzt für die Aktivitäten eines Spielers, aber er hatte keine Ahnung, woran er festmachen sollte, ob es immer noch Tersavell war oder zumindest einer seiner Handlanger, der übernommen hatte, oder ob sich bereits jemand neues darin einquartiert hatte – wer auch immer das war, wenn Umairat Tersavell ausgeräuchert hatte, denn Falrey bezweifelte arg, dass der Spieler hinter den Spielern einen so offensichtlichen Ort für sich selbst genutzt hätte.

„Und?", fragte er schliesslich wispernd. Jaz schüttelte nur den Kopf, aber er wirkte angespannt.

Falrey gab es auf, ihm beim Beobachten behilflich sein zu wollen – er mochte aus einer Schmarotzervilla eine Menge herauslesen können, aber das hier war eine ganz andere Geschichte – und konzentrierte sich stattdessen darauf, ihren Posten abzusichern. Von hangabwärts her konnte sich ihnen kaum jemand nähern, weder eine Patrouille noch jemand, der versuchte ungesehen zu bleiben, ohne dass sie ihn früh genug bemerken würden und rückwärts die Treppe hochschleichen konnten, um zu verschwinden. Was Falrey Unbehagen bereitete, war die Wand zu ihrer Rechten. Sie gab ihnen zwar Deckung, aber gleichzeitig hätte sich auf dem Dach auch jemand komplett unbemerkt an sie anschleichen können. Sie hatten es überprüft, bevor sie hier heruntergekommen waren, das Haus grenzte auf der anderen Seite an einen Innenhof und zur nächst unteren Stufe war es mehr als ein Stockwerk, aber es bestand die Möglichkeit, dass jemand wie sie selbst von weiter oben am Hang kam, und wenn er sie hier überraschte, blieb ihnen nichts anderes als der Sprung über die Gasse.

Auf der Suche nach einer Stelle, von der aus er die Dachkanten hangaufwärts im Blick haben würde, rutschte Falrey zurück von seiner Beobachterposition, kroch halb auf dem Bauch die Treppe hoch und schielte auf das Dach. Als er sich sicher war, dass sich dort niemand aufhielt, robbte er hinüber zu zwei Schornsteinen und setzte sich dahinter auf, sodass sie ihn gegen unten verdeckten. Von hier aus hatte er freie Sicht gegen oben. Dass das nicht viel brachte, wenn er nicht wusste, was er tun sollte, falls sich dort tatsächlich jemand zeigte, wurde ihm erst klar, als es passierte.

Zuerst bemerkte er ihn gar nicht, denn der Mann war gut darin, ungesehen zu bleiben. Falrey konnte nicht genau sagen, was ihn schliesslich aufmerken liess. Vermutlich eine Bewegung, die er unterbewusst registrierte, auch wenn er sie kaum gesehen hatte, eine Veränderung in den dunklen Mustern. Er erstarrte, kniff die Augen zusammen. Sicher ein Dutzend Atemzüge verstrich, ohne dass etwas geschah. Dann hob sich der runde Schemen eines Kopfes über die Dachkante, lediglich zwei Häuser über ihnen.

Niramun III - Mit Faust und KlingeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt