Von oben hörte man Krachen, Schreie und ein lautes Lachen. Leicht den Kopfschüttelnd hörte ich dem Theater, welches sich zwei Stockwerke über meinem Kopf abspielte, zu und überlegte einen Moment. Ein erneutes Krachen, dann begann Thea zu lachen, während das Knurren von Raelynn das Haus erfüllte.
Ein Schauer schlich über meinen Rücken, als ich meinen Blick wieder dem blau leuchtenden Himmel widmete. Selbst durch das geschlossene Fenster konnte man das Singen der Vögel hören, welche dabei waren, ihren letzten paar Jünglingen die hungrigen Mäuler zu stopfen. Es war ein schöner Tag. Der leichte Wind spielte mit dem saftigen Grün der Baumkronen und ließ hier und da das leise Knacken eines morschen Astes hören.
Wie lange hatte ich die Mauern dieses Hauses nicht mehr verlassen?
Kurz überlegte ich. Seit ich hier hin geschliffen wurde, hatte ich meine Zeit in meinem Zimmer verbracht, ansonsten hatte ich weder etwas von dem Haus, noch der Stadt gesehen. Plötzlich spürte ich Sehnsucht in meinem Körper aufkeimen, mein Puls beschleunigte sich und meine Gedanken schweiften ab.
Ich konnte praktisch spüren, wie sich meine Pfoten in die Erde drückten, der Wind mit meinem Fell spielte und ich von Schritt zu Schritt schneller durch den Wald hechtete. Ich hörte das Hecheln welches aus meinem Maul kam, die Vögel die über mir aufgeregt begannen zu Zwitschern um die anderen zu warnen, ich roch das weiche Moos unter meinen Ballen und den kühlen Sommerwind, welcher meine Nase umspielte.
Mit geschlossenen Augen stand ich da und lauschte auf meine eigenen Gedanken. Alles in meinem Körper schrie danach wieder rennen zu können, das Tier in mir hervor zu lassen und meinen Instinkten die Leitung zu übergeben.
Langsam öffnete ich meine Augen wieder, kam zurück in die Realität. Von oben waren noch immer die Geräusche der kämpfenden Geschwister zu hören, gerade hörte es sich so an als sollte die Jüngere aufgeben, doch sie tat es wohl nicht. Wie viel Energie konnte in einem so müden Körper noch stecken?
Erneut dachte ich an den Wald. Ich musste nur durch die Eingangshalle, dann wäre ich frei. Zumindest für ein paar Stunden könnte ich so tuen als wäre alles beim Alten, einfach Wolf sein. Langsam stieß ich mich von der Theke ab. Sie würden es schon nicht merken, richtig? Ist ja nicht so, als könnte dieser Idiot da oben jeder Zeit spüren wenn du dich auch nur fünf Meter weiter von ihm weg bewegst.
Nachdenklich biss ich auf meine Lippe und starrte die Tür an. Sie hatte recht, aber wenn ich schnell genug war, vor ihm in den Wald kam und mich verwandelte- Ist er immer noch derjenige, der sich hier besser auskennt Al.
Mit einem Augenverdrehen rannte ich beinahe schon durch den Flur mit den Bildern zu der ersten Tür. Als wäre der Teufel höchst persönlich hinter mir her, was er bei meinem Glück in den letzten Tagen vermutlich auch war, überquerte ich mit langen Schritten das dunkle Packet des Saals. Die Geräusche der Geschwister hinter mir wurden immer leiser, bis sie ruckartig komplett verstummten. Etwas grinsend öffnete ich die riesige Tür.
Ein Schwall warmer Luft strömte in das vergleichsweise stickige Gebäude. Ein paar meiner Haare wehten mir in die Stirn und die frische Luft füllte meine Lunge. Beinahe schon auflachend schaute ich heraus auf den gepflasterten Vorhof, dann hörte ich Schritte in dem bewohnten Teil des Gebäudes. Schnell setzte ich mich wieder in Bewegung und verließ das riesige Gebäude.
Ich spürte ziemlich schnell ein paar verwirrte Blicke auf mir, teils voller Neugierde- teils mit Misstrauen gefüllt, folgten sie jeder meiner gehetzten Bewegungen als ich den Hof verließ. Ich sah wie sich ihre Augen weiteten, als die Tür hinter mir sich erneut öffnete und vermutlich der Alpha die Außenwelt betrat. Als ein bedrohliches Knurren die angenehme Luft durchschnitt, wandten sich die Blicke schnell von mir ab. Ich hatte mich an mich selber gehalten und mich nicht umgezogen, warum auch?
"Alia bleib stehen!", ich reagierte nicht. "Lia Gott verdammte...!", er packte meinen Arm und wirbelte mich zu sich rum. Wie schnell konnte dieser Typ denn bitte laufen? "Ugh, was denn?!", seufzend wandte ich dem Älteren meine Aufmerksamkeit zu. "Wo hin willst du?", verblüfft sah ich ihn an. Seine Stimme war ausnahmsweise mal nicht genervt oder misstrauisch, er schien wirklich interessiert zu sein. Mit dieser Erkenntnis wuchs das Misstrauen in mir langsam. Hatte dieser Typ irgendwie eine gespaltene Persönlichkeit oder wie konnte er so schnell wechseln? Kurz musterte ich seine Augen, nope, immer noch die selbe Kälte wie immer.
Meine Schultern sanken kurz, was hatte ich auch erwartet? Wahrscheinlich wagte er es bloß nicht vor seinem Rudel so mit seiner Mate herum zu springen. Schnell fing ich mich wieder und riss mich schnaubend los. Was juckte mich es ob das Rudel mich hasste oder nicht und was juckte es ihn wo hin ich ging? Sollte er sich doch seine geheuchelte Neugier in den Arsch schieben. "Was geht's dich an?", meine Stimme war nur ein Zischen. Raelynn, welchem ich den Rücken zu gewandt hatte, versteinerte hinter mir. *Wow du denkst schlechter von mir als ich dachte kleines."
Ich lachte auf, drehte mich wieder zu ihm. Nicht die Eier laut vor den Menschen zu streiten huh? "Wenn es dir nicht passt, Raelynn.", sein Name kam mir verächtlich über die Lippen, hinterließ einen bitteren Nachgeschmack auf meiner Zunge. "Hör gefälligst auf in meinem Kopf herum zu schnüffeln.", Getuschel bei den umliegenden Menschen trat ein, der Mundwinkel meines Gegenüber zuckte ironisch in die Luft. "Wenn du wüsstest, wie tief du dir gerade selber ins Fleisch schneidest."
Fest sah ich meinem Gegenüber in die Augen, warum mussten wir immer streiten? Dieser winzige Teil in mir, welcher sich nach eine Nähe sehnte, wurde von Wort zu Wort größer und verzweifelter. Ein Glück, dass ich einen sturen Schädel hatte. Nyx zog sich in meinem Bewusstsein zurück, während der dunkelhaarige Schritt für Schritt auf mich zu kam, ich wich nicht zurück. Nie wieder würde ich auch nur einen Schritt vor diesem Lügner zurück weichen. Ich wusste nicht was diese Gedanken gerade in mir ausgelöst hatte, doch die Wut in meinem Körper stieg ins Unermessliche. "Wo mit soll ich mir denn Schaden huh?! Damit, dass ich vor einem Rudel, welches nicht ein mal meins ist, meine Meinung vertrete?! Was kann ich dafür, dass du-", ich stach mit meinem Zeigefinger gegen seine Brust, bei jedem Wort auf neue, "- mich hier anschleppst und denkst ich halte nur wegen Publikum mein Maul?! Ein Alpha der seinem Rudel nicht ein mal die Wahrheit präsentieren kann, wow, du bist ein größerer Heuchler als ich dachte!"
Um uns hielt jeder die Luft an. Bevor ich reagieren konnte, schlang Raelynn die Arme um meine Taille und zog mich eng an seinen Körper, sofort setzte wieder dieses verdammte Kribbeln ein. Mein Körper schien sich zu entspannen, warum entspannte ich mich?! Ich wollte ihn weg stoßen, stand aber nur wie versteinert da, während ich seinen warmen Atem in meinem Nacken spürte. Mein Puls begann zu stottern, dann zu rasen. Ich musste nicht hinsehen um zu wissen, dass der Alpha sein kleines Grinsen auf den Lippen hatte, da mein Herz wie verrückt gegen meinen Brustkorb hämmerte, welcher direkt gegen seinen gepresst war.
"Wenn du dich jetzt beruhigt hast, würde ich vorschlagen, dass wir in den Wald gehen und eine Weile rennen hm? Scheinst es wohl gebrauchen zu können.", seine Lippen legten sich für den Hauch einer Sekunde auf meinen Nacken, das Kribbeln wurde stärker. Ich spürte wie er mich an sah, hob zögernd den Kopf und traf direkt auf seinen belustigten Blick. Aus meiner Starre erwacht stieß ich ihn endlich von mir, spürte sofort mein protestierendes Inneres und wandte mich von ihm ab.
Mit schnellen Schritten stapfte ich in Richtung des Waldes vor, nicht sicher ob ich gerade mir oder ihm den Kopf abreißen wollte.
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
1290 Wörter
Guten Morgen Sonnenschein
lass mich der erste sein
Der dir meine Hand in Freundschaft reicht
DU LIEST GERADE
Nightmare - please Trust me
WerewolfEin lautes Knallen, das scharfe Luft einziehen meines Freundes und ein tiefes Knurren, welches direkt hinter mir immer lauter wurde. Zwei starke Arme schlangen sich um meinen zierlichen Körper und zogen mich direkt gegen eine stein harte, aber warme...
