Kapitel 56

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Davids Gang wirkte ungewöhnlich steif, als er Maxim gegenüber Platz nahm, nachdem er Liz den Fensterplatz der Vierer-Sitzgruppe angeboten hatte. Wie so oft hatte der russische Köter das Telefon am Ohr und beachtete mich nur flüchtig, als ich mich mit Marc auf den beiden, sich gegenüberliegenden Einzelsitzen, auf der anderen Seite des Gangs niederließ. Wieder war es Marc, der meinen Blick forderte. Anders als es für sich selbst der Fall bei David zu sein schien, sah er mir wohl an, wie schwer mir der Anblick Maxims fiel und nahm erneut meine Hand, während er leise sprach: „Konzentriere Dich auf mich, nicht auf ihn. Er ist nur Mittel zum Zweck."

Mit einem sachten Nicken an ihn versuchte ich mich dankbar an einem Lächeln, doch mein Blick glitt immer wieder zu Maxim herüber. Alles was ich über ihn herausgefunden hatte, war, dass er Soldat der Luftwaffe war, doch hier, wahrscheinlich in seinem Reich, seit dem Moment, als er mich aus dem Krankenhaus gezogen hatte, konnte ich das Bild des Soldaten mit dem hier nicht mehr überein bringen. Ob meine Göttin diesen Teil an ihm kannte? Ob sie das in ihm sah oder den Mann, welchen sie, soweit ich das verstanden hatte, als Flugbegleiter in einer Linienmaschine bedient hatte?

Alles an ihm sprach davon, dass man ihn sich besser nicht zum Feind machte, auch wenn es David war, der die wirkliche Brutalität von den Beiden ausstrahlte. Der Blick der braunen Augen des Mannes mir schräg gegenüber schien mir dennoch, mit jedem Mal, als er ihn an mich hob, bis in die Tiefsten meiner Seele zu gehen und als er das Gerät an seinem Ohr endlich weg legte, waren seine ersten Worte an mich eine Beleidigung.

Du siehst scheiße aus Hund, glaubst Du wir bekommen sie zurück, wenn Du in Selbstmitleid versinkst? Ich dachte, die wahre Stärke eines Sklaven liege darin, seiner Herrin in jeder Situation beizustehen. Reiß Dich mal zusammen Idiot."

Es war Lady Liz, die Maxims Aufmerksamkeit von mir weg lenkte. „Wir sind ihnen sehr dankbar für die Möglichkeit des schnellen Fluges und die Mannstärke, die sie mit sich bringen Herr Petrov, doch muss ich sie bitten davon abzusehen meine Schutzbefohlenen erziehen zu wollen, das liegt in meiner Hand." Selbige auf Davids Schenkel bettend, löste sie den Blick nicht von dem Russen ihr gegenüber. „Und da liegt sie denke ich ganz gut, was meinst Du mein Hübscher?"

Oh ich war mir ziemlich sicher, dass Liz sehr genau wusste, in welche Zwickmühle sie David mit dieser schlichten Frage treib, denn neuerlich brach dem schweigsamen Hünen der Schweiß aus, als ihre Hand seinen Schenkel hinauf zu gleiten begann, was Maxim die Augen verengen ließ.

Нет... Это так?" (Nein... stimmt das?) David nickte auf die Worte, die ich nicht verstand, nur leicht und Maxim ließ sich im Sitz zurücksinken, während er sich müde über das Gesicht strich. Flüchtig schüttelte er den Kopf und sah dann missbilligend zu David auf. „Ich kenne Dich seit meiner Geburt, nie hat eine Frau eine Rolle in deinem Leben gespielt und nun erfahre ich von zwei in so kurzer Zeit? Nun zumindest ist es nicht die, die mir gehört, von der Du Dich erziehen lässt."

Fest ballte ich die Hände zu Fäusten, als der dreiste Köter diese Worte sprach, doch abermals war es Marc, der mich beruhigend streichelte und verneinend den Kopf schüttelte, als ich zu einer Erwiderung ansetzte. Erneut ergriff Lady Liz das Wort. „Ich bin mir sicher, die etwaigen Besitzverhältnisse klären wir besser, wenn alle Beteiligten auch dabei sind, nicht wahr? Und um beim wesentlichen zu bleiben, würde ich gerne durchsprechen, wie wir nach der Landung vorgehen."

Tief atmend schloss Maxim für einen Moment die Augen, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Lady richtete.

Da muss ich ihnen zustimmen, Liz. Nun, wir werden in eines meiner Häuser fahren, denn ich vertraue nicht darauf, dass wir in einem Hotel unentdeckt bleiben. Von dort werde ich... mit ihrem Schutzbefohlenen zum Lager seiner Eltern außerhalb Berlins aufbrechen und mich dort umsehen, während meine Jungs sich sein Elternhaus ansehen. Ich hoffe darauf, auch einige der Frauen sprechen zu können, die Kyrana gesehen haben wollen und auf eine Beschreibung auf die Personen, die Kyrana sicherlich begleitet haben. Damit werde ich meine Jungs losschicken und versuchen, mehr herauszufinden."

Mistress?Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt