Kapitel 19

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Lächelnd blickte sie zu ihm auf, als er angezogen und aufrecht gehend die Terrasse betrat. Ihn nicht aus dem Blick entlassend, nahm sie seinen kleinen Schluck der dunkelroten Flüssigkeit, die ihr bauchiges Weinglas enthielt.

„Ich freue mich, dass Du gekommen bist. Möchtest Du auch ein Glas Wein Zayn? Es ist einer meiner Lieblingsweine, eher fruchtig als herb."

Souveränen lächelte er ihr entgegen und nahm unaufgefordert ihr gegenüber Platz.

„Sehr gerne Mi... Miss Lorenz, vielen Dank für das Angebot." Ihn noch immer nicht aus dem Blick entlassend hob sie die Flasche und zog sich sein Glas heran. Erst als sie zu gießen begann, richtete sie ihr Augenmerk auf das was sie tat. Ihm das Glas reichend, griff sie nach dem eigenen und prostete ihm zu.

„Auf erfolgreiche Verhandlungen." sprach sie und er sah ihr tatsächlich in die Augen, als die filigranen Kelche ihren Klang offenbarten. Nach einem weiteren Schluck, stellte sie das Glas ab und zog den Laptop heran.

„Nun Zayn, Du hast nur drei Tage Zeit gehabt, Dich mit mir und dem was ich Dir geben kann und werde auseinanderzusetzen. Es wäre fair und üblich, Dich nun nachhause zu schicken und Dir Zeit zu gewähren, das Erlebte zu verarbeiten und zu überdenken."

Ihr Glas erneut greifend, lehnte sie sich im Stuhl zurück, schlug die Beine übereinander und richtete den Schlitz des Mantels über ihr Knie.

„Sag mir, erbittest Du Dir diese Bedenkzeit?"

Einen Mundwinkel heben legte er um eine kleine Nuance den Kopf schief, sah ihr auch weiterhin in die Augen und antwortete mit fester Stimme:

„Ihr hättet mich nicht hierher gebeten, wenn ihr die Antwort nicht kennen würdet Mistress. Missversteht mich bitte nicht, es liegt mir fern euch auszuweichen, aber ein Grund, warum ich es gewagt habe, mich in Eure Hände zu begeben ist, Eure Menschenkenntnis. Ohne diese wäret ihr sicher nicht in der Position, euch eure Kunden oder euren persönlichen Sklaven, aus Bewerbern aussuchen zu können. Nein Mistress, ich benötige keine Bedenkzeit. Ich denke ich habe sehr gut verstanden was ihr erwartet und ich bin überwältigt von dem, was ich bei Euch erleben durfte. Es ist soviel mehr, als ich mir erträumt habe und um so vieles besser, als es irgendein Film oder eine Erzählung wiedergeben könnte. Ihr habt mir den Himmel gezeigt und ich bin bereit alles zu tun, um ihn nicht wieder verlassen zu müssen."

Der Mann der nun vor ihr saß und so klar, ernst und doch voller Hingabe von dem sprach, was er sich wünscht, unterschied sie über alle Maßen von dem Mann, der vor drei Tagen vor ihrer Tür kniete. Nie hätte sie damit gerechnet, dass er zu solcher Souveränität in ihrer Gegenwart fähig war. Das Bild des Jungen, der nicht fähig war ihre Hand zu greifen, das des Hundes, welcher seinem neugewonnenen Freund die Erfüllung vom Schwanz leckte und der Sklave, der gerade so nachhaltig ihren Sadismus und ihre Erregung zu stillen wusste, passten nicht mit dem Mann überein, der nun genau darüber schwärmte. Und doch gefiel er ihr genauso sehr wie die anderen Gesichter, die er ihr von sich gezeigt hatte.

Sich die Lippen unbewusst leckend musterte sie ihn offen, stellte sich vor, wie dieser Mann es war, der sie auf ihre Reisen oder ins Restaurant begleitete und fragte sich, wie lange sie ihm würde widerstehen können, bevor die Grenze zwischen Sklave und Partner doch verschwammen.

Die Spitze des Zeigefingers über die Lippen an die Nasenspitze gelegt versuchte sie zu ergründen, ob sie es würde schaffen können. Er war es, der sie aus ihren Überlegungen riss, indem er fortfuhr:

„Ihr wisst nun, dass ihr meine Erfüllung seid, und ich alles ohne Einwände unterschreibe, was ihr mit mir zu tun wünscht. Aber da stellt sich mir die Frage, was wünscht ihr euch Mistress?"

Mistress?Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt