Mit vollem Bauch lehnte sie sich zurück und schenkte vom Sake nach während sein Blick, wie so oft den ihren gefangen hielt.
„Du sagtest vorhin, Du kennst russische Schimpfworte aus Deiner Kindheit? Möchtest Du mir davon erzählen?" Nach ihrem Zigarettenetui greifend nickte sie und schob sich den goldenen Filter zwischen die ungeschminkten Lippen. Sein Blick heftete sich darauf und nachdenklich zog er die Brauen zusammen.
Fragend hob sie eine Braue und bot ihm das Etui dar. Gegen ihre Erwartung nahm er es sogar an und betrachtete den Inhalt lächelnd. „Wenn Du mir sagst, warum Dich meine Zigaretten zum lächeln bringen, erzähle ich Dir von meiner Kindheit." Er wog den Kopf und schüttelte ihn dann lächelnd. „Das ist nur fair, denn sie bringen mich zum Lächeln, weil sie etwas waren, das meine Mama sehr vermisst hat, als wir nach Deutschland kamen. Sie hat sich hier nie so wohl gefühlt wie mein Vater und hat es auf die schrecklichen Zigaretten geschoben, die es hier gab."
Seinen Worten lauschend reichte sie ihm Feuer und entzündete ihre eigene Zigarette, was ihn ärgerlich dreinblicken ließ. Auch wenn er in einer weniger patriarchischen Welt groß geworden war, schien es Dinge zu geben, die ihn ärgerten, wenn er sie nicht tun konnte. Feuer zu reichen zählte sicherlich ebenso dazu wie Essensrechnungen zu begleichen. Sie verübelte ihm das nicht, doch würde er sich bei ihr gefallen lassen müssen, dass sie, wann immer es ihr möglich war, dies selbst übernahm, ohne ihn damit beschneiden zu wollen.
„Hat sie sich denn heute eingelebt oder sehnt sie sich noch nach ihren Zigaretten?" Lächelnd schnaubte er auf, eh er einen tiefen Zug des Giftes inhalierte. „Ich bringe sie ihr mit, wenn ich die Gelegenheit dazu habe. Sie hat nie aufgehört zu rauchen, auch wenn ihr die Zigaretten hier immer widerstrebten. Sie kann eine sehr sture Frau sein, auch wenn..."
Den Kopf schüttelnd brach er ab und zog sie erneut in den Bann seiner Augen.
„Lassen wir alte Wunden ruhen. Erzählst Du mir, warum Du in Deiner Kindheit russische Schimpfworte gelernt hast und ob es die einzige Sprache ist, in der Du schimpfst?"
Leise lachte sie auf. „Nein ist es nicht. Italienisch mag ich ebenso, ein herzhaftes Stronzo oder Cazzo fühlt sich für mich oft... hmm harmonischer und doch tiefer treffend an, als ein Arschloch. Ebenso ein gezischtes засранец (Arschloch) oder Сволочь (Bastard)." Anerkennend zog er die Brauen in die Stirn. „Deine Aussprache ist gut, ich verstehe, dass er denken könnte, dass Du russische Wurzeln hast. Aber woher Du diese Worte kennst, hast Du mir noch nicht verraten."
Wieder nutzte sie einen Zug an der Zigarette, um ihre Antwort zu überdenken, bevor sie sich für die schlichte Wahrheit entschied. „Ich komme aus einer Kleinstadt, nicht sehr weit von hier. Meine Eltern waren schlichte Leute, die sich wenig leisten konnten. Ich bin in einem Vierte aufgewachsen, in dem mehrere nicht so gut Situierte Menschen lebten und eine ganze Reihe deutsch russischer Spätauswanderer. Wir haben zusammen im Hof gespielt, sind gemeinsam zur Schule gegangen und haben gestritten, wie Kinder streiten. Und natürlich ist das erste, was man an einer fremden Sprache faszinierend findet, vor allem als Kind... Schimpfworte. Ich hatte über einige Zeit eine tiefe Freundschaft zu einem Jungen und er hat sie mich alle gelehrt. Seine Mama war eine unfassbar gute Köchin und ich durfte immer wieder bei ihnen zu Mittag essen. Nur vor seinem Vater habe ich mich gefürchtet. Naja das war es im Grunde."
Maxims Brauen wanderten unter jedem ihrer Worte dichter zueinander und nervös knibbelte er mit dem Daumennagel am Filter der Zigarette. „Weiß Du noch den Namen des Jungen?" fragte er mit einer ungewohnten Vorsicht in der Stimme. Leise lachte sie auf. „Er hieß nicht Maxim, da bin ich mir sicher. Maurice (Moris mit gerolltem R gesprochen) war sein Name, das weiß ich noch, weil meine Mama sich konsequent geweigert hat es richtig auszusprechen, bis er selber angefangen hat es französisch auszusprechen." Aus zusammengekniffenen Augen musterte er sie einen Moment, dann stimmte er in ihr Schmunzeln ein. „Verrätst Du mir auch, in welcher kleinen Stadt Du aufgewachsen bist?" fragte er ruhig und interessiert. Kopfschüttelnd winkte sie ab. „Viersen, muss man nicht kennen, ist keine Reise wert."
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Mistress?
Ficción GeneralEs gibt Menschen, die gleichen einem Geschenk. Sie tragen Dich auf Händen, lesen Dir jeden Wunsch von den Augen und sind dankbar für Deine Aufmerksamkeit. Kira hat das große Glück diese Geschenke ihre Kunden nennen zu dürfen. Auch wenn sie oft Straf...
