Maja
Theo hob die Hände, als wollte er mich beschwichtigen. Oder mich davon abhalten, doch noch mit der Mistgabel auf ihn zuzugehen.
„Darf ich einen Gegenvorschlag machen?"
Perplex starrte ich ihn an. Anstatt meiner Bitte Folge zu leisten, wollte er weiter mit mir diskutieren? Das konnte unmöglich sein Ernst sein. Weil ich zu überrascht war, um irgendetwas zu erwidern, fuhr er unbeirrt fort: „Ich bleibe. Aber für den Rest des Tages tun wir so, als sei alles in bester Ordnung. Für den Rest des Tages sind wir nur Maja und Theo, ohne kaputtes Knie und ohne lügende Mutter. Nur Maja und Theo. Okay?"
„So funktioniert das nicht, Theo", widersprach ich ihm kopfschüttelnd. „Du kannst dich nicht falsch verhalten und dann einfach so tun, als sei nichts gewesen."
„Ich habe anscheinend eine Grenze überschritten und das tut mir leid", lenkte er ein. „Aber lass uns heute trotzdem eine Auszeit nehmen. Und morgen widmen wir uns dann gemeinsam unseren Problemen."
„Wir machen was?", fragte ich, sicher mich verhört zu haben. Er konnte doch nicht ernsthaft glauben, dass ich dieses Thema weiter mit ihm besprechen würde. Und letzt lächelte dieser Idiot auch noch. Unfassbar.
„Wir widmen uns unseren Problemen", wiederholte er. „Das heißt nicht, dass du Kontakt zu deiner Mutter aufnehmen sollst. Aber du wirst dich deinen Gefühlen stellen und darüber sprechen. Ich werde das gleiche tun, auch wenn ich das absolut nicht möchte."
Noch nie hatte mich ein Mensch so sehr verwirrt, wie Theodore Harris. Nichts was er sagte, ergab einen Sinn. „Wenn du das nicht möchtest und wenn ich das nicht möchte - warum machen wir es dann?" Er zuckte mit den Schultern. „Weil es offensichtlich notwendig ist."
Tief in meinem innern wusste ich, dass er Recht hatte. Das hieß noch lange nicht, dass ich es auch zugeben würde. Aber wenn ich Theos Plan richtig verstand, musste ich mir darüber heute ohnehin keine Gedanken machen, denn heute waren wir nur Theo und Maja. Damit konnte ich leben. Wenn er meine Mutter heute mir keinem weiteren Wort erwähnte, musste ich ihn vielleicht doch nicht sofort vom Hof jagen. Außerdem konnte ich nicht anders, als ihm für die letzte Nacht dankbar zu sein. Er war für mich da gewesen, in einer Art und Weise, die ich nicht erwartet hatte.
„Ich hab Hunger", verkündete ich und schlug den Weg in Richtung Wohnhaus ein. Ich hörte keine Schritte hinter mir, weshalb ich mich zu Theo umdrehte, der noch immer bei Lottie stand. „Frühstück?"
Er hob den Kopf, grinste und nickte.
„Du als Sportler ernährst dich mit Sicherheit nur von Proteinshakes und Avocadotoast, richtig?", fragte ich ihn kurze Zeit später und warf einen kritischen Blick in den Kühlschrank. Gerade noch rechtzeitig sah ich zu Theo, der mit den Schultern zuckte, bevor er sich mit vor der Brust verschränkten Armen gegen die Spüle lehnte. „Ich ess' alles."
„Klar, deshalb siehst du auch so aus, wie du aussiehst", erwiderte ich spöttisch und warf einen vielsagenden Blick auf seine muskulösen Arme. Wieder grinste Theo und fragte: „Möchtest du mal anfassen?"
Ich spürte, wie mir das Blut ins Gesicht schoss, weshalb ich den Blick schnell abwandte und den Kopf schüttelte. „Nein, danke."
„Was hättest du dir denn zu Essen gemacht, wenn ich nicht hier wäre?"
Da musste ich nicht lange überlegen. „Irgendwie habe ich Lust auf Waffeln." Wie auf Kommando knurrte mein Magen.
„Uuh ja", kam es zu meiner Überraschung von Theo. „Können wir bitte Waffeln backen?"
„Wir?", fragte ich und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Hast du jemals in deinem Leben Eier aufgeschlagen oder ein Waffeleisen bedient?"
„Ach komm, so schwer kann das nicht sein", behauptete er selbstbewusst, stieß sich von den Spüle ab und schob mich beiseite, um den Kühlschrank öffnen zu können. „Brauchen wir... Milch?", fragte er und hob eine Glasflasche aus der Innenseite der Tür. Ich nickte, woraufhin er die Flasche auf der Arbeitsfläche abstellte. Als nächstes deutete er fragend auf die Eier, die ich erst gestern aus dem Hühnerstall geholt hatte. Wieder nickte ich und sagte: „Die müssen wir trennen, dann wird der Teig lockerer."
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FALLEN FROM GRACE
RomanceEr hatte einen Plan. Einen Traum. Eine Zukunft. Jetzt steht er vor den Trümmern - und ihr. Theo war immer der, der wusste, wohin er wollte: Eishockey, Leistung, Erfolg. Für alles andere - sogar für Maja, seine einst beste Freundin - blieb irgendwann...
