POV James
Meine Beine tragen mich kaum noch, aber ich renne weiter. Straßen fliegen vorbei, Gesichter, Stimmen alles verschwimmt zu einem tauben Rauschen. Mein Atem brennt in der Kehle, jeder Schritt tut weh, aber ich höre nicht auf. Ich darf nicht stehen bleiben. Nicht jetzt. Nicht nach dem, was passiert ist.
Die Haustür fällt hinter mir zu. Ich verschließe sie hastig. Riegel, Kette, alles. Als wäre das genug, um es draußen zu halten oder in mir drin.
Ich taumle die Treppe hoch. Keine Ahnung, wie ich es ins Zimmer schaffe, aber irgendwann knalle ich die Tür zu, ziehe sie hinter mir zu, sperre mich ein. Meine Finger zittern, mein Rücken presst sich gegen das Holz. Ich rutsche langsam zu Boden. Kalter Schweiß läuft mir über den Nacken.
Ich sehe es wieder. Sehe ihn. Fühle seine Hände. Seine Nähe. Den Blick. Das Geräusch, als der Stoff riss.
Das Geräusch.
Mir wird übel. Wieder. Ich schließe die Augen, presse die Handflächen gegen die Ohren, aber es hilft nicht.
Du hättest es kommen sehen müssen
Die Stimme. Leise. Giftig. Immer dieselbe. Immer dann, wenn ich am Boden bin. Ich dachte ich wäre sie los.
Du hast es verdient, James. Du hast es provoziert. Du bist freiwillig hingegangen. Erinnerst du dich? DU hast den ersten Schritt gemacht. DU wolltest Aufmerksamkeit
„Halt die Fresse..." flüstere ich heiser, presse meine Finger stärker gegen die Ohren. Aber sie hört nicht auf. Sie kennt die Schwachstellen. Sie ist die Schwachstelle.
Du glaubst doch nicht wirklich, dass jemand wie er dich aus Versehen so ansieht, oder? Du bist nicht besonders. Nur schwach. Nur kaputt
Ich schnappe nach Luft, versuche aufzustehen, aber meine Knie geben nach. Ich krümme mich auf dem Boden, wie ein Tier, das verletzt wurde. Ich weiß nicht, ob ich schreie oder weine. Vielleicht beides.
Und du dachtest, du wärst mehr als nur ein Spiel für ihn
Die Worte brennen sich in meinen Kopf. Jeder einzelne wie eine Klinge.
Lächerlich.
„Ich... wollte das nicht", flüstere ich. Meine Stimme bricht. „Ich wollte das nicht."
Doch da ist sie wieder, die Wahrheit, hässlich und laut:
Dann hättest du was sagen müssen. Früher. Klarer. Härter. Aber du hast es nicht getan, oder? Vielleicht, weil ein Teil von dir es doch wollte
„Hör auf." Ich wippe vor und zurück. „Hör einfach auf!"
Aber sie hört nie auf.
Ich sehe mich um, aber ich bin allein. Natürlich bin ich das. Wer sollte auch hier sein? Niemand. Niemand mehr.
Ich taumle durch mein Zimmer, stoße mir den Ellbogen am Schreibtisch, spüre es kaum. Dann sinke ich auf mein Bett und presse die Handflächen gegen meine Augen, als könnte ich die Erinnerung damit ausradieren. Seine Stimme. Seine Hände. Sein Blick.
Ich will kotzen. Ich habe seit Tagen nichts gegessen, aber mein Magen zieht sich trotzdem zusammen, als würde er alles aus mir reißen wollen, was noch da ist.
Du hast es zugelassen.
Die Stimme mit ihrer ruhigen kalten Worten. Vertraut. Verhasst.
Du hättest gehen können. Du hast es nicht getan. Du bist geblieben. Warum, James? Warum hast du es zugelassen?
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You Are My Life
RomanceJames McMurry - ein zerbrochener Junge, zerrissen von Selbsthass. Ein Junge, geplagt von Schuldgefühlen, dem man alles genommen hat. Einer, der sich selbst und das Leben verabscheut. Der vergessen hat, was es heißt, geliebt zu werden. Der ein Geheim...
