POV Taylor
Ich lehne an der Mauer hinter der Sporthalle. Die Sonne ist schon fast weg, ein rotgoldener Schimmer auf dem Beton, aber der Wind beißt kalt in meinen Nacken. Ich ziehe die Kapuze tiefer ins Gesicht, checke zum fünften Mal mein Handy.
Keine neue Nachricht.
Ich knirsche mit den Zähnen. Warum lässt er sich so viel Zeit? Ich hab ihm doch deutlich gemacht, dass er kommen muss.
Ich schiebe das Handy in die Tasche zurück und stampfe ein paar Schritte auf und ab. Fünf Minuten vergehen. Dann zehn. Ich bin kurz davor abzuziehen, als ich plötzlich Schritte höre.
Langsam. Zögernd.
Ich drehe mich um.
Da ist er.
James. Dunkle Jacke, Rucksack über einer Schulter, Hände in den Taschen. Sein Blick? Abweisend. Kalt. Er geht nicht direkt auf mich zu, sondern eher an mir vorbei, als wäre ich bloß ein Teil des Gebäudes.
„Du bist spät", sage ich, mehr genervt als ich sollte.
Er sagt nichts. Blickt mich nicht mal an. Nur ein kurzes Nicken, kaum wahrnehmbar.
Ich balle die Hände in den Taschen zu Fäusten. Tief durchatmen. Nicht ausrasten. Nicht heute.
„Komm", sage ich und gehe los Richtung Parkplatz. Er folgt mit Abstand. Als würde er sich jeden Schritt überlegen.
Wir erreichen mein Auto. Ich werfe ihm einen Seitenblick zu, öffne die Fahrertür. „Hinten einsteigen musst du nicht. Ich beiße nicht."
Er murmelt was Unverständliches und steigt ein, ohne mich weiter zu beachten. Kaum sitzt er, zieht er den Gurt über die Brust seine Finger zittern leicht dabei.
Ich werfe den Motor an, fahre langsam los.
Stille. Nur der Motor. Und sein angespannter Atem.
„Alles klar bei dir?" frage ich vorsichtig, den Blick auf die Straße gerichtet.
„Fahr einfach", kommt es leise von der Seite.
Ich atme durch meine zusammen gebissenen Zähne durch. Versuche es noch mal.
„Ich wollte nicht, dass es so eskaliert. In der Schule, meine ich."
„Spar's dir", sagt er, kühler diesmal. „Du hast gesagt, was du sagen wolltest. Ist ja nichts neues bei dir"
Ich schlucke.
Eine rote Ampel zwingt mich zum Bremsen. Ich merke, wie sein Blick zur Windschutzscheibe wandert, wie seine Hände die Sitze umklammern. Ziemlich fest.
Ich schiele rüber. „Alles okay?"
„Konzentrier dich aufs Fahren und frag nicht ständig nach."
Okay ... dumme Zicke, und schnalze mit der Zunge. Er hasst es, im Auto zu sitzen. Das hab ich ganz vergessen. Oder verdrängt.
Ich schalte runter, nehme die Kurve besonders vorsichtig.
Ein paar Minuten vergehen. Die Stille zwischen uns ist kein bloßes Schweigen sie ist schwer. Wie Beton. Jede Bewegung von mir scheint ihn zu stressen. Jede Berührung des Gaspedals lässt ihn noch ein Stück mehr verkrampfen.
„Du kannst auch einfach sagen, wenn ich langsamer fahren soll."
„Tu einfach, was du willst, Taylor. Genau das machst du doch immer."
Seine Worte sind leise, aber messerscharf.
Ich sehe ihn kurz an. Er schaut aus dem Fenster, der Kiefer ist angespannt, fast verkrampft. Ich sehe, wie sein Daumen über das Band an seinem Handgelenk streicht. Ein nervöses, fast schon beschwichtigendes Zucken.
Und trotzdem ist er hier.
Und ich frage mich, während ich die nächste Straße runterfahre, ob ich ihn wieder zum Explodieren bringen will oder ob ich ihn endlich verstehen will.
Vielleicht beides.
Die Fahrt war leise gewesen, spannungsgeladen wie ein Drahtseil kurz vorm Reißen. James hatte kein Wort gesagt, nur stumm aus dem Fenster gestarrt. Ich hab's versucht ein paar belanglose Sätze, Smalltalk. Aber er hat mich eiskalt ignoriert. Sein Blick klebte an der Straße wie ein Fluch. Er hat gezuckt, wenn ich zu schnell um eine Kurve fuhr. Ich hab das bemerkt. Mehr als ich sollte.
Ich parke in der Einfahrt. Der Motor verstummt, aber das Dröhnen in meinem Kopf bleibt.
„Komm schon", murmele ich und steige aus. James folgt mir mit ein paar Sekunden Verzögerung, seine Schultern angespannt, als würde er in ein verdammtes Feindeslager marschieren.
Die Haustür fliegt auf, bevor ich den Schlüssel richtig im Schloss hab.
„Taaay!" ruft Ruby und springt mir fast gegen das Bein.
Doch dann bleibt sie stehen, als sie James sieht und ihre Augen leuchten.
„JAMES!!"
Sie stürmt auf ihn zu und umarmt ihn wie einen alten Freund.
„Du bist wieder da! Meine Puppe ist immer noch heil, weißt du das? Du bist der Beste! Willst du mit mir spielen, bittteeeeeee?"
James schaut etwas überrumpelt, aber da ist ein winziges, echtes Lächeln auf seinen Lippen.
„Vielleicht später, Ruby."
Seine Stimme ist weich. Ehrlich.
Kommersweise zeigt er diese sanfte Seite nur ihr aber nie mir.
Ich beiße die Zähne zusammen. Warum ist er so... gut mit ihr? Macht mich schon fast neidisch.
„Wir müssen jetzt los. Wir haben was zu besprechen", sage ich und lege die Hand auf ihren Kopf.
Sie verzieht das Gesicht, nickt zögerlich und sagt leise: „Okay... aber James hat mir versprochen, dass er mit mir spielt. Vergiss das nicht."
"Jaja er wird mit dir spielen versprochen", sag ich augenverdrehend. Sie soll einfach nur gehen.
Ich führe James die Treppe hoch, die Luft zwischen uns schwer wie Blei. In meinem Zimmer angekommen, lasse ich ihn allein.
"Ich hab was vergessen bin gleich zurück"
Ich hab nichts vergessen.
Ich muss kurz... runterkommen.
Ich greife nach der Flasche auf dem obersten Regal. Whiskey. Mein Dad trinkt das. Ich hasse den Geschmack aber ich brauch irgendwas, das das Zittern in meinem Innern erstickt.
Ich kippe das Glas runter. Es brennt. Ich will mehr. Zwei. Drei. Vier.
Ich starre auf die Fliesen vor mir.
Was zum Teufel machst du hier eigentlich, Taylor?
Er ist hier. In meinem Haus. Wegen dieser beschissenen Drohung.
Wegen dieser Nacht. Wegen mir obwohl er mich hasst.
Ich wollte ihn benutzen. Mir beweisen, dass das alles nichts bedeutet. Dass mein Körper lügt, wenn er bei ihm heiß wird. Dass ich Frauen will. Dass ich normal bin.
Aber jetzt, wo er oben ist in meinem Zimmer, auf meinem Bett, vielleicht mit diesem genervten Blick in seinen Augen...
Ich bin mir nicht mehr sicher.
Ich bin ein Arschloch.
Ich weiß das.
Das wird auch so bleiben.
Ich hasse ihn, weil ich ihn nicht hassen kann.
Ich atme tief durch, wische mir mit dem Handrücken über den Mund und gehe zurück nach oben. Ich glaub ich hab zu viel getrunken merke ich geistesabwesend, ich hoffe ich muss nicht gleich kotzen.
Vor meiner Zimmertür zögert meine Hand an der Türklinke. Komm schon zieh es einfach durch.
Dann drücke ich sie runter und schließe die Tür hinter mir. Leise.
James sitzt auf dem Bett, sein Blick starrt durch mich hindurch. Als wäre ich Luft.
Ich lehne mich an die geschlossene Tür.
Kein Zurück mehr.
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Hey :)
Was hat Taylor den vor hmm ?
Rachel xoxo
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You Are My Life
RomanceJames McMurry - ein zerbrochener Junge, zerrissen von Selbsthass. Ein Junge, geplagt von Schuldgefühlen, dem man alles genommen hat. Einer, der sich selbst und das Leben verabscheut. Der vergessen hat, was es heißt, geliebt zu werden. Der ein Geheim...
