PoV Leon
Mürrisch saß ich auf dem Sessel in der Villa und ließ mir ins Auge leuchten.
Crispin stand mit dieser verdammten Lampe vor mir und beobachtete mich intensiv. Erik saß neben mir und und kaute auf seiner Lippe herum, während Mia an der Wand lehnte und mich schuldbewusst ansah.
Gut so. Immerhin war es ihre Schuld, dass ich jetzt hier war.
"Leon, wie viele Stunden schläfst du?" fragte Crispin und nahm endlich die Taschenlampe aus meinem Gesicht.
Mir ging es gut, verdammt!
"Neun Stunden." antwortete ich trocken und Crispin hob ungläubig die Augenbrauen.
"Pro Nacht?" Ich schüttelte ehrlich den Kopf. Er würde meine Lüge eh hören.
"Pro Woche." Jetzt sah ich auch in Crispins Augen Besorgnis, höchst ungewöhnlich bei ihm.
Erik schlug mir mit der Hand gegen den Hinterkopf.
"Vollidiot. Wieso sagst du nichts?" fuhr mein Bruder mich gereizt an und ich seufzte.
"Weil ich wusste, wie du reagieren würdest. Ich bin kein kleines Kind mehr Erik, also behandel mich auch bitte nicht wie eins." Ich sah Erik in die Augen und bemerkte, dass meine Worte ihn ein wenig kränkten.
Ich meinte es nicht böse, aber ich wollte, dass er mich verstand.
"Wenn es eine Kleinigkeit wäre, wäre es kein Problem, Leon, aber derartiger Schlafentzug ist alles andere als gesund. Du darfst nicht vergessen, du bist immer noch nur ein Mensch." Das war Mia, auch sie klang alles andere als glücklich.
"Wir machen uns nur Sorgen."
Nur ein Mensch.
Nur ein Mensch.
Natürlich würden sie es dadurch begründen.
Ich war nur der Mensch unter den ganzen besonderen Übernatürlichen.
Mein Bruder war die Wiedergeburt eines mächtigen Hohepristers, sein Gefährte war der Ur-Vampir. Meine Freundin war eine Gestaltwandlerin und gehörte damit zu einer seltenen Rasse. Natürlich war ich für sie nur ein Mensch.
Ohne etwas zu sagen, stand ich auf und drückte mich an Crispin vorbei.
Er versuchte nicht mich festzuhalten, nichtmal Erik sagte was. Sie schienen bemerkt zu haben, dass mich diese Worte getroffen haben.
Mia hatte da weniger Bedenken, sie folgte mir, als ich gerade die Treppe nach unten ging.
"Leon, so meinte ich das nicht. Das weißt du." rief sie und packte mich am Arm. Ich riss mich los und verletzt sah sie mich an.
Wieso war sie jetzt verletzt? Ich sollte verletzt sein nicht sie.
"Lass gut sein, Mia. Menschen kriegen sowas schon mal in den falschen Hals, dass ist normal." Mia seufzte, sie wusste wohl, dass es jetzt keinen Sinn hatte mit mir darüber zu reden. Bei dem Thema reagierte ich eben sehr allergisch.
"Es tut mir leid." sagte sie leise und ließ mich dann gehen.
Mit schnellen Schritten verließ ich die Villa und konnte Erik hören, wie er sich offenbar aufregte, aber ich verstand nicht, was er sagte.
Ich beschloss durch den Wald zu gehen, vielleicht würde ich dann den Kopf etwas frei kriegen.
Die Leiche war furchtbar entstellte, man konnte kaum noch das Gesicht erkennen. Sie war mit einem Pfahl an einen Baum befestigt. An ihrer Brust hing ein Stück Papier.
Eine Seite aus einem Buch.
Ich keuchte erschrocken auf und stützte mich an einem Baum ab, um nicht umzufallen.
Diese Vision kam so unerwartet, dass ich kurz alles zweimal sah und ich mich vorsichtig auf den Boden setzte.
Es war eindeutig dieser Wald hier gewesen. Seufzend griff ich nach meinem Handy und rief meinen Bruder an. Er und Crispin konnten die Leiche schneller finden als ich, sie würden das Blut riechen.
Und schon wieder wurde mir bewusste, dass ich nur ein Mensch war. Ich konnte Dinge in der Zukunft sehen, aber was konnte das bringen, wenn ich nichts damit anfangen konnte?
Ohne Crispin wäre ich nicht mal ein guter Jäger. Eigentlich sind meine Kräfte nutzlos. So wie ich.
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Der Bruder des Sehers
FantasyTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
