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Kapitel 27 ~ Training

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PoV Leon

Bei jedem Schmerzensschrei, die man sogar bis in die Küche hören konnte, zuckte ich zusammen. Es stand außer Frage, dass Ronald Mia gerade schreckliches antat und ich wusste nicht, ob sie das wirklich verdient hatte.
Andererseits, wer weiß was noch alles passiert wäre, wenn Mia es gelungen wäre, mich zu töten.
"Wie hälst du das aus?" fragte ich Leonie, die seelenruhig neben mir an der Theke saß, gemütlichen ihren Kaffee trank und dabei Zeitung las.
"Gewohnheit. Du hast bisher nur Ronalds nette Seite kennengelernt, aber wenn du glaubst, da gäbe es nicht noch eine andere, dann hast du dich geschnitten. Ich bin in meinem Leben schon vielen grausamen Menschen begegnet und Ronald gehört definitiv zu den Schlimmeren. Das heißt aber nicht, dass er nicht auch anders sein kann. Ich denke, ihm fehlt ein Ausgleich." Leonies Worte machten Sinn, Ron hatte keinerlei Ausgleich zu der ganzen Gewalt. Er hatte mich einfach jemanden umbringen lassen. Jetzt folterte er Mia im Keller. Aber gleichzeitig hatte er mir auch schon zwei Mal ohne zu zögern das Leben gerettet, obwohl er selber verwundbar war. Es war fast so, als wären es zwei verschiedene Personen, von denen wir hier sprachen.
Erst jetzt fiel mir auf, dass die Schreie verstummt waren und kurz danach hörte ich Schritte auf dem Flur.
Ronald betrat den Raum und wäre ich nur ein wenig empfindlicher hätte sich mir der Magen umgedreht. Seine Hände waren voller Blut, ebenso ein graues Hemd und sogar im Gesicht waren kleine Blutstropfen zu erkennen.
"Hast du sie umgebracht?" fragte ich leise nach, aber Ronald schüttelte den Kopf, während er sich die Hände wuch.
"Vielleicht können wir sie gegen einen von deinen Leuten eintauchen. Dafür müssen wir Kontakt zu Jeremie aufnehmen. Und bevor wir das tun, brauche ich meine Kräfte wieder. Ich habe bereits Leute zur Villa geschickt, die in den Trümmern nach dem Dolch suchen. Unter anderem auch Jerom und Niclas." Ronald hatte also schon einen groben Plan. Wahrscheinlich war es keine schlechte Idee erst seine Kräfte zu beschaffen. Aber eine Frage blieb offen...
"Was tun wir so lange?" Ronald drehte sich zu mir um und sein Grinsen gefiel mir gar nicht.
"Trainieren." Erleichtert atmete ich auf.
Wie schlimm könnte das schon sein?

"Fuck!" schrie ich und rieb die schmerzende Stelle an meinem Oberschenkel, während ich Ronald einen bösen Blick zuwarf. Er stand einige Meter mit einem Luftgewehr entfernt und zuckte nur mit den Schultern.
"Wenn du nicht willst, dass es weh tut, weich aus!" wies er mich abermals an und frustriert knirschte ich mit den Zähnen. Mein ganzer Körper bestand aus blauen Flecken und meine Muskel protestierten bei jeder Bewegung.
"Ich bin ein Mensch! Wie soll das gehen?" fuhr ich ihn an und Ronald verdrehte die Augen.
"Sieh in die Zukunft. Guck, wo ich hinschießen werde und weiche aus." Das klang so viel einfacher als es war. So schnell konnte ich doch keine Zukunftsvision hervorrufen, geschweige denn wieder zu mir kommen.
Aber während ich noch drüber nachdachte, erhob Ronald das Luftgewehr erneut und eine der kleinen Plastikkugeln, mit denen Ron sie gefüllt hatte, prallte an meiner Schulter ab. Instinktiv zuckte ich zusammen und setzte mich auf den Boden. Ich hatte keine Lust mehr.
"Oh man, da müssen wir aber noch dran arbeiten. Sonst siehst du irgendwann aus, als hättest du die Pest." Ich verschränkte die Arme und sah Ronald wütend an.
"Woher willst du überhaupt wissen, dass ich das kann?" fauchte ich während Ron sich vor mich kniete, damit wir auf Augenhöhe waren.
"Ich weiß, dass du das kannst. Du bist stark genug. Jetzt zieh dein Shirt aus und creme dich hiermit ein. Dann tut es nicht so weh." Er reichte mir eine Tube mit Salbe, die ich ihm sofort aus der Hand riss. So hatte ich mir das Training nicht vorgestellt.
Während ich die schmerzende Stelle an meinem Oberschenkel eincremte, stellte Ron das Luftgewehr weg.
Leider kam ich an meinen Rücken nicht heran und den Teufel würde ich tun und Ronald fragen. Allerdings bekam er das auch von alleine weg und musterte mich amüsiert.
"Gib her." sagte er fordernd und nahm mir die Tube aus der Hand.
Ich versuche zu ignorieren, dass es Rons Hand war, die gerade über meinen Rücken strich und die Salbe einmassierte. Versuchte zu ignorieren, dass seine Hände angenehm rau und warm waren.
Er half mir einfach nur mich verteidigen zu können. Tod konnte ich die Versieglung nicht mehr brechen. Das war der Grund für all das hier. Das musste es sein. Ganz sicher.

Der Bruder des SehersGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt