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Kapitel 8 ~ Gespräche

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PoV Leon

"Wie ist das passiert?" Ich deutete auf sein Gesicht. Es war nicht so das sein Gesicht durch die Narbe entstellt war, Ronald war immer noch sehr attraktiv, wie alle Ur-Wesen. Aber es verlieh ihm etwas Bedrohliches.
"Nun ja. Nur weil ihr mich in Ruhe gelassen habt, heißt es nicht, dass Andere das auch getan haben. In fünftausend Jahren können sich einige Feinde ansammeln. Die haben ihre Chance sofort genutzt. Ohne Leonie hätte ich die erste Woche ohne Kräfte nicht überlebt."
Jetzt bekam ich doch wieder ein wenig Mitleid mit ihm. Aber dann rief ich mir ins Gedächtnis, was sie hier taten und sofort ließ das Mitleid wieder nach. Er hatte auch keins.
"Wenigstens hast du keine grauen Haare bekommen." Ronald lachte leise. Kurz sah ich ihn erstaunt an.
Er konnte wirklich richtig lachen.
Wie Crispin auch hatte er Gübchen.
"Hätte ich graue Haare bekommen hätte ich euch alle meine Verbündeten auf den Hals gehetzt. Gleichzeitig." Seine Worte klangen erst, aber er hatte ein leichtes Funkeln in den Augen. Er hatte einen Scherz gemacht.
"Ob du es glaubst oder nicht, auch ich verfüge über einen gewissen Humor." erklärte Ronald und ich schüttelte kurz den Kopf.
Ich war doch nicht hier, um mit ihm zu plaudern.
"Reden wir endlich. Welches Problem teilen wir angeblich?" Ronald griff in seine Tasche und zog ein Blatt heraus. Als er es auf den Tisch legte, erkannte ich eine Seite vom Buch. Es war das selbe Buch, aus dem auch unsere Seite war.
"Hast du das Buch nicht?" Ronald schüttete den Kopf und ich runzelte die Stirn.
"Es wurde mir gestolen." beantworte er meine stumme Frage. Klang plausibel, ohne Kräfte konnte er es nicht so gut beschützen.
"Wer hat es gestolen?" Ronald zögerte. Wollte er es mir nicht sagen?
"Dir wird es wahrscheinlich nicht so nah gehen, ich denke bei meinem Zögern eher an die Anderen." nuschelte Ronald nachdenklich.
"Wer war es, Ronald? Wer hat es gestolen?" fragte ich nun eindringlicher.
Ronald sah mir wieder direkt in die Augen, als er den Namen des Übeltäters nannte.

PoV Erik

"Ich dreh ihm den Hals um." sagte ich trocken und ging ihm Wohnzimmer auf und ab. Crispin sah mich amüsiert an.
"Ich bitte dich. Was soll Leon schon groß anstellen?" Ich blieb stehen und warf Crispin einen verzweifelten Blick zu.
"Er könnte alles anstellen! Du verstehst das nicht, er hatte keine Kindheit, Crispin. Er hat mich sechs angefangen mit dir zu trainieren. Er wurde privat hier in der Villa unterrichtet. Er hatte keine Schulfreunde oder Leute mit denen er reden konnte. Nur uns. Er war nie betrunken, kam nie zu spät zur Schule oder hat sonst einen Scheiß gemacht. Er hat nicht gelebt, Crispin. Und er tut es immer noch nicht. Ich habe Angst, er macht was dummes, unüberlegtes." Mit jedem Satz klang meine Stimme verzweifelter und Crispin stand vom Sofa auf, um mich in den Arm zu nehmen.
"Dein Bruder ist stark. Er wird nichts anstellen, versprochen. Er kommt bestimmt bald zurück und dann kannst du dich wieder beruhigen." Ich nickte und Crispin legte seine Hände um mein Gesicht.
"Mach dir nicht immer so viele Sorgen. Es wird alles gut, versprochen." Crispin gab mir einen kurzen Kuss auf die Lippen und fast augenblicklich entspannte ich mich.
"Ich liebe dich." Ich schmiegte mein Gesicht in seine Hand.
"Ich liebe dich auch." erwiderte ich und trat dann einen Schritt zurück.
"Ich werde ihm trotzdem den Hals umdrehen." Crispin lachte auf und nahm meine Hand.
"Das kann ich leider nicht zulassen. Dann war meine ganze Arbeit umsonst." Ich wollte gerade etwas erwidern, als ich hörte, wie jemand das Grundstück betrat. Ich erkannte Leons Geruch sofort. Aber da war noch etwas anders.
"Bitte sag mir, dass mein Bruder nicht nach Dämon stinkt." knurrte ich und knirschte mit den Zähnen.
"Na schön. Du darfst ihm den Hals umdrehen. Aber nicht übertreiben."

Der Bruder des SehersGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt