PoV Leon
Als wir wieder zurück kamen, warteten alle immer noch in selben Raum auf uns. Ronald riss mit einem Ruck die Tür auf und sah sich kurz um.
"Leon ist hier, es geht ihm gut. Wir machen morgen weiter." Und ohne auf eine Antwort oder Reaktion zu warten, schloss er die Tür wieder und drückte mich in sein Zimmer.
Kaum war auch diese Tür ins Schloss gefallen, presste Ronald mich mit seinem Körper dagegen und strich mit der Nase über meinen Hals.
"Du riechst so verdammt gut." hörte ich ihn flüstern und spürte einen sanften Kuss auf meiner Haut.
"Komm, du bist bestimmt müde." Ronald löste sich wieder von mir und ging auf sein Bett zu. Ich konnte nicht verhindern, dass ich kurz enttäuscht war, immerhin wollte ich weiter Rons Nähe. Er schien das ganz anders zu sehen und zog sich Schuhe und Hemd aus und schlüpfte in eine graue Jogginghose. Dadurch sah er so jung aus. Als wäre er kaum zwanzig. Aber das Alter der Ur-Wesen war sowieso schwer zu schätzen. Crispin war tatsächlich körperlich gesehen keine zwanzig Jahre alt, das wusste ich. Aber Ronald? Es war fast, als würde sich sein körperliches Alter regelmäßig ändern.
"Worüber denkst du nach?" fragte Ronald und zog die Tagesdecke vom Bett. Kurz zögerte ich. War es unhöflich ihn zu fragen? Andererseits waren wir Gefährten und ich war neugierig.
"Wie alt du körperlich bist." Ronald grinste und legte sich mit dem Rücken aufs Bett.
Dabei hatte ich eine gute Aussicht auf Ronalds Oberkörper und vergaß eine Sekunde, worüber wir sprachen.
"Was schätzt du denn?" Kurz überlegt ich, aber ich konnte es wirklich nicht sagen.
"Für mich sieht es so aus, als würde sich dein Alter ständig ändern." Das grinsen in Ronalds Gesicht wurde breiter und einen kurzen Moment war ich baff. Ich hatte also recht.
"Stimmt. Dämonen können ihr Alter beliebig verändern. Manche nehmen ihr Kindesaussehen an, leben ein relativ normales Leben, bis sie alt sind, spielen ihren Tod vor, und fangen dann wieder von vorne an. Ich bewege mich eigentlich recht unkontrolliert zwischen zwanzig und dreißig. Gerade müsste ich so um die einundzwanzig sein." Kurz wusste ich nicht, wie ich reagieren sollte. Es gab so viel über Dämonen zu wissen und trotzdem hatte ich das Gefühl keine Ahnung zu haben.
Ronald deutete mein schweigen wohl etwas anders und das Lächeln in seinem Gesicht wankte leicht.
"Keine Sorge. Ich werde nicht als achtzig jähriger Mann neben dir aufwachen." Überracht sah ich Ronald an und ging auf ihn zu. Ronald setzte sich auf und verschränkte die Beine.
"Und selbst wenn-" Ich strich Ronald kurz über die Wange und verwundert sah er auf meine Hand. Natürlich. Ron war solche Zärtlichkeiten wahrscheinlich nicht gewohnt.
"-dann wäre es mir egal. Erstens wäre es nicht von Dauer und zweitens wären es immer noch die selben Augen." Es war mir egal, wie kitschig das klang. Das war es wert, denn ich sah etwas, was ich mir noch nicht mal hatte vorstellen können, so absurd erschien es mir.
Ronalds Blick würde weich. Die Kälte und Gleichgültigkeit waren vollständig aus seinen Zügen gewichen. Er sah fast schon friedlich aus.
Aber viel sah ich davon nicht, denn im nächsten Moment spürte ich wieder Ronalds Lippen auf meinen. Sofort erwiderte ich den Kuss und legte meine Hand in seinen Nacken. Während Ronalds Duft und seinen leichten Berührungen an meinem Oberschenkel mein Denkvermögen außer Kraft setzten, drehte Ronald mich auf den Rücken, sodass er über mir lag. Überrascht seuftzte ich kurz auf, was Ron sofort nutzte, um mit seiner Zunge über meine zu streichen. Gerne wäre ich stärker gewesen, um Rons Körper noch näher an meinem zu spüren, denn Ronald hielt immer noch Distanz. Und gerade als ich über seine Brust streichen wollte, löste er sich ruckartig von mir und setzte sich an den Bettrand, mit dem Rücken zu mir.
Verunsichert setzte ich mich auf und legte eine Hand auf Rons Schulter, aber er zog sie weg.
"Alles okay?" fragte ich leise nach und hatte auch ein bisschen Angst vor der Antwort.
"Ich hatte meine Kräfte für zwanzig Jahre nicht und habe sie erst kurz zurück. Zudem hatte ich immer nur übernatürliche Sexpartner. Ich will dir nicht versehentlich weh tun, weil ich mich nicht einschätzen kann. Eine falsche Bewegung von mir, kann dir innerhalb von einer Sekunde alle Knochen brechen."
Ich wollte Ron schon sagen, dass es mir das Riskio egal war und ich ihm vertraute, aber ich spürte, dass er noch nicht fertig war.
Von Ronald kam ein bitteres kurzes Lachen. Aber das war es nicht, was mich aus der Bahn warf. Sondern das Schniefen, welches darauf folgte.
Geschockte rutschte ich an den Rand und drehte Rons Gesicht zu mir. Zwar weinte Ron nicht richtig, aber seine Augen waren glasig und gerötet.
"Du hattest recht, als du gesagt hast, ich könnte nicht lieben. Es ist eine Grundeigenschaft, die mir fehlt. Ich konnte nicht mal meine Mutter lieben, obwohl sie sich so viel Mühe mit mir gab. Eason gegenüber verspürte ich zwar eine tiefe Verbundenheit, aber jetzt weiß ich, dass es keine Liebe war. Ohne diesen Gefährtenbund würde mir etwas im Leben fehlen, was für viele Menschen der Grund ihrer Existenz ist. Verstehst du, was ich sagen will? Ich werde dir niemals Komplimente machen können, mit dir auf romantische Dates gehen können oder dir einfach sagen können, das ich dich lieben würde. Weil das alles nicht in meinem Naturell liegt, nicht in meiner Seele verankert ist. Ich kann dich nicht mal anfassen, ohne drüber nachzudenken, dass ich dich umbringen könnte." Kurz herrschte schweigen, während Rons Worte mir den Hals zu schnürten. Ronalds Herz war vollkommen zerstört und ich wusste nicht genau wieso. Es musste einen Grund haben, der sehr tief verankert war. Und diesen wollte ich rausrinden.
"Ich werde dich nie so lieben können, wie du es verdienst, Leon. Das muss dir bewusst sein." Ron und ich sahen uns tief in die Augen und dann wusste ich es.
Ron machte sich sorgen um mich, redete mit mir über seine Gefühle und würde die einzige Möglichkeit zu lieben aufgeben, weil der dachte es wäre nicht genug für mich, dass ich mehr verdienen würde.
War das keine Liebe? Dieses Verhalten, welches Ron an den Tag legte mir gegenüber? Konnte oder wollte er es nicht erkennen?
Aber das spielte jetzt noch keine Rolle. Erst mussten wir uns um Jeremie kümmern. Dann um uns.
"Ist schon okay." flüsterte ich und strich durch Ronalds Haare. Langsam sackte Ronalds Körper in sich zusammen und er legte sein Ohr auf meine Brust.
"Was tust du da?" fragte ich, während ich mich auf den Rücken legte, Ronalds Kopf immer noch auf meiner Brust.
"Ich höre auf deinen Herzschlag. Das beruhigt mich."
In dem Moment wusste Ich, dass ich Ronalds Herz auf keinen Fall aufgeben würde.
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Der Bruder des Sehers
FantasiTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
