PoV Leon
Die Luft war heiß und staubig. Ich konnte nichts sehen, kein Licht drang bis zu meinen Augen vor. Das einzige, was mich davon abhielt in Panik auszubrechen, war der Körper über mir. Ich wusste sofort, dass es Ronald war, nur bei ihm bekam ich so eine Gänsehaut.
"Leon?" fragte Ron leise und ich spürte seinen Atem in meinem Gesicht.
"Mir geht's gut." brachte ich leise hervor und Ron lachte leise. Es klang angestrengt.
"Das ist gut. Ich hatte Angst, ich wäre zu langsam." Ronald hielt die Steine davon ab, mich zu zerquetschen. Aber wie?
"Ron, wie kannst du-?" Ich beendete den Satz nicht, er würde auch so wissen, was ich meinte.
"Die Versieglung ist gebrochen." Überrascht sah ich Ronald an.
Er war mir so verdammt nah. Sein ganzer Körper wurde gegen meinen gepresst und sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von meinem entfernt.
"Ich hatte Angst, du würdest sterben. Das muss die Versieglung gebrochen haben." Einen Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Eigentlich war es unmöglich, einen solchen Fluch zu brechen, ohne den richtigen Zauber und das Objekt. In dem Fall der Dolch.
Konnte Rons Angst wirklich so groß gewesen sein?
"Alex wird uns hier raus holen. Wir müssen nur warten." versicherte Ron mir. Ich hätte jetzt so gerne sein Gesicht gesehen.
"Hälst du das durch?" fragte ich, obwohl ich die Antwort schon kannte.
"Ja." Er klang so überzeugt, dass ich keine Sekunde zweifelte.
Meine Gedanken, und mein Körper, fuhren Achterbahn. So nah waren wir uns noch nie gewesen, auch wenn die Umstände nicht die besten waren.
"Leon, ich kann fast hören, was du denkst. Das ist nicht der richtige Zeitpunkt." knurrte Ron und versuchte sich etwas bequemer hinzulegen, aber als die Steine über ihnen knirschten, hielt er inne.
Hoffentlich würde Alex sich beeilen, ewig würden wir beide das nicht durchhalten.
Ich bewegte mich leicht unter Ron, damit es etwas weniger wehtat, aber hörte auf, als Ron knurrte.
"Hör auf, dich zu bewegen. Du glaubst gar nicht, wie schwer die Situation gerade ist. Und damit meine ich nicht nur die Steine." Blut schoss in mein Gesicht und ließ meine Wangen rot werden.
"Entschuldige." Ron ließ seinen Kopf sinken, sodass ich seinen Atem an meinem Hals spürte. Aus Refelx drehte ich den Kopf leicht zur Seite. Einige Sekunden passierte gar nichts. Aber dann strichen Rons Lippen leicht über meinen Hals und ich seuftzte.
Ein zittern ging durch meinen Körper und hätte ich gekonnt, hätte ich meinen Körper mehr gegen seinen gedrückt. Aber zu viel Bewegung bewegte nur die Steine.
"Wir brauchen den Dolch trotzdem." flüsterte Ron in mein Ohr und ich nickte. Jeremie durfte ihn nicht bekommen.
Aber es viel mir schwer einen klaren Gedanken zu fassen, wenn Ron mir so nah war. Alleine sein Geruch trieb mich in den Wahnsinn.
Gerade als ich etwas sagen wollte, hörte ich ein Kratzen und eine Sekunde später, drang ein Lichtstrahl zu uns durch. Durch ein kleines Loch konnte ich Alex erkennen, der mit seinen großen Pfoten die Steine beiseite drückte. Scheinbar hatte Alex uns jetzt soweit freigeräumt, dass Ronald weiter machen konnte. Er drückte mit den Händen gegen die Boden und stämmte sich an diesem ab. Sofort vermisste ich die Wärme seines Körpers.
Ronald schaffte es sich soweit zu erheben, dass ich aus dem Loch rausklettern konnte. Die frische Luft schlug mir entgegen und ich atemte tief ein. Durch den Schock waren meine Gliedmasen noch zittrig, sodass ich mich langsam zu Boden sinken ließ und beobachtete, wie Alex und Ron den tonnenschweren Stein beiseite schoben.
Als Ronald danach auf mich zukam, bemerkte ich sofort, wie anders er jetzt wirkte. Als hätten seine Kräfte einen Schalter in ihm umgelegt.
Seine ganze Haltung war selbstbewusster, ein leichtes Leuchten war in seine Augen zurückgekehrt und er strahlte wieder diese übernatürliche Schönheit aus, wie alle Ur-Wesen. Aber das wohl auffälligste war die Narbe in seinem Gesicht. Oder besser gesagt, die jetzt vollständig verblasste Narbe. Selbst wenn man es wusste, konnte man sie nur noch erahnen.
"Du siehst anders aus." brachte ich hervor und Ronald grinste.
"Ich sehe wieder aus, wie ich. Meine Kräfte sind wieder da. Jetzt suchen wir diesen verdammten Dolch und holen unserer Brüder da raus."
PoV Jerom
"Also, wenn der Drache innerhalb weniger Minuten bei Easons Tempel angekommen ist, muss er schon in der Nähe gewesen sein. Und einen Drachen kann man nicht mal so eben verstecken." fing Niclas an zu erklären und tippte dabei etwas in den Computer ein.
"In einem Umkreis von 50 Kilometern, weiter kann er nicht weg gewesen sein, sonst hätten sie ihn schon vorher bemerkt, gibt es nur zwei Stellen, an denen man einen Drachen verstecken könnte." Der Computer zeigte einmal ein altes Fabrikgelände und einen verlassenen Jahrmarkt, mit einem weitreichenden, unterirdischen Tunnelsystem.
"Und du meinste, da hält sich Jeremie auf?" fragte ich sicherheitshalber nach, aber Niclas schüttelte den Kopf.
"Nein, nicht unbedingt. Der Drache könnte dort unterkommen, aber das heißt nicht, dass Jeremie auch dort ist. Aber wenigstens ist es ein Anfang." Ich nickte und drückte Niclas einen Kuss auf die Wange.
"Gut gemacht. Ich werde dann mal Leonie Bescheid sagen. Bis gleich." Niclas lächelte mich warm an und mir ging bei dem Anblick das Herz auf. Ich liebte ihn so sehr.
Auf dem Weg nach oben, bemerkte ich, dass es ziemlich ruhig war, dafür, dass hier ein Club war. Aber ich dachte mir nichts weiter dabei.
Hätte ich es mal getan.
Im Nachhinein fragt man sich doch immer, ob man sein Schicksal hätte abwenden können. Was wäre passiert, hätte ich eine andere Entscheidung getroffen? Wäre das selbe Ergebniss herausgekommen?
Aber die Antworten auf die Fragen würde man nie bekommen. Auch ich nicht.
Ich spürte nur, wie mein Herz einen Schlag aussetzte, als ich das Stripplokal betrat.
Ich spürte, wie meine Schultern hinabsanken und ich resigniert ausatmete.
Ich spürte die Angst. Nicht vor dem, was mir blühte, sondern vor dem, was es mit Niclas anstellen würde.
"Hallo, Bruder." ertönte Jeremies Stimme und sein breites Grinsen brannte sich in meinen Kopf.
Oft erkannte man sein Schicksal erst, wenn es einem mit einem Lächeln im Gesicht, das Messer durch die Brust rammte.
Ich pendle schon wieder sehr stark zwischen Bad und Happy End, hab für beides eine Idee🤔 was wäre euch lieber? XD
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Der Bruder des Sehers
FantasíaTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
