PoV Leon
"Und wir können mit Hilfe dieser Hexe wieder die Villa aufbauen? Einfach so?" fragte ich ungläubig nach und Crispin nickte abwesend, während er etwas auf seinem Handy tippte.
"Jetzt leg doch mal dieses Ding weg, Crispin!" fauchte Alice ihn an und genervt von seiner Schwester, legte Crispin das Handy auf den Tisch.
"Die Sache ist die, die Villa wieder aufzubauen ist nicht schwer. Das Problem wird der Schild sein. Er war sehr mächtig. Du weißt ja, dass die Villa früher eine Art Schule für Hexen war. Die Direktorin stammte von der direkten Blutlinie unserer Mutter ab. War also schon ziemlich mächtig. Sie erschuf den Schild zusammen mit dem damaligen Rat. So viele Hexen werden wir wohl kaum auftreiben können. Wir müssen erstmal improvisieren, aber eine abgeschwächte Vision des Schildes ist erstmal besser, als gar nichts." Ich nickte und lehte mich zurück. In der Küche war es relativ still. Leonie saß am Tresen uns las Zeitung, während Alex daneben saß und seine vierte Tasse Kaffee trank. Die beiden waren die Nacht zurückgekehrt, sie hatten Jeremie nicht finden können. Und wir hatten beschlossen die Sache erstmal ruhen zu lassen. Irgendwann würde Jeremie schon wieder auftauchen. Aber die Suche stellten wir jetzt erstmal ein.
Erik durchsuchte seine Bücher nach möglichen Ursachen für Jeremies Verhalten, während Niclas sich um Saskia kümmerte. Ich würde sie gleich nochmal besuchen. Das letzte Mal war schon wieder etwas her. Außerdem könnte laut Niclas jeder Tag ihr letzter sein. Aber wenigstens würde sie friedlich im Schlaf sterben. Nicht so wie andere von uns.
Ich hatte keine Ahnung, wo Ron war. Als ich aufwachte war ich alleine, sogar sein Bett war gemacht gewesen.
Das war jetzt elf Stunden her und langsam machte ich mir Sorgen, er würde die Nacht nicht nach Hause kommen.
Wahrscheinlich brauchte sein Ego eine Wiederbelebung, aber dennoch gefiel mir sein Verhalten nicht.
Bei dem Gedanken an letzte Nacht schlich sich dennoch ein Lächeln auf mein Gesicht. Ron hatte es gefallen, das hatte ich eindeutig gespürt. Möglicherweise war es ihm peinlich.
"Ich werde auf jeden Fall Kontakt zu einer alten Bekannten von mir aufnehmen. Sie hat sich auf Schutzzauber spezialisiert. Das sollte nur wenige Tage dauern, also haben wir quasi...Urlaub, danach können wir alle zusammen wieder in die Villa ziehen." Ich runzelte die Stirn, da ich bezweifelte, dass Ron mit seinem Bruder und den anderen zusammen leben wollte. Ich selber würde gerne wieder in der Villa leben, anderseits wollte ich auf keinen Fall ohne Ron wohnen. Darüber würden wir noch reden müssen. Ich konnte mir Ron aber auch einfach nicht zusammen mit uns anderen vorstellen.
"Was wäre, wenn wir aus der Villa wieder eine Schule machen?" Überrascht hob Crispin den Kopf und sah mich an.
"Überleg doch mal. Es gibt bestimmt viele Übernatürliche, die gerne von den Ur-wesen lernen würden. Oder von Erik. Ihr seid bekannt. Und mächtig. Und dann wäre wieder leben in der Villa. Die Bibliothek ist auch nicht zu verachten und so viele Räume sind ungenutzt." Crispin legte eine Hand an sein Kinn und schien ernsthaft darüber nachzudenken.
"Wenn das ganze vorbei ist, können wir da gerne nochmal drüber reden. Ich bin nicht abgeneigt von der Idee." Wahrscheinlich hätte Crispin noch mehr gesagt, aber ich spürte, wie Ron näher kam und wandte meinen Blick ab.
Ronald lief, ohne uns einen Blick zu würdigen, an der Küche vorbei und sah etwas genervt aus. Also eigentlich wie immer. Ich stand auf und folgte ihm.
"Leon, willst du ihn nicht vielleicht besser in Ruhe lassen?" versuchte Crispin auf mich einzureden, aber ich reagierte nicht darauf und folgte Ron in unser Zimmer.
"Wo warst du?" fragte ich als Ron seine Tasche auf den Sessel warf.
"Sind wir schon an dem Punkt unserer Beziehung angekommen?" Kurz stand mir der Mund offen. Wieso benahm er sich jetzt so?
"Wieso sagst du das?" fragte ich nach und klang leider verletzter, als ich es beabsichtigt hatte. Ronald hörte es wohl auch und sah mich kurz an.
"Ich war den ganzen Tag unterwegs. Ich möchte mich hinlegen." Ohne ein weiteres Wort zog sich Ron das Oberteil aus und setzte sich auf den Bettrand.
"Also sind wir jetzt schon so weit, dass ich Geheimnisse voreinander haben?" fragte ich patzig nach und deutlich genervt fuhr Ron sich durch die Haare und drehte mir den Rücken zu.
So langsam machte er mich wütend. Ich hatte ihm nichts getan. Lag es an gestern?
"Nein." hörte ich Ron sagen und schaute ihn fragend an.
"Ich weiß, was du denkst. Aber daran liegt es nicht, glaube mir. Akzeptiere einfach, dass ich dir nicht alles sage."
Ich wusste nicht, ob ich mehr verletzt oder wütend war. Auf jeden Fall wusste ich, dass ich keine Lust mehr hatte mit Ron zu reden. Also nahm ich mein Kissen vom Bett und verließ wortlos das Zimmer. Er hielt mich nicht auf, was meine Stimmung nicht besserte.
Als ich mit eingeschnappten Gesichtsausdruck und meinem Kissen unter dem Arm das kleine Wohnzimmer betrat, breitete sich auf Eriks Gesicht ein kleines Lächeln aus.
"So schnell?" fragte er nach und giftig sah ich ihn an, als ich das Kissen auf das Sofa warf und eine Wolldecke dazu legte.
"Nerv mich nicht. Da hab ich jetzt keine nerven für." fuhr ich Erik an und legte mich beleidigt auf das Sofa und drehte Erik den Rücken zu.
"Das wird wieder." versicherte mir Erik und drückte kurz meine Schulte, als er den Raum verließ.
Das war das erste Mal seit Wochen, dass ich alleine schlief. Es war ein komisches Gefühl und einschlafen konnte ich auch nicht.
Dennoch hielt ich stur die Augen geschlossen, selbst als ich hörte, wie jemand den Raum betrat.
Plötzlich hob jemand meine Decke an und drückte sich an mich.
Rons Wärme sorgte sofort dafür, dass ich mich besser fühlte. Dennoch hatte ich das Bedürfnis ihn vom Sofa zu schubsen.
"Schlaf einfach. Wir reden morgen darüber." flüsterte Ron in mein Ohr und stich kurz mit seinen Lippen über meine Ohrmuschel.
"Ich liebe dich, Leon." Ich antwortete nicht, aber trotzdem musste ich Lächeln. Ron war keine einfache Person. Aber wir würden das beste draus machen.
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Der Bruder des Sehers
FantasyTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
