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Kapitel 45 ~ Verständnis

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PoV Leon

Ich hatte schon mehrere Personen geküsst. Zwar nur Frauen, aber das war erstmal außenvor.
Aber das, dieses Gefühl, ließ mich in Frage stellen, jemals jemanden wirklich geliebt zu haben. Es war nicht zu vergleichen.
Rons Lippen auf meinen zu spüren, sein Körper, der sich gegen meinen presste, das ließ mich alles andere vergessen. Ich krallte meine Hände in Rons Haare und hörte ein leises seufzte von ihm. Keine Sekunde später spürte ich, wie Ron mit seiner Zunge über meine Oberlippe strich und willig öffnete ich dem Mund. Es gab keinen Dominantzkampf, es war klar wer welche Rolle übernahm. Also genoss ich es einfach wie Rons Zunge über meine stich und dafür sorgte, dass sich Hitze in meinem Körper ausbreitete. Dadurch, dass Ron und ich uns rhythmisch aneinander rieben, spürte ich die Wand in Rücken sehr deutlich und Ronalds Hände, die sich in einen Oberschenkel krallten, bereiteten mir zwar Schmerzen, aber sie waren aushaltbar. Eigentlich sogar recht angenehm, sie schienen die Lust sogar noch zu unterstreichen.
Aber so plötzlich, wie es angefangen hatte, hörte es auch wieder auf.
Ronald löste sich von mir und schlug gegen die Wand. Dann ließ er mich los und wandte mir den Rücken zu.
Unsicher sah ich zur Seite. Das Loch in der Wand war mindestens zehn Zentimeter tief.
"Ron?" Meine Stimme klang heißer und es tat weh einen Schritt zu machen. Bestimmt würde ich blaue Flecken an den Beinen und am Rücken bekommen, aber es war mir egal.
"Lass mich." knurrte er, aber ich hörte nicht auf ihn und trat um ihn herum, damit ich ihn ansehen konnte. Eigentlich hatte ich mit Wut gerechnet oder etwas ähnlichem. Aber sein Blick war traurig.
"Ich hab dir weh getan. Das habe ich gespürt. Aber ich hab nicht aufgehört." Ich streckte einen Arm aus und legte meine Hand an Rons Wange. Sie war warm.
"Das ist nicht schlimm. Ich wollte es doch auch." Ronald schüttelte den Kopf und schob meine Hand aus seinem Gesicht.
Erst jetzt fiel mir auf, wie pudelwohl ich mich fühlte. Als hätte es die letzten fünf Tage nicht gegeben.
"Leon, du verstehst das nicht. Was du gesagt hast...du hast recht. Ich kann nicht lieben. Nicht ohne diese Bindung. Das ist traurig. Du hast jemanden verdient, bei dem es echt ist. Der dich liebt, weil er es will und nicht weil er muss." Zwar schmerzten Ronalds Worte, wie sonst auch, aber jetzt würde ich ihn nicht mehr davon kommen lassen.
"Ronald, hör mir zu. Ich war schon mal verliebt, aber es war nicht annähernd so intensiv wie jetzt. Niemand sucht sich aus, wen er liebt, auch Menschen nicht, es passiert einfach. Nur weil unsere Seelen verbunden sind, nur weil sie diese Gefühle hervorrufen, muss es doch nicht weniger echt sein. Es fühlt sich echt an. Und für mich ist es das auch." Bevor Ron etwas sagen konnte, beugte ich mich vor und küsste Ron sanft auf den Mund. Ich sah, wie seine Augenlider flackerten, bis er sie schließlich schloss. Es war nur ein kurzer, dafür aber sehr gefühlvoller Kuss.
Als wir uns lösten, legte ich meine Stirn gegen Rons.
"Ich lebe seit fünftausend Jahren." flüsterte Ron und seine Finger glitten sanft über meine Hüfte.
"Aber jetzt fühle ich mich das erste Mal lebendig."
Ich schlang meine Arme um Ronalds Hals und drückte mich fest an ihn. Sowas nettes hatte er noch nie gesagt und mein Herz setzte einen Schlag aus.
Während Ron durch meine Haare strich, sagte ich einfach, was mir durch den Kopf ging.
"Die letzten fünf Tage war ich echt Depressiv. Jetzt geht es mir wieder gut. Wegen dir." Ich spürte Rons Hände an meiner Hüfte, wie sie mich sanft von ihm weg drückten.
"Das waren keine Depressionen." Ich runzelte die Stirn und sah Ron fragend an.
Was sollte es sonst gewesen sein?
"Das, was du da gespürt hast, war das erste Stadium, das man durchläuft, wenn er Gefährte einen verstößt." Meine Verwunderung wurde zu Schock. So sollte sich das anfühlen? Es war schrecklich gewesen.
"Aber wieso erst in den letzten fünf Tagen?" fragte ich zögerlich nach. Das Thema war mir nicht ganz geheuer.
"Das ist bei jedem anders. Bei dir ging es aber verhältnismäßig schnell. Normalerweise dauert es Monate." Die Rädchen in meinem Kopf drehte sich.
Ron hatte gesagt, dass wäre nur das erste Stadium gewesen. Plötzlich kam mir ein erschreckender Gedanke.
"Nach nur fünf Tagen war mir alles egal. Davor war der Schmerz kaum auszuhalten. Und Jeremie....er macht das seit über zwanzig Jahren durch. Das muss furchtbar sein." Das erste Mal hatte ich das Gefühl, Jeremie verstehen zu können.
Er war machtlos. Nicht böse. Er litt einfach nur höllenqualen, solange, bis er seinen Verstand verlor.
"Wir können ihn nicht einfach umbringen. Es ist nicht seine Schuld, vielleicht können wir ihm helfen." Meine Stimme klang hoffnungsvoll, aber Ron schüttelte schon den Kopf.
"Solange Crispin und Erik keine Dreiecksbeziehung haben wollen, können wir auch nicht helfen. Und glaube mir, der Tod wird ihn erlösen."

Der Bruder des SehersGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt