PoV Ronald
Ich war so viele Empfindungen nicht gewohnt. Meine Angst und Sorge um Leon und jetzt kam auch noch das hinzu.
Vollkommen fertig fuhr ich mir mit der Hand über die Stirn und setzte mich wieder neben Leon ans Bett.
Die Zeit war bald angelaufen und meine Hoffnung, er würde aufwachen schwand immer mehr. Er müsste sich längst bewegt haben.
Müde nahm ich seine kalte Hand in meine und drückte einen Kuss drauf.
Hätte ich ihn damals sterben lassen, hätte ich dieses Problem jetzt nicht verdammt.
Andererseits würde mir dieses warme Gefühl im Bauch, wenn ich Leon ansah fehlen. Niemals hätte ich gedacht, ich würde mich ehrlich verlieben. Und jetzt saß ich hier.
"Einerseits wünsche ich mir, ich hätte dich sterben lassen. Aber eine kurze Liebe ist inmer noch besser als gar keine, oder?" Mir war es egal wie verzweifelt ich mich anhörte und ich schloss die Augen.
"Aus welchem Glückskeks hast du das denn geklaut?"
Mein Herz setzte einen Schlag aus und ich riss die Augen auf.
Durch seine halb geöffneten Augenlider sah Leon mich an und hatte einen Mundwinkel leicht nach oben gezogen.
Sofort war der Schmerz der letzten Stunden vergessen und ich ließ erleichtert meinen Kopf auf Leons Brust sinken. Unfähig etwas zu sagen.
Als ich dieses nervige Kind das erste Mal gesehen hatte, hätte ich nicht geglaubt jemals so für ihn zu empfinden.
Ich spürte, wie Leon mir sanft durch die Haare strich. Aber er war noch sehr schwach, seine Hand zitterte merklich.
"Was ist passiert?" Ich richtete mich wieder auf und versuchte die Tränen der Erleichterung zu verbergen.
Ohne Erfolg, denn Leon strich mir schon mit dem Daumen über die Wange.
Jetzt sah ich seine Augen richtig. Sie waren inmer noch blau, hatten aber einen lilanen Schimmer bekommen, wie ihn alle Dämonen hatte, manche mehr, manche weniger.
"Dir hat jemand von Jeremies Leuten das Genick gebrochen." Er musste nicht unbedingt wissen, dass es seine verrückte Ex gewesen war. Er war auch so schon angeschlagen genug.
"Du hattest noch mein Blut im Körper. Also..." Leon unterbrach mich.
"Also bin ich jetzt ein Dämon." Es war keine Frage, sondern eine nüchterne Feststellung. Allerdings beunruhigte es mich, wie wenig begeistert er klang. Wollte er kein Dämon sein? Leon schien meinen Gesichtsausdruck deuten zu können und schnappte erschrocken nach meiner Hand.
"So meinte ich das nicht. Ich freue mich, dass ich wie du bin. Aber ich wünschte die Umstände wären anders gewesen. Ich hätte das gerne mit dir zusammen gemacht und nicht weil jemand versucht hat mich umzubringen. Schon wieder."
Beruhigt durch seine Worte schlich sich ein kleines Lächeln auf mein Gesicht und ich drückte Leon einen Kuss auf die Hand.
Natürlich war mir klar, dass ich Erik und Crispin bescheid sagen sollte, aber ich wollte Leon noch einen Moment für mich.
"Ich liebe dich." flüsterte ich gegen Leons Hand und sah wie sich ein sanftes Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete und seine Augen glitzerten verdächtig.
"Ich liebe dich auch."
Ich spürte ein Ziehen in der Brust, aber es war nicht unangenehm. So etwas hatte ich noch nie gespürt und es fühlte sich verdammt mächtig an.
War es das, was Erik und Crispin immer meinten, fühlte sich so wahre Verbundenheit an? Etwas anderes konnte es nicht sein und ich hoffte dieses Gefühl von jetzt an für immer zu haben.
Andererseits hatte ich auch Angst. Ich hatte gesehen, wie Gefährten brutal auseinandergerissen wurden und betete, dass niemals zu erleben.
Aber jetzt gerade im Moment spielte das keine Rolle.
Leon lebte und wir waren verbunden, durch unser Blut, unseren Geist und unsere Liebe.
Und das war nicht alles. Als ich die Ohren spitze konnte ich genau Leons und meinen Herzschlag hören.
Sie schlugen zusammen wie eins.
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Der Bruder des Sehers
FantasyTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
