PoV Erik
Als sich die Türe das nächste Mal öffnete, sah ich als erstes Crispin. Einen blutüberströmten Crispin. Mein Herz setzte einen Schlag aus und sofort stürmte ich auf ihn zu. Wie hatten sie ihn verletzten können, ohne das ich es spürte?
Hinter ihm trat Jeremie durch die Tür.
Er hatte sich verändert. Sein Gesicht war so blass, dass es gespenstisch wirkte und seine Augen waren blutunterlaufen. Am meisten verändert hatten sich sein Blick und seine Aura. Er strahlte puren Hass und Wahnsinn aus.
"Crispin, geht es dir gut?" fragte ich besorgt und strich über sein Gesicht. Er lächelte mich leicht an und drückte einen Kuss auf meine Stirn.
"Hab schon schlimmeres überstanden." versicherte er mir, was es aber nicht besser machte.
"Keine Sorge, dass kommt noch. Wenn du genauso leiden musst, wie ich." Jeremies Stimme klang tonlos.
"Rache hinterlässt nur Leere. Glaub mir." sagte Crispin und fuhr sich einmal über das Gesicht, wobei ein bisschen von dem Blut verschmierte.
"Leere ist besser als Schmerz." Jeremies Blick schoss zu mir und tatsächlich fühlte ich mich unwohl.
"Dein Bruder ist verdammt nervig." Dann sah er Crispin an. "Und deiner auch. Erst überleben beide den Angriff und jetzt rettet Ronald Leon schon wieder das Leben. Wirklich lästig." Wut ergriff meinen Körper, gleichzeitig sorgte ich mich um meinen Bruder. Was wenn er wirklich irgendwann umgebracht wurde?
"Die beiden haben sich zusammengeschlossen. Das gefällt mir gar nicht. Sie vereinen Genie und Wahnsinn, eine gefährliche Kombination." Jetzt schien es so, als würde Jeremie mehr mit sich selber reden.
"Aber ich weiß schon, wie ich weiter vorgehen werde." Jeremies Blick schoss wieder zu mir zurück.
"Bevor der nächste Tag beendet ist, wird dein Bruder tot sein. Dafür werde ich sorgen. Nimmt Crispin wieder mit!" fuhr Jeremie zwei Vampire an, die sofort gehorchten. Was verdammt nochmal war aus Jeremie geworden.
Ich weiß Ronald ist nicht einfach. Aber wenn er meinen Bruder lebendig aus der Sache rausholte, würde ich ihm die Welt zu Füßen legen.
PoV Leon
Als ich aufwachte lag ich alleine im Bett. Glücklicherweise, sonst wäre es vielleicht zu einer unangenehmen Situation gekommen. Alleine der Gedanke an das, was im Club passiert war, ließ das Blut in meine Wangen schießen. Es war mir peinlich, wie hatte ich mich so gehen lassen können?
Aber erstmal musste ich jetzt wissen, was Ronald mit Mia gemacht hatte. Und was Jerom und Niclas so trieben, ich hatte sie gestern gar nicht wirklich gesehen.
Also stand ich aus dem Bett auf und folgte dem Geruch von Kaffee bis in die Küche. Leonie und Jerom saßen dort, unterhielten sich aber nicht. Jerom tippte auf seinem Handy und Leonie blätterte gelangweilt in ihrer Zeitung.
Mir fiel auf, dass ich immer noch nicht wusste, wer oder was Leonie war. Aber das konnte erstmal warten. Als Leonie mich bemerkte, nickte sie mir leicht zu.
"Wo ist Ronald?" fragte ich und Leonie wandte sich wieder ihrer Zeitung zu.
"Er ist vor ein paar Stunden abgehauen. Keine Ahnung wohin, aber er kommt schon wieder. Das tut er immer." versicherte Leonie mir, aber das verhinderte nicht die Sorge, die in mir aufkam. Wenn ihm was passierte, sanken meine Chancen meine Familie zu finden drastisch. Nervös nahm ich Rons Kette in die Hand und drehte den kleinen Anhänger umher. Wenn er schon so lange weg war und das alleine....
"Woher hast du die?" unterbrach mich Leonies fassunglose Stimme und riss mich aus meinen Gedanken.
"Die Kette? Die habe ich von Ronald bekommen. Damit ich ohne Alpträume schlafen kann." Einen Moment schien Leonie nicht zu wissen, was sie sagen sollte. Sie öffnete ein paar Mal den Mund, schloss ihn aber wieder und spitzte nachdenklich die Lippen.
"Weißt du, diese Kette ist nicht einfach nur ein Schmuckstück. Sie verdrängt das, was einem am meisten zu schaffen macht. Bei dir sind es die Träume. Und bei Ronald die Schmerzen. Ohne diese Kette konnte er sich die ersten Tage nur kaum bis gar nicht bewegen. Sein Körper ist nicht dafür gemacht menschlich zu sein. Und er protestiert dagegen. Und jetzt gibt er dir diese Kette?" Es klang, als würde Leonie jetzt mehr mit sich selber reden, während ich erstmal schlucken musste. Jeroms Blick sagte ebenfalls deutlich, was in ihm vorging. Er war überrascht. Mehr noch, schockiert.
Ich konnte diese Kette definitiv nicht behalten, sobald Ron hier war, würde er sie zurück bekommen. Warum hatte er das überhaupt getan? Wieso litt er, nur damit ich schlafen konnte?
Plötzlich lachte Leonie auf und mit gerunzelter Stirn sah ich sie an.
"Weist du noch, als ich sagte, Ronald sei sehr wählerisch bei seinen Bettgeschichten?" Ich nickte und runzelte die Stirn. Was wollte sie denn jetzt mit dem Thema?
Leonie grinste mich breit an und rührte in ihrem Kaffee.
"Zwei Wochen. Ich gebe dir zwei Wochen, dann hat er dich flachgelegt."
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Der Bruder des Sehers
FantasyTEIL 3 Leon ist erwachsen und wie sein älterer Bruder Erik, hat auch er übermenschliche Fähigkeiten. Schon als kleines Kind konnte Leon die Zukunft sehen, als Erwachsener sind seinen Fähigkeiten kaum noch Grenzen gesetzt, selbst die alte Wahrsage...
